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Ökolandbau siegt im Leistungsvergleich

von Leo Frühschütz (Kommentare: 2)


Bauer erntet Möhren.
Der Ökolandbau schneidet in einer neuen Studie deutlich besser ab als der konventionelle. © Shutterstock/alicja neumiler

Deutsche Wissenschaftler haben die bisher umfangreichste Studie zu den ökologischen und sozialen Leistungen des Ökolandbaus vorgelegt. Das Ergebnis ist klar: In fünf von sieben Bereichen lag der Ökolandbau vorn.

22 Wissenschaftler, koordiniert vom bundeseigenenen Thünen-Institut und der Universität Kassel, haben 528 Studien ausgewertet, in denen ökologischer und konventioneller Landbau miteinander verglichen wurden. Dabei haben sie die Leistungen in sieben Bereichen betrachtet.

In folgenden Bereichen schlug Bio konventionelle Landwirtschaft:

  • Gewässerschutz
  • Bodenfruchtbarkeit
  • Biodiversität
  • Anpassung an extremere Klimaverhältnisse
  • effiziente Nutzung von Stickstoff

Klimaschutz und Emissionen

Beim Klimaschutz ergab sich, dass ökologisch bewirtschaftete Böden zehn Prozent mehr organischem Bodenkohlenstoff enthielten und mehr Kohlenstoff speichern können. Auch waren die Emissionen des extrem klimaschädlichen Lachgases um ein Viertel niedriger. Da aber auch die Erträge pro Hektar niedriger sind, verschwinden diese Vorteile, wenn man sie auf die geerntete Menge umrechnet. Weil dazu belastbare Daten fehlen, kamen die Wissenschaftler ertragsbezogen zu dem Schluss: „wahrscheinlich vergleichbare Leistungen wie die konventionelle Landwirtschaft.“

Leistungen fürs Tierwohl

Zum Thema Tierwohl heißt es in der Studie: „Über alle Nutztierarten und Produktionsrichtungen hinweg ergaben die Ergebnisse kein klares Bild, ob ökologische im Vergleich zu konventionellen Betrieben höhere Tierwohleistungen erbringen.“ Das Management scheine entscheidender zu sein als die Wirtschaftsweise.

Schlüsseltechnologie für nachhaltige Landnutzung

Aus ihren Auswertungen folgern die Autoren der Studie, „dass der ökologische Landbau einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen dieser Zeit leisten kann und zu Recht als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Landnutzung gilt“.

„Bio wirkt. Das System Ökolandbau leistet viel, damit Umwelt und Klima geschützt werden“, kommentierte Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bio-Dachverbands BÖLW, die Studie. Er betonte, dass Bauern, die enkeltaugliche Landwirtschaft betreiben, dafür honoriert werden müssten. „Jeder Euro für Bio bedeutet eine Investition in sauberes Wasser, gesunde Böden und Klimaschutz.“ Hier sei die Politik am Zug. „Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihre Kollegen in Bund und Ländern müssen die agrarpolitischen Weichen noch entschiedener auf Öko stellen“, sagte Löwenstein. Die Reform der EU-Agrarpolitik biete dafür die beste Gelegenheit.

Hier geht es zur Kurzfassung der Studie

 

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Kommentar von Wöcherl Has |

Die höheren Erträge der konventionellen Landwirtschaft sind als Maßstab ungeeignet, weil damit alle schädlichen Umweltauswirkungen auf das Grundwasser, die Biodiversität, den Boden (Humusabbau), das Klima (THG-Emissionen) und die Luft (hohe Feistaubbelastung) verbunden sind, die nur durch Ökolandbau vermieden werden können. Allein um den Klimawandel und das Artensterben aufzuhalten sollte die Hochertragslandwirtschaft beendet und nicht als Vorwand benutzt werden, um die hohen Umweltleistungen des Ökolandbaus zu relativieren. Auch die Agrarwissenschaft hat eine Verantwortung gegenüber künftigen Generationen und nicht nur für eine hohe Feld-Rendite!
Hans Wöcherl, Biobauer seit 35 Jahren in Südbayern.

Kommentar von Heiner Petersen |

Mir reicht die Aussage:...."wahrscheinlich vergleichbare Leistung" beim Klimaschutz.... nicht! Es zeigt ein ganz klares Defizit in unserer Produktionsweise auf, die mit den unbestrittenen genannten Vorteilen nicht mal so eben verschnitten werden kann!
Der Einstieg in eine (Nährstoff)-kreislauf Wirtschaft ist überfällig und wenn es nicht innerhalb des Ökolandbau heutiger Prägung geschieht, wird es ausserhalb und in anderen Ländern entwickelt. Ich drücke den jungen InnovatorInnen die Daumen!


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