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Kükentöten bleibt erlaubt – Bio-Branche arbeitet an Alternativen

von Redaktion (Kommentare: 0)


Küken
Männliche Küken dürfen in der Geflügelhaltung nicht mehr getötet werden. Symbolbild © Shutterstock/chayakorn lotongkum

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat sein Urteil gesprochen: Das massenhafte Töten von männlichen Küken in der deutschen Legehennenzucht darf weiter gehen – zumindest übergangsweise.

Die Richter sehen die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien nicht als vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes an, der es rechtfertigt, männliche Küken nach dem Schlüpfen zu töten. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die Fortsetzung der Praxis aber noch rechtmäßig. In Deutschland werden jedes Jahr rund 45 Millionen männliche Küken aus Legehennenrassen getötet, meist vergast oder geschreddert und zu Futtermittel verarbeitet.

 „Ich bedaure, dass das Gericht die wirtschaftlichen Interessen der Massentierhaltung über das Staatsziel Tierschutz stellt. Tiere sind keine Massenware, die nach Bedarf weggeworfen werden kann. (...) Tiere dürfen nicht mehr einseitig auf Leistung gezüchtet werden. Langlebigkeit und Robustheit müssen die Hauptkriterien sein. Bei Geflügel müssen wir zum Zweinutzungshuhn zurück.“

– Martin Häusling (Die Grünen)



Ausgelöst wurde das Verfahren durch einen Erlass aus dem Jahr 2013. Damit versuchte das damals von Grünen geführte Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen, das Kükentöten zu verbieten. Brütereien hatten erfolgreich dagegen geklagt: Das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen befand, das Töten der Küken sei vereinbar mit dem Tierschutzgesetz. Nun hat das Bundesverwaltungsgericht abschließend anders entschieden, erlaubt das Töten aber noch, bis Alternativen dazu eingeführt sind. Initiativen aus der Bio-Branche beschäftigen sich mit dem Thema schon seit Jahren, seien es Bruderhahnaufzucht oder Zweitnutzungshühner.

Lösungsansätze aus der Bio-Branche

Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) appelliert, auf echte und ganzheitliche Alternativen zum Kükentöten zu setzen – und spricht sich gegen die In-Ovo-Selektion aus, bei der die Brüterei das Geschlecht der Embryos im Ei bestimmt. Eier mit männlichen Embryos werden aussortiert, so dass nur noch Legehennenküken zur Welt kommen. Für Inga Günther bedeutet die Geschlechtsbestimmung im Ei sogar eine „Verschlechterung der Zustände“, da bei dieser Methode eine Verwertung wie beim „Futterküken“, das in Zoos oder Adlerwarten verfüttert wird, nicht möglich sei – und das Kükentöten zudem nur vorverlegt würde.
 

„Um diese Revolution bis auf die Teller zu bringen, müssen sich
die Akteure der Bio-Branche zusammentun und gemeinsam für
die Aufzucht männlicher Tiere eintreten.“ 

– Inga Günther, Geschäftsführerin der
Ökologischen Tierzucht gGmbH

 

Echte Lösungen sind für Inga Günter die Bruderhahnaufzucht sowie Zweinutzungshühner, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen. Ein solches Zweinutzungshuhn für die Biobranche züchtet die ÖTZ, ein gemeinsames Projekt von Bioland und Demeter.

Die von Bio-Großhändlern und Landwirten 2012 gegründte Bruderhahn-Initiative Deutschland (BID) zieht männliche Küken auf, die nach gängiger Praxis normalerweise getötet werden würden, und vermarktet sie. Mittlerweile beteiligen sich über 30 landwirtschaftliche Betriebe an der BID, dazu kommen verarbeitende Betriebe und Großhändler, informiert die Initiative auf ihrer Webseite.

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Ohne Kükentöten: So vermarktet der LEH Eier, bei deren Produktion Eier mit männlichen Embyros aussortiert werden. Die Bruderhahn Initiative hat sich dazu geäußert – und kritisiert auch die Bio-Branche.

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