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Regionale Wertschöpfung: Was den Aufbau behindert

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Politiker zu Gast beim Netzwerk Regionalitätsstrategie NRW © R-NRW

Knapp 40 Personen aus dem Netzwerk Regionalitätsstrategie NRW diskutierten kürzlich notwendige strukturelle Veränderungen für den flächendeckenden Ausbau einer regionalen Vermarktung. Vieles liege hier noch im Argen.

Was fehlt, seien Anlaufstellen, die Landwirte mit Handwerksbetrieben und engagierten Verbrauchern vernetzen, daraus entstandene Projektideen begleiten und bei der Beantragung von Fördermitteln unterstützend zur Seite stehen. „Es gibt zwar Förderprogramme, doch das gesamte Procedere um die Beantragung ist schwierig und zum Teil widersprüchlich. Wir haben letztlich ohne öffentliche Gelder gebaut“, berichtete Elisabeth Schulte-Althoff, Bäuerin mit Hofmilchtankstelle aus Haltern am See.

Viel Bürokratie, abstruse Vorschriften

Eberhard Vielhaber, Bäckermeister aus Sundern, stellte den Bürokratieaufwand dar, mit dem er als Geschäftsführer alltäglich zu kämpfen habe: Verfahrensdokumentationen von rund 200 Seiten über alle Vorgänge in der Verwaltung, die ständig aktuell gehalten werden müssten, führten dazu, dass er mehr Zeit mit Dokumentation zubringe, als mit dem eigentlichen Handwerk des Bäckers.

Abstruse Vorschriften erschwerten und verteuerten die Arbeitsabläufe. Zum Beispiel müssten seine Mitarbeiter für die Umstellung auf eine schwerere Fahrzeugklasse für die Brötchenauslieferung neben dem Erwerb des entsprechenden Lkw-Führerscheins eine sogenannte beschleunigte Grundqualifikation vorweisen. Diese Ausbildung koste über 2.000 Euro und dauere etwa fünf Wochen und damit fast so lange wie ein Hubschrauber-Führerschein in den USA.

Flexibilisierung der EU-Verordnungen bieten Chance 

Kleinbetriebe brauchen unbedingt eine bürokratische Entlastung, fordert das Netzwerk. Sie hätten nicht wie Großbetriebe eigene Abteilungen, die sich mit Datenschutz, Hygienerichtlinien, Arbeitsrecht etc. befassen. „Die Flexibilisierung der EU-Verordnungen bietet eigentlich eine gute Voraussetzung für betriebsindividuelle Lösungen“, sagte Dr. Andrea Fink-Keßler von den Landforschern, einem Netzwerk unabhängiger und freiberuflicher Forschungsbüros. So könnten klar definierte Ausnahmeregelungen für Kleinerzeuger und das Handwerk in Deutschland umgesetzt werden.

Regionale Clearingstellen notwendig

Die Veterinäre in den Regionen legten diese Verordnungen und Regelungen unterschiedlich aus, so ein weiterer Kritikpunkt. Hier müssten die entsprechenden Ämter sensibler sein und den Erhalt von Betrieben im Blick behalten, fordert Bruno Jöbkes vom Schlachtbetrieb Naturverbund in Wachtendonk. Die Betriebe hätten solche Problematiken keine zentralen Anlaufstellen. Regionale Clearingstellen, die im Konfliktfall auch zwischen den Belangen der Landwirtschaftskammern, der Innungen, der Kreise und Kommunen sowie der Wirtschafts- und Agrarförderung vermitteln, seien notwendig. 

Berufsausbildung muss angepasst werden

Der Aufbau einer regionalen Vermarktung könne durch entsprechende finanzielle und personelle Begleitung viele Chancen für regionale Betriebe bieten. Ergänzt werden müsse dies allerdings durch angepasste Ausbildungs- und Weiterbildungsstrukturen. Denn: Die Berufsausbildung in den notwendigen Handwerksberufen erodiere und alternative Verfahren wie tiergerechtes Schlachten oder handwerkliche Milchverarbeitung werden in den Berufsschulen selten gelehrt. Dass es auch anders gehe, zeigten z.B. die Landwirtschaftsschulen in Südtirol, die sich zu einer Art Lebensmittelhandwerkschulen entwickelt hätten.

Regionalitätsstrategie wird erarbeitet 

An Themen-Tischen und im Speeddating mit der Politik diskutierten die Netzwerkpartner, wie konkret Weiterbildung und Unterstützungsstrukturen für eine Förderung regionaler Vermarktung natur- und umweltschutzverträglich erzeugter und handwerklich verarbeiteter Produkte gestaltet werden könnten. Die Regionalbewegung NRW will diese Ergebnisse aufarbeiten und in den weiteren Prozess des „Landesdialogs Regionalitätsstrategie NRW“ einbringen. Ziel sei es, Mitte 2021 eine mit den Netzwerkpartnern abgestimmte Regionalitätsstrategie vorlegen zu können. Dieses Vorhaben wurde im abschließenden Politiktalk von Vertretern der CDU, SPD und Grünen begrüßt. Über die Notwendigkeit neuer Konzepte und Strukturen waren sich die Politiker einig.

Fortlaufende Informationen zum „Landesdialog Regionalitätsstrategie NRW“ sowie zu den Netzwerkpartnern erhalten Sie unter: www.nrw.regionalbewegung.de.  

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