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TV-Kritik: Beitrag hält die Mindeststandards nicht ein

von Leo Frühschütz (Kommentare: 1)


Frau mit Salat in einer und Fernbedienung in der anderen HAnd.
Der NDR hat sich mit der Frage "Bio für alle?" befasst. Unser Autor hat den TV-Wissenscheck unter die Lupe genommen. © Shutterstock/Alliance

Der Norddeutsche Rundfunk hat sich in seiner Reihe NDR WissensCheck mit der "Frage Bio für alle?" befasst. Unser Autor Leo Frühschütz hat sich den Beitrag angesehen.

Bio ist nicht mehr Nische sondern Massenmarkt und wird viel über Discounter verkauft. Was macht das mit Bio? Das will der NDR seinen Zuschauern erklären, schafft es aber nicht – weil der Beitrag in 45 Minuten erstaunlich wenig Information unterbringt. Stattdessen jede Menge Verbraucher, die den Reportern bestätigen dürfen, dass sie das auch schrecklich finden. Aber das gehört leider inzwischen zu den Mindeststandards für solche Magazin-Beiträge.

Der Discounter-Warenkorb in Bio ist 50 Prozent teurer

Deshalb braucht der NDR ganze zwei Minuten für die Information, dass ein eigens eingekaufter Warenkorb im Discount konventionell 10 Euro und in Bio-Qualität 15 Euro kostet, während man im Bio-Fachhandel dafür 28 Euro zahlen müsste. Die angebotene Erklärung: Große Mengen sind im Einkauf eben billiger. Drei Minuten braucht es für den nächsten Info-Happen: Discounter-Bio erfüllt nur EU-Mindeststandards, Bio-Verbände haben deutlich strengere Kriterien, wobei als Beispiel das Enthornungsverbot von Demeter genannt wurde.

Verbandsbauer dient als Beispiel für Discounter- und Massenbioproduzent

Danach kommt es dann kunterbunt: Carsten Niemann, Vorzeige-Biokartoffelanbauer aus dem Norden, wird als Beispiel eines Massenbioproduzenten vorgestellt, der an Edeka und Aldi liefert: Enorme 1.500 Tonnen im Jahr auf der Riesenfläche von sieben Hektar angebaut. Dass er Verbandsbauer ist (Biopark) bleibt unerwähnt. Als Beispiel für Massenbio bei Eiern wird die Zahl von 3.000 Hühnern genannt.

Von Haltungsbedingungen und Ausnahmeregelungen

Bei der Schweinehaltung nach EU-Bio-Standard thematisiert der Beitrag, dass einem 50-Kilo-Ferkel nur 0,8 Quadratmeter Platz im Stall zur Verfügung stehen, dass Antibiotika nicht ausgeschlossen sind und dass kein Auslauf auf die Wiese vorgeschrieben ist. Mitgeteilt wird auch, dass das Kupieren von Schwänzen zwar im Prinzip verboten ist, aber Ausnahmen zulässig sind. Die Aussage: „Ausnahmeregelungen werden großzügig ausgelegt“, belegen die Reporter nicht. Ebensowenig wie die Aussage: „Bioverbände garantieren meist bessere Haltungsbedingungen“, was bei den genannten Beispielen eben nicht zutrifft.

Gefühl vermittelt: Bio sei nicht so ganz das Wahre

Die Frage, ob Bio gesünder ist, testet der Beitrag an eineiigen Zwillingen, von denen der eine sich eine Woche lang nur von Bio ernährt. Nette Idee mit erwartbarem Ergebnis: Das Blutbild zeigt nach einer Woche keine wesentlichen Unterschiede.

Zum Schluss lobt der Beitrag noch die neuen gentechnischen Verfahren wie Crispr/Cas. Bisher gebe es keine Hinweise auf erhöhte Risiken sofern keine artfremden Gene eingebaut werden, lautet die Aussage. Das führt dann zu dem Fazit, dass es neben Bio auch weitere Konzepte für eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft gebe.

Fazit: Hier wurde kein Wissen vermittelt, sondern ein Gefühl: Bio ist nicht so ganz das Wahre.

Lesen Sie auch: Markenschutz für EU-Bio-Logo abgelaufen


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Kommentar von Gerhard Kohl |

Die 1500 Tonnen Kartoffeln von Herrn Niemann können nicht auf 7 Hektar, sondern wahrscheinlich auf 70 Hektar angebaut werden.



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