Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

Urteil: Bio bleibt Bio – auch bei Abdrift

von Redaktion (Kommentare: 0)


© fotomek - Fotolia.com
© fotomek - Fotolia.com

Das Verwaltungsgericht Koblenz hat einem Bio-Winzer Recht gegeben, der gegen die Ökokontrollbehörde geklagt hatte. Diese hatte ihm untersagt, seinen Wein als Bio-Wein zu vermarkten, weil bei einer Kontrolle auf den Blättern ein im Ökolandbau nicht erlaubtes Pestizid nachgewiesen worden war.

Der Bio-Winzer führte die Belastung darauf zurück, dass die Pestizide mit dem Hubschrauber auf konventionelle Nachbarflächen gesprüht worden und dabei auf seine Parzellen abgedriftet seien. Die zuständige  Ökokontrollbehörde gestand das zu, wollte die von Abdrift betroffenen Weinberge und die aus deren Trauben gewonnenen Weine dennoch nicht vermarkten lassen.

Das Verwaltungsgericht stellte dazu in seiner Entscheidung klar, „dass allein die ökologische/biologische Produktionsweise dafür maßgebend ist, ob es sich um ein konventionelles oder um ein Bio- oder Öko-Erzeugnis handelt.“ Ein Verstoß des Winzers gegen diese Bestimmungen sei nicht festzustellen. Pflanzenschutzmittelrückstände in von konventionellem Weinbau umgebenen Ökokulturen seien die Regel. Keine Rückstände fänden sich nur dann, wenn im weiteren Umfeld kein konventioneller Weinbau stattfinde, schrieben die Richter. Eine „Verseuchung von Flächen durch Umweltgifte“ auszuschließen, würde erfordern, „dass die Produktion im geschlossenen System, zum Beispiel in einem Gewächshaus ohne Außenkontakt erfolgt.“

Auf Berufung verzichtet

Das Urteil fällte das Verwaltungsgericht bereits im März, räumte aber die Möglichkeit der Berufung ein. Auf die Berufung habe das zuständige Ministerium in Rheinland-Pfalz nach Abstimmung mit den Kollegen in den anderen Bundesländern wegen Aussichtslosigkeit jedoch verzichtet, teilte der Rechtsanwalt Hanspeter Schmidt mit. „Die Diskussion in Deutschland über Spuren von Pflanzenschutzmittel in Bioernteprodukten ist beendet“, lautet sein Fazit. „Das Urteil sagt, dass es für die Frage, ob Fläche oder Erntegut als ökologisch zertifiziert zu behandeln ist, nur (und wirklich nur) auf das Verhalten des Biobauern ankommt und nicht auf das Verhalten seines Nachbarn. Und zwar ganz gleich, ob dieser so spritzt, dass sehr viel oder wenig Spraydrift beim Biobauern ankommt.“

Das Vorgehen mancher Länderbehörden, bei einer festgestellten Belastung eines Bio-Produkts oberhalb des BNN-Orientierungswertes von 0,01 mg/kg von vornherein von einer Irreführung des Verbrauchers auszugehen, sieht Schmidt im Lichte dieses Urteils als „gesetzeswidrig“ an.

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!



Jetzt teilen

Anmeldung
Newsletter

Anzeige

Anzeige