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Staatliches Tierwohllabel: Kritik der Bio-Verbände

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


Ferkel
Symbolbild © MrSamarn Plubkilang

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat vorgestellt, welche Kriterien Schweinehalter erfüllen müssen, damit sie das geplante staatliche Tierwohllabel erhalten. Nicht nur von den Bio-Verbänden hagelte es Kritik an den laschen Standards.

Naturland sprach zusammen mit derTierschutzorganisation Provieh von einer Mogelpackung, „die keine nennenswerten Verbesserungen für die Tiere bringt und den Verbrauchern beim Einkauf nicht weiterhilft“. Bioland warf der Ministerin vor, mit ihrem Kennzeichnungssystem die Bio-Tierhalter auszugrenzen. Der Bio-Dachverband BÖLW plädierte für eine vorgeschriebene Auslobung wie bei Eiern: „Nur wenn auf jeder Packung verpflichtend gekennzeichnet ist, wie das Schwein gehalten wurde, haben Verbraucher Klarheit. Und es entsteht mehr Nachfrage nach Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, was den Bauern hilft umzustellen.“ Der Demeterverband zog den folgenden Schluss:„Bio bleibt damit das einzige umfassende, aussagekräftige und ganzheitlich geprüfte Label für wirkliches Tierwohl“, lautet das Fazit von Demeter.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken forderte die Bundeslandwirtschaftministerin zum Umdenken auf: „Wenn Klöckner etwas am Tierwohl liegt, dann muss sie stattdessen gute gesetzliche Standards für Tierwohl bei Transport, Schlachtung und Kastration einführen – ganz losgelöst von einem Label, das die Haltung kennzeichnen sollte.“ Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) nannte Klöckners erste Stufe „sehr ambitioniert“. Ihrer Meinung nach müsse die Ministerin eine Nutztierstrategie entwickeln, die es den Tierhaltern ermögliche, die Tierwohlmaßnahmen wirtschaftlich und genehmigungstechnisch überhaupt umzusetzen. Außerdem müsse sie für eine Finanzierung der Tierwohlmaßnahmen sorgen.

Kritische Stellunganhmen gab es unter anderen auch vom Deutschen Tierschutzbund, von Foodwatch und vom Regierungspartner SPD, wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtete.

Hintergrund zum staatlichen Tierwohllabel

Schon seit Jahren verspricht die Bundesregierung ein freiwilliges staatliches Tierwohllabel. Nun liegen wenigstens für Schweine die Vorgaben fest, die anderen Tierarten sollen folgen. Vorgesehen ist eine dreistufige Kennzeichnung.

Für die erste Stufe müssen Tierhalter ihren Schweinen 20 Prozent mehr Platz einräumen als gesetzlich vorgesehen. Die Tiere müssen Zugang zu organischem Beschäftigungsmaterial wie Stroh haben und ihre Buchten müssen strukturiert sein, dürfen also nicht mehr gänzlich aus Spaltenböden bestehen. Das betäubungslose Kastrieren der Ferkel ist nicht erlaubt. Beim üblichen Kupieren der Schwänze ist sein „Beschleunigung des Einstiegs in den Ausstieg“ vorgesehen. Erst in der zweiten Stufe ist das Verstümmeln der Tiere ganz verboten. Dann bekommen sie noch etwas mehr Platz und eine eigene weiche oder eingestreute Liegefläche. Auslauf gibt es erst in der dritten Stufe, bei der allerdings nur einzelne Kriterien auf Bio-Niveau sind. Kriterien oberhalb der gesetzlichen Mindeststandards gibt es auch für Tiertransporte und die Schlachtung.

Im nächsten Schritt sollen die nun vorgestellten Standards in einen Verordnungsentwurf gegossen werden.

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