Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

Kommentar: Friede, Freude, Bio-Kuchen

von Horst Fiedler (Kommentare: 0)


Lidl geht auch bei Bio voran © AL Robison / Shutterstock

Die Meldung „Lidl baut Bioland-Sortiment aus“ hat bereits erste Reaktionen hervorgerufen. Unser Redakteur Horst Fiedler beteiligt sich mit seinem Kommentar an der Diskussion und hat eine klare Botschaft an den Discounter.

Alle Bedenken waren offenbar unbegründet: Die Kooperation zwischen Bioland und Lidl funktioniert ohne Blessuren und erweist sich als belebendes Element für die Bio-Landwirtschaft: Mehr Umstellungen, mehr Bio-Kunden, mehr Geld für den Humusaufbau. Der Bio-Kuchen wächst, so dass weiterhin jedem Marktteilnehmer ein ordentliches Stück zur Verfügung steht.

Doch ein Discounter wäre kein Discounter, wenn er nicht gleich die nächste Stufe der Bio-Rakete zünden würde: Lidl zeigt sich offen für etablierte Bio-Marken. Die Eigenmarke mit dem Bioland-Label zu versehen, reicht Einkaufschef Jan Bock offenbar nicht aus. Mit Fachhandelsmarken im Regal ließen sich Bio-Kompetenz und -Umsatz noch weiter erhöhen. Discounter nehmen alles mit, was die Erträge steigern kann.

Edeka macht das etwas geschickter und eröffnet unter der Bezeichnung Naturkind gleich Märkte mit 100 Prozent Bio-Anteil. Dann sind Fachhandelsmarken garantiert. Rewe hatte das mit Temma zwar auch versucht. Aber der Fehler war vielleicht, dass diese Läden als Regiebetriebe geführt wurden und nicht wie bei Edeka von selbstständigen Einzelhändlern. Im konventionellen Sortiment haben die Discounter zuletzt verstärkt Marken eingeführt, zum Beispiel Aldi Coca Cola. Deshalb ist es nur konsequent, wenn sie auch im Biobereich etablierte Marken listen wollen. Veganz bei Lidl im Norden ist ein Beispiel, das Schule machen könnte.

Vor diesem Hintergrund kann keine Entwarnung für den Facheinzelhandel gegeben werden. Friede und Freude bei Lidl und Bioland haben viel  mit dem Anteil am Biokuchen zu tun. Er wird zwar größer, aber einige wollen offenbar gleich zwei Stücke haben. Vor allem diejenigen, die den Kuchen zunächst gar nicht wahrgenommen hatten und sich nun wie ausgehungert darauf stürzen. Immerhin fruchten die von Bioland verordneten Tischmanieren, so dass Lidl nicht nur auf Preisverhau verzichtet, sondern sogar die Humusbildung in Deutschland fördern will – um sich bei der nächsten Kaffeetafel ein noch größeres Stück sichern zu können.

Das Positive: Der Weg zu 100 Prozent ökologischer Landwirtschaft ist auf breiter Front geebnet. Jetzt muss er nur noch begangen werden. Wünschenswert wäre, wenn LEH und Discounter nun dazu übergingen, beim Bio-Sortiment selbst kreativ zu werden und nicht nur alles vom Fachhandel abkupfern oder deren Marken übernehmen. So wie Artenvielfalt Sinnbild der ökologischen Landwirtschaft ist, so sollte Produktvielfalt Sinnbild des Bio-Marktes sein. Wenn nicht überall das Gleiche steht, entfällt auch der Wettbewerb über den Preisvergleich. Und dann könnte jede Vertriebsschiene ihren individuellen Beitrag für eine gesicherte Zukunft der Menschen und der eigenen Betriebe leisten. Will sagen: Lidl, bleib bei Deinen Bio-Eigenmarken!                                                                                                     Horst Fiedler

Mehr Bioland-Artikel bei Lidl © obs/Lidl/747 Studios

Meldung Lidl baut Bioland-Sortiment aus

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!



Jetzt teilen

Anmeldung
Newsletter

Anzeige

Anzeige