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Tierwohl-Label: Verbände wollen Kennzeichnungspflicht

von Redaktion (Kommentare: 1)


Sau mit Ferkeln und Auslauf
Spielt bei Klöckners Tierwohl-Label keine Rolle: Sau mit Ferkeln vom Öko-Hof © HQuality / shutterstock

Um das von Julia Klöckner geplante freiwillige Tierwohl-Label zu verhindern, erneuern Öko-Verbände und Tierschützer ihre Kritik. Der BÖLW sieht sogar einen Verstoß gegen EU-Recht.

Naturland und die Organisation ProVieh kritisieren, dass der vom Landwirtschaftsministerium vorerst zurückgezogenen Gesetzesentwurf für eine dreistufige freiwillige Tierwohlkennzeichnung den Status Quo zementiere. „Wir brauchen kein freiwilliges Tierwohl-Label, sondern eine verpflichtende und klare Kennzeichnung der Haltungsform, wie wir sie heute schon bei den Eiern haben. Dieses vom Verbraucher akzeptierte System muss Frau Klöckner einfach nur auf den Fleischbereich anwenden und die höchste Stufe der Öko-Erzeugung zuordnen“, sagte Angela Dinter, Fachreferentin für Schweinehaltung bei ProVieh.

Eigene Stufe für Öko-Schweine gefordert

Naturland Präsident Hubert Heigl erläuterte, dass Öko-Schweine über 50 Prozent mehr Platz hätten als die Schweine in Klöckners „Fake-Premiumstufe“. Öko müsse deshalb zwingend eine eigene Stufe in einem verpflichtenden Kennzeichnungssystem bekommen. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht der Öko-Bauern, so Hubert Heigl weiter.

BÖLW sieht Verstoß gegen europäisches Recht

Von den Öko-Feldtagen, wo das Thema diskutiert wird, meldet sich Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), mit klaren Forderungen:

  • „Fleisch und Wurst aus artgerechter Tierhaltung erkennen Kunden heute schon am Bio-Siegel.

  • Eine neue Kennzeichnung von Fleisch funktioniert dann, wenn sie verpflichtend ist und alle Produktionsstandards transparent macht. Was die Kundinnen und Kunden mit 0-1-2-3 beim Ei gelernt haben, muss jetzt auf ein Label für Fleisch übertragen werden. Auf jeder Fleischpackung muss zu erkennen sein, wie das Tier gehalten wurde, vom Mindeststandard bis zu Bio.

  • Der jetzt von Julia Klöckner geplante Sonderweg des ‚Tierwohllabels‘ stößt zu Recht auf Kritik von vielen Seiten. Das BMEL gibt vor, mit dem geplanten freiwilligen Label eine europäische, verpflichtende Kennzeichnung vorzubereiten. Warum Klöckner Bio nicht als eigene Stufe vorsieht, ist absolut unverständlich. Schließlich ist der gesetzliche Bio-Standard bereits europäisch verankert.

  • Klöckners Label soll vom Staat mit Millionen von Euro beworben werden. Die Einstiegsstufe ‚Tierwohl gut‘ verstößt allerdings gegen europäisches Recht, denn sie duldet, dass den Schweinen die Schwänze abgeschnitten werden. Suggeriert wird auch, dass der gesamte Lebenszyklus der Schweine im Label berücksichtigt wird. Dabei bleibt die Sauenhaltung völlig außen vor. Und bei der Schlachtung wird als Fortschritt verkauft, dass vor allem die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten werden müssen.

  • Das Prädikat Tierwohl, was vielen Kundinnen und Kunden und den Bauern wichtig ist, wird mit dem Tierwohllabel nicht gefördert sondern ausgehöhlt.“

Kritik von allen Seiten

Inzwischen wachse sowohl in der Großen Koalition, als auch in den Bundesländern der Widerstand. So hätten sich nach Angaben von Naturland und ProVieh schon mehrere Abgeordnete der SPD und der CDU/CSU Fraktion gegen Klöckners Gesetzentwurf ausgesprochen. Das Land Niedersachsen habe eine Bundesratsinitiative für eine verpflichtende Kennzeichnung gestartet. Naturland und ProVieh fordern die Ministerin auf, sich der Sachdebatte zu stellen und die Sommerpause zu nutzen, um den Entwurf zu überarbeiten: „Die Kennzeichnung muss verpflichtend werden und die Öko-Tierhaltung muss als eigene Stufe in die Kennzeichnung aufgenommen werden.“

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Kommentar von Hanna Wolf |

Da Klöckner bemüht ist, ihre Verbündeten, nämlich die Massentierhalter, zu schützen, möchte sie natürlich kein Label, das darauf hinweist, dass das Fleisch aus einer tierquälerischen Haltung stammt. Wäre wohl nicht verkaufsfördernd.


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