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TV-Kritik: Fehler im Minutentakt

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


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Auf dem TV-Sender RTL lief kürzlich ein Beitrag mit Falaschaussagen über Bio-Haltung von Geflügel. © RTL

Der Sender RTL berichtete über Tierschützer-Kritik an einem Bio-Eiererzeuger. Dabei unterliefen der Redaktion zwei böse inhaltliche Schnitzer – in nur 2:21 Minuten.

Das Deutsche Tierschutzbüro hatte RTL Aufnahmen aus einem niedersächsischen Bio-Stall mit 13.000 Legehennen zukommen lassen. Die nächtlichen Bilder zeigen einen sehr dicht besetzten Volierenstall mit Tieren, deren Federkleid in einem sehr schlechten Zustand ist. Es sind zahlreiche tote Tiere zu sehen, die vom Betreiber täglich gesammelt, aber nur alle drei Tage entsorgt werden. Traurige Tatsachen, die auch in Bio-Betrieben vorkommen können und Konsequenzen haben müssten. Traurig aber auch, was RTL in 2:21 Minuten daraus gemacht hat.

Bio-Käfige erfunden

Im Beitrag sagt Jan Pfeifer von Tierschützbüro: „Diese Käfighaltung oder käfigähnliche Haltung ist tatsächlich in der Bio-Haltung auch erlaubt, das wissen viele Verbraucher nicht.“ Die Bilder zeigen jedoch keine Käfige, sondern eine Volierenhaltung, die für Bio-Hennen erlaubt ist. Die Redaktion erklärt den Unterschied nicht und korrigiert auch die Falschaussage des Tierrechtlers nicht. Im Gegenteil. Sie schreibt auf ihrer Webseite: „Allerdings ist Massentierhaltung in Käfigen laut Biozertifikat zulässig.“

Kontrollen verwechselt

„Höfe mit entsprechendem Siegel (gemeint ist das Bio-Siegel, Anm d. Red.) müssen eigentlich regelmäßig kontrolliert werden“, sagt die Sprecherin des Beitrags. Und weiter: „Dafür fehle in vielen Bundesländern aber oft das Personal, sagen die Tierschützer“. Als Beleg wird Jan Pfeifer zitiert: „Ein Hauptproblem sind sicherlich auch die Kontrollen, die eben durchschnittlich in Niedersachsen zum Beispiel nur alle 21 Jahre stattfinden, da kann man sich natürlich vorstellen, was so ein Betreiber in der Anlage macht, wenn da keiner richtig nachguckt.“ Jan Pfeifer spricht von den Kontrollen des staatlichen Veterinäramts, das für alle Ställe zuständig ist, egal ob bio oder konventionell. Dass ein Bio-Betrieb mindestens einmal jährlich von einer Öko-Kontrollstelle besucht werden muss und dafür auch genug Personal da ist (weil der Landwirt für die Kontrolle bezahlt), ist der Redaktion offensichtlich nicht bekannt. Oder sie hat es in den 2:21 Minuten einfach nicht unterbringen können. Statt dessen nutzt sie Pfeifers Aussage, um die Bio-Zertifizierung in Frage zu stellen: „Wie kann man sich da sicher sein...?“

Der Beitrag schließt mit der Bemerkung, dass der Hof alle Vorwürfe zurückweise. Der Betrieb sei nach Veröffentlichung der Bilder „mehrfach, unter anderem vom Veterinäramt kontrolliert worden.“ Das Ergebnis: „Es wurden nur kleinere Mängel festgestellt. Und es wurde auch zertifiziert“. Das klingt, als würde das Veterinäramt Bio-Betriebe zertifizieren.

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