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Richter haben entschieden: Küken töten ist vernünftig

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


© enisNata - Fotolia.com

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat entschieden, dass das massenhafte Töten männlicher Eintagsküken nicht gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Die konventionelle Eierwirtschaft begrüßte das Urteil, Tierschutzorganisationen und Politiker kritisierten die Richter und die Untätigkeit des Bundeslandwirtschaftsministers.

Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel hatte 2013 die Tötung männlicher Küken von Legehennen-Linien per Erlass beenden wollen. Er begründete dies damit, dass es laut Tierschutzgesetz einen vernünftigen Grund brauche, um ein Tier zu töten. Der liege beim Kükentöten nicht vor. Gegen den Erlass hatten die betroffenen Brütereien geklagt und nun in zweiter Instanz Recht bekommen.

Für das Töten von jährlich rund 45 Millionen Eintagsküken in Deutschland gebe es einen vernünftigen Grund, argumentierten die Richter: die wirtschaftliche Versorgung der Menschen mit Eiern und Fleisch. „Die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken aus einer Legehennenrasse sei für die Brütereien mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden. Würden diese Küken aufgezogen, seien sie von den Brütereien praktisch nicht zu vermarkten“, heißt es in der Mitteilung des Gerichts. Dies hätten auch „die für den Tierschutz verantwortlichen staatlichen Stellen über Jahrzehnte hinweg“ so gesehen.

„Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts ist eine herbe Niederlage für den Tierschutz in Deutschland“, kommentierte Minister Remmel die Entscheidung und forderte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt auf, endlich das Tierschutzgesetz zu ändern. Doch dieser „versteckt sich lieber hinter wohlfeilen, teuren und langwierigen Forschungsvorhaben, die von der Marktreife entfernt sind“, sagte Remmel. Gemeint ist damit ein Vorhaben, bei dem durch maschinelle Unersuchungen bereits im Ei das Geschlecht der künftigen Tiere bestimmt werden soll.

Für Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, ist die Geschlechtserkennung im Ei eine technische Lösung, die nur ein Symptom bekämpfe. „Grundursache für den Mord an männlichen Küken ist eine Zucht, die auf immer intensivere Nutzung ausgerichtet ist. Daher stellt sich die Systemfrage.“ Das sehen auch die Verbände Bioland und Demeter so und haben mit der Ökologische Tierzucht GmbH begonnen, das Bio-Huhn von morgen zu züchten: Zweinutzungstiere, bei denen die Hühner hinreichend Eier legen und die Hähne trotzdem genug Fleisch ansetzen.

Ausführlich hat Schrot&Korn das Thema in der Ausgabe 2/2016 behandelt.

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