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Positionspapier: Bundesregierung soll Agrarökologie stärken

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


Möhrenfeld
Agrarökologie geht über reinen Ökolandbau hinaus, da sie gleichzeitig auch soziale Voraussetzungen ändern will. © Shutterstock/Nikolic Vladimir

Agrarökologie gilt als die Alternative zur industriellen Landwirtschaft. Aber was genau ist das eigentlich?

„Agrarökologie ist ein wissenschaftlich fundiertes Konzept, das zugleich auf ökologischen Prinzipien, dem politischen Ansatz der Ernährungssouveränität und dem Recht auf angemessene Nahrung basiert.“ So steht es am Beginn eines Positionspapier in dem 55 deutsche Organisationen einen grundlegenden Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme fordern – hin zur Agrarökologie. Diese baut auf Prinzipien des ökologischen Landbaus auf, wie Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Kreislauf von Boden-Pflanze-Tier und Mensch oder Unabhängigkeit der Betriebe von externen Betriebsmitteln.

Mehr als „nur“ Ökolandbau: Sikkim und die EVG Landwege

Doch geht Agrarökologie weit über den Ökolandbau hinaus, weil sie auch die sozialen Bedingungen ändern will. Dabei setzt sie auf die die lokale Bevölkerung sowie bäuerliche Erzeuger, Verarbeiter und Händler vor Ort. Ihr Ziel ist es, die lokale Versorgung zu stärken und Abhängigkeiten, etwa von Konzernen, zu verringern. Als Beispiele nennt das Papier die Transformation des indischen Himalaya-Staates Sikkim: 100 Prozent Ökolandbau verbunden mit nachhaltigem Tourismus. Aufgeführt wird auch die Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft (EVG) Landwege, die mit ihrer regionalen Wertschöpfungskette rund um Lübeck dazu beiträgt, „dass Erzeugungsstrukturen erhalten bleiben und Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden“.

Positivbeispiele als Modell für die GAP

Aus solchen positiven Beispielen heraus fordert das Positionspapier die Bundesregierung auf, sich klar zur Agrarökologie zu bekennen. In der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit sollte Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung auf dem Land werden. Auch müsse sich die Regierung aus „der Förderung von Initiativen und Projekten wie der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika zurückziehen, weil deren Ansatz dem Konzept der Agrarökologie diametral entgegensteht“.

Bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) sehen die 55 Organisationen die Bundesregierung ebenfalls gefordert. Statt agrarindustrielle Betriebsmodelle zu unterstützen solle die GAP „artgerechte Tierhaltung sowie einen Umbau im Ackerbau (mehr Fruchtfolge, Leguminosenanbau, vielfältige Flächenstruktur) fördern und wirkungsvoll zu Umwelt-, Tierschutz- und Klimazielen beitragen“.

Was Agrarökologie bewirken kann, zeigen 15 herausragende Projekte, Programme, Sozialunternehmen und Nichtregierungsorganisationen des globalen Südens. Sie wurden von der Hamburger Stiftung World Future Council und dem Stuttgarter Start-up Technology for Agroecology in the Global South (TAGS) mit der erstmals vergebenen Ehrung „Outstanding Practice in Agroecology“ ausgezeichnet.

 

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