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Nutri Score: Viel Farbe, wenig Wirkung?

von Horst Fiedler (Kommentare: 0)


Ministerin Julia Klöckner präsentiert das Nutri-Score-Label © BMELF

Die Lebensmittelampel soll kommen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner folgt dem Votum der Verbraucher und will das Lebensmittelkennzeichen Nutri-Score einführen. Den Herstellern steht es allerdings frei, ihre Produkte mit dem Label zu kennzeichnen.

Die von 57 Prozent der befragten Verbraucher ausgewählte Kennzeichnung Nutri-Score teilt die Lebensmittel nach den Farben einer Verkehrsampel von Grün für empfehlenswert bis Rot für problematisch ein. Basis für die Beurteilung ist im Wesentlichen der Gehalt an Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren, dem positive Eigenschaften des Lebensmittels gegenübergestellt werden.

Verpflichtung hängt an der EU

Größter Schwachpunkt des Labels ist die Freiwilligkeit, die solange bestehen bleiben muss, bis das EU-Recht geändert wird oder die EU den Nutri-Score verpflichtend für alle Mitgliedsstaaten einführt. Bis dahin wird es davon abhängen, ob Hersteller mit problematischen Lebensmitteln diese auch kennzeichnen. Doch wer zeichnet seine Produkte freiwillig mit der Kategorie E (Rot) aus und hofft dann noch auf steigende Umsätze?

Nur grün-gekennzeichnete Produkte in den Regalen?

Zu erwarten ist, dass nach Einführung des Labels zunächst weit überwiegend Grün gekennzeichnete Produkte in den Regalen stehen. Die Verbraucher haben dann aber zumindest eine Orientierung. Zu hoffen ist jedoch, dass Hersteller problematischer Produkte ihre Rezepturen soweit ändern, dass sie die Kategorie A (Grün) erreichen und dadurch im Vergleich zu Wettbewerbern, die lieber auf das plakative Label verzichten wollen, mehr Artikel absetzen können. Bei den konventionellen Herstellern nutzt z.B. Iglo das Label: „Eine klare Nährwertkennzeichnung hilft Verbrauchern dabei, eine ausgewogene Lebensmittelauswahl zu treffen. Deshalb verwenden wir – freiwillig – das bereits in Frankreich etablierte Kennzeichnungssystem Nutri-Score." Und Danone hat sogar die Rezeptur seiner Fruchtzwerge geändert, um zumindest die Kategorie B (Hellgrün) zu erreichen.

Soll der Naturkostfachhandel mitmachen?

Wenn Lebensmittel zu viel gesättigte Fettsäuren, Zucker oder Salz enthalten, können auch Bio-Produkte problematisch sein. Deshalb muss sich auch die Bio-Branche mit der Frage auseinandersetzen, ob Fachhandelsmarken das Nutri-Score-Label tragen sollen oder nicht. Weil die Kategorisierung einfachen Prinzipien folgt und Negatives gegen Positives abgewogen wird, sind viele Einordnungen sicher diskussionswürdig. Außerdem bekommt Bio keinen Bonus für den Verzicht auf Pestizide.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Nutri-Score-Label im Naturkostfachhandel. Sollen alle Bio-Hersteller und -Inverkehrbringer ihre Produkte mit der farbigen Skala labeln? Oder ist Bio per se schon gesund genug? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion unten.

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