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Sagen Sie uns Ihre Meinung: Braucht der Bio-Fachhandel eine Einkaufsgemeinschaft?

von Redaktion (Kommentare: 3)


Gemüse
Symbolbild © Shutterstock/Rawpixel.com

Wir haben mit Jürgen Blaas auf der Bodan-Hausmesse über das Thema "Einkaufsgemeinschaft für den Fachhandel" gesprochen (Das Video startet mit Jürgen Blaas bei Minute 0:43).

Was ist Ihre Meinung dazu?

 

Stichworte:

Naturkostfachhandel

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Kommentar von Edgar K. Rieflin |

Bisher hat der Fachhandel sich den Angeboten der Hersteller und Großhändlern angeglichen und gelistet was er so für gut und richtig hielt. Böse formuliert, treiben die beiden uns vor sich her und das hat ja bis jetzt auch gut funktioniert, dafür sei gedankt. Doch in Anbetracht der neuesten Firmenverkäufen, der allgemeinen Marktentwicklung, halte ich eine übergeordnete Zusammenarbeit für absolut notwendig.
Mein Vorschlag zur Diskussion: In Gestalt einer Genossenschaft, verhandelt eine Person mit den Herstellern, entwickelt ein Produktsystem in dem Regionalität, Nachhaltigkeit, Bio, usw. verwirklicht werden kann. organisiert in externer Zusammenarbeit Aus- und Fortbildung. Es gibt solches Konzept schon bei den kleinen Filialisten, die wie der Inhaber geführte Fachhandel unter enormem Druck stehen. Bis in spätestens zehn Jahren wird ohnehin alles Bio sein. Und da gilt es den Auftrag des Fachhandels heraus zu arbeiten und eine Alternative zum Werteverfall zu zeigen.

Kommentar von Georg Rieck |

„Und da gilt es den Auftrag des Fachhandels heraus zu arbeiten und eine Alternative zum Werteverfall zu zeigen.“ … schreibt Edgar Rieflin
So ist es!
Einen Auftrag in diesem Sinne hat es ja nie gegeben. Wir kamen aus der Ökologie-Bewegung der 1970iger Jahre und hatten die Idee, die Welt ökologischer zu machen, indem wir einen Markt für die Produkte der Bio-Bauern schaffen. Das fanden einige Bauern richtig gut, andere haben lieber selbst vermarktet und wieder eine andere Gruppe war gar nicht damit zufrieden, dass sie nicht einfach in den LEH liefern konnten. Die Diskussion um die „Fachhandelstreue“ ist schon so alt, wie müßig. Und spätestens nachdem der Bio-Großhandel und weitere Marktbeteiligte es von den Konventionellen gelernt hatten, wie man Preise drückt, hatte der Fachhandel seine Unschuld verloren. Und als das Wachstum des Fachhandels für die Wachstumsziele der Bauern nicht mehr ausreichte wurde „Fremdgehen in den LEH“ normal - allerdings noch "heimlich".
Bioland hat jetzt eben die Scheidung eingereicht, um diese zerrüttete Zwangsehe aufzulösen. Das empfinden viele Bauern als Befreiung. Allerdings fühlen sich besonders die kleineren Betriebe verraten, verkauft und heimatlos.

Wir - der Naturkost-Fachhandel - sollten deshalb jetzt nicht heulen, sondern kraftvoll daran gehen, den Auftrag der Gesellschaft – also unserer Kunden – an uns tatsächlich einmal herauszuarbeiten! Welchen Auftrag geben uns die Kunden? Welche Felder haben wir zu beackern?
Welche Werte sollen und wollen wir vertreten?

Ich würde jetzt zuerst die folgenden drei Werte als die wichtigsten diskutieren, Werte, die den Menschen wichtiger sind, als Konsum:

1. Alle Lebewesen auf der Erde sind für ihr Überleben auf funktionierende Öko-Systeme angewiesen. Deshalb stehen wir zur ökologischen Landwirtschaft, solange sie sich als Ökosystem versteht. Das heißt Kleinteiligkeit, Vielfalt und standortgerechte Produktion stehen mindestens gleichberechtigt zu ökonomischen Interessen. Drei Grundgesetze müssen beherzigt werden: 1. Milchproduktion nur auf Grünlandstandorten. 2. Schlaggröße maximal 10 ha. 3. Fruchtfolge mindestens 8 teilig.
2. Ökologische und regional angepasste Produktion von Lebensmitteln kann nur in kleinteiligen Strukturen überzeugend umgesetzt werden. Wir stehen für handwerkliche, kleinteilige und regional arbeitende Strukturen. Konzernfreie Produktion streben wir an.
3. Das Discount -Prinzip „Der VK hat mit dem EK nichts zu tun“ ist als Reaktorkern der Preisdrückerei erkannt. Der Preisdruck auf die Vorstufe ist eine Hauptursache unserer ökologischen und sozialen Probleme. Wir stehen für ökologisches Wirtschaften und handeln mit Partnern in Gleichberechtigung. Preisdruck und Ausnutzung von Marktmacht lehnen wir kategorisch ab!

Vor diesem Hintergrund halte ich vertikale Zusammenschlüsse für sinnvoll, wenn sie dem Zweck dienen, diese Werte mit Leben zu füllen. Zusammenschlüsse, mit denen wir unseren Kunden eine überzeugende Leistung im Sinne dieser - und weiterer - Werte besser erbringen können, wären hilfreich.
Zusammenschlüsse zum Zweck Marktmacht zu erreichen sind nicht zielführend.

Kommentar von Jörg Ottmar |

Unter der Voraussetzung, dass sich der Fachhandel (wer ist das eigentlich?) auf stilsichere, schlagkräftige und wertgebende Rahmenbedingungen einigen kann, ist das ein mögliches Szenario. Nicht übersehen werden sollten die Einflüsse und Auswirkungen auf die Verbands- und Großhandelslandschaft.

An dieser Stelle muss ich unbedingt die großartigen Videointerviews erwähnen. Die unaufgeregte Art von Herrn Fiedler sowie sein pfiffiges und lockeres Nachfragen hat großen Unterhaltungswert und offenbart nicht nur ein Stück Herstellermentalität, sondern auch so manche Entwicklung. Bravo, bitte weiter so!



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