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Studie: Pestizidabdrift in Südtirol

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


Landwirtschaftsreferentin Christine Vogt beim Installieren eines Passivsammlers.
Landwirtschaftsreferentin Christine Vogt beim Installieren eines Passivsammlers. © Umweltinstitut München

Im Südtiroler Vinschgau weht der Wind Pestizide aus dem konventionellen Obstbau auch an abgelegene Stellen. Das zeigt eine Untersuchung des Umweltinstituts München.

Für seine Studie hatte das Institut vier Standorte gewählt: einen geschützten Garten im Ort Mals, eine Bio-Obstwiese inmitten konventioneller Plantagen, ein weiterer Bio-Betrieb und ein abgelegenes Seitental ohne Obstbau. An allen Orten stellte das Institut zwei Passivsammler auf, an denen sich in der Luft schwebende organische Schadstoffe anlagern können. Die Sammler wurden alle drei Wochen ausgewechselt und zur Analyse ins Labor geschickt.

Pestizidfunde zeigen erhebliches Verbreitungspotenzial

Das Labor fand von Mitte März bis mindestens Ende August 2018 insgesamt 20 verschiedene Wirkstoffe in den Sammlern, davon kamen sechs Pestizide an allen vier Standorten vor:

  • Fluazinam
  • Captan
  • Phosmet
  • Chlorpyrifosmethyl
  • Dithianon
  • Imidacloprid

„Das weist auf eine intensive Anwendung und ein erhebliches Verbreitungspotenzial über die Luft hin“, schreibt das Umweltinstitut in seiner Zusammenfassung der Studie.

Viele der in der Luft im Vinschgau nachgewiesenen Pestizide stellen nach Ansicht des Umweltinstituts „eine erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt dar“. So sei das Insektengift Thiacloprid als reproduktionstoxisch und schädlich für das Kind im Mutterleib eingestuft und vermutlich krebserzeugend.

Schwierige Bedingungen für Bio-Betriebe

Die höchsten Belastungen fand das Umweltinstitut in den Sammlern auf den beiden Bio-Betrieben, die selbst keine Pestizide anwenden. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie schwer die Bedingungen für Bio-Betriebe im Umfeld der intensiv bewirtschafteten konventionellen Apfelplantagen sind“, sagte Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Umweltinstitut und Leiter des Messprojekts. Auch die Anwohner und Urlaubsgäste seien in der direkten Umgebung der Plantagen nachweisbar Belastungen ausgesetzt.

Sechs Wirkstoffe haben wir noch auf über 1600 Höhenmetern in einem Seitental gefunden, mehrere Kilometer von den nächsten Obstplantagen entfernt“, betonte Bär. „Schaut man in die Zulassungsberichte der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde, dann sollte das eigentlich unmöglich sein. Für vier dieser Stoffe kommt sie zu dem Schluss, dass sie nur in vernachlässigbaren Mengen in die Luft übergehen und sich dort schnell zersetzen. Diese Bewertung kann also offensichtlich nicht stimmen“, lautete Bärs Fazit.

In diesem Jahr wird das Umweltinstitut zusammen mit dem Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft an rund 200 Orten in Deutschland die Luft auf Pestizidrückstände untersuchen.

Zur gesamten Studie

Linktipp: Südtirol: Giftspritzende Apfelbarone bedrohen innovativen BIO-Bauern

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