Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

Wächst Bio-Gemüse aus Spanien mit Hilfe von Kunstdünger?

von Leo Frühschütz (Kommentare: 1)


Spanische Bio-Tomaten: Wurden sie mit Kunstdünger gepampert? © Alicja Neumiler / shutterstock

Spanische Öko-Kontrollstellen erlauben Bio-Gemüseerzeugern den Einsatz leichtlöslicher Stickstoffdünger. Diesen Vorwurf erhebt die taz, bestätigt von einer deutschen Kontrollstelle.

Nach einem Bericht der taz hat die andalusische Kontrollstelle Sohiscert ein Düngemittel für den Ökolandbau erlaube, das 30 Prozent Stickstoff enthalte. Eine solche Konzentration sei mit organischen Düngemitteln nicht erreichbar, es müsse sich um synthetisch hergestellten Stickstoff, also um Kunstdünger handeln, argumentiert die taz.

Weitere Kunstdünger zugelassen?

Als Beleg zitiert sie Rolf Mäder vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL): „Mit den für den Ökolandbau zulässigen Substanzen ist bei circa 15 Prozent Stickstoff Schluss“. Es müsse sich um einen rein synthetischen Dünger handeln. Die taz berichtet von einem weiteren vermutlichen Kunstdünger mit Sohiscert-Zulassung sowie zwei früher von der Kontrollstelle freigegebenen verdächtigen Düngern. Verlinkt jeweils mit der Betriebsmittelliste der Kontrollstelle und den Hersteller-Katalogen.

Ceres verweigert Anerkennung von Zertifikaten

Wenn Sohiscert ein Mittel für den Ökolandbau zulasse, akzeptierten das alle anderen Kontrollstellen, schreibt die taz. Dies hätten ihr das Agrarministerium von Andalusien und die größte Biokontrollstelle in der Region, CAAE, bestätigt. Da die Mittel billiger als organische Dünger seien, würden sie vermutlich auch in großem Stil eingesetzt, lässt die taz Albrecht Benzing von der international tätigen deutschen Kontrollstelle Ceres erklären. Diese habe sich geweigert, Betriebsmittel-Zertifikate von Sohiscert anzuerkennen.

Kontrollstelle zieht sich aus Region zurück

„Neben diesen eindeutigen Fällen sind noch viele andere Düngemittel zugelassen, die laut Benzing zumindest verdächtig sind“, schreibt die taz weiter und schließt mit Benzings Fazit: „Bei der ökologischen Obst- und Gemüseproduktion vor allem im Süden Spaniens werden in größerem Umfang Düngemittel eingesetzt, die nach der EU-Ökoverordnung schlicht verboten sind.“ Ceres selbst ziehe sich aus der Region zurück, erklärte der Kontrollstellenchef der taz, „vor allem, weil die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Stellen zu so niedrigen Preisen führt, dass eine Arbeit, die unseren Qualitätsvorstellungen entspricht, nicht möglich ist“.

Anfrage an Importeure und das Landwirtschaftsministerium

Bio-markt.info hat die Fachhandelsimporteure Naturkost Schramm und Biotropic angefragt, wie sie den Sachverhalt einschätzen und inwieweit der Fachhandel betroffen ist. Vom Bundeslandwirtschaftsministerium wollen wird wissen, was es unternehmen wird, um zu verhindern, dass Kunstdünger-Gemüse aus Spanien in Deutschland weiterhin als Bio verkauft wird.          

Fortsetzung folgt.

 

Lesen Sie auch:

TV-Kritik: Billig-Bio am Pranger

Billigangebote aus dem Discount, Bilder vom Plastikmeer im spanischen Almeria und riesige Bananenplantagen. „Ist Bio noch Bio? Oder bleiben mit dem Boom die guten Absichten auf der Strecke?“ Diese Frage stellte der Sender ZDF in seinem Wissensmagazin planete.

EU-Staaten und Europol stoßen auf möglichen Bio-Betrug in Spanien

Die spanische Guardia Civil hat neun Personen wegen des Verdachts auf Lebensmittelbetrug festgenommen. Sie sollen konventionelle pflanzliche Erzeugnisse als Bio-Ware verkauft haben.

Bio-Markt in Spanien: Wachstum auf allen Ebenen

Mit mehr als zwei Millionen Hektar ist Spanien zum ersten Mal führend in Europa in Bezug auf die ökologisch zertifizierte Fläche. Auch der Bio-Markt entwickelt sich gut.

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!


Kommentar von Florian Pfahler |

Höchste Zeit dass das Problem ans Licht gezerrt wird. Bitte weiterzerren! Noch ist ja noch nicht einmal klar wieviel des spanischen Biogemüses konventionell gedüngt wurde. Ich bin gespannt, wie groß der Skandal noch wird; komplette Aufklärung ist jetzt das allerwichtigste. Danke an die Kontrollstelle, die das Spiel nicht weiter deckt.


Jetzt teilen

Anmeldung
Newsletter

Anzeige

Anzeige