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Klöckner will Tierwohl-Label auf EU ausweiten: BÖLW fordert entsprechenden Entwurf

von Redaktion (Kommentare: 0)


Ferkel
Ferkel. Symbolbild © Shutterstock/MrSamarn Plubkilang

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat angekündigt, während der deutschen Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2020 ihr Tierwohl-Label EU-weit verbindlich machen zu wollen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fordert dazu einen entsprechenden Label-Entwurf.

Für Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW, ist das geplante Label nicht EU-tauglich. Er erklärt: „Es ist doch nicht vorstellbar, dass man sich in Deutschland einen Sonderweg ausdenkt, diesen national einführt, damit Fakten schafft und dann erwartet, dass der Rest Europas das dankbar für sich annimmt. Deshalb muss die Ministerin das Konzept aufgreifen, das heute schon europaweit funktioniert und von den Kundinnen und Kunden gelernt ist: das der Eier-Kennzeichnung.“

Löwenstein fordert "wahre Preise"

Sowohl die SPD als auch einzelne Unions-geführte Landwirtschaftsministerien der Bundesländer, die Agrarexperten der Opposition im Bundestag sowie viele Verbände der Land- und Lebensmittelwirtschaft haben die Ministerin aufgefordert, ihren Sonderweg für ein freiwilliges Tierwohl-Label abzubrechen. Sie fordern vom BMEL einen Entwurf, der eine verpflichtende Kennzeichnung für die gesamte Wirtschaft enthält, und für alle Fleischprodukte eingesetzt werden kann.

Löwenstein ist darüber hinaus überzeugt, dass jedes Label immer nur ein Instrument für den Übergang zu einer enkeltauglichen Landwirtschaft und Ernährung sein könne. Denn schließlich sei stets nur ein Teil der Menschen bereit, freiwillig höhere Preise zu zahlen. „Das reicht nicht aus, weder für mehr Tierwohl noch für Bauern oder unsere Umwelt“, so der BÖLW-Vorsitzende. Er fordert „Preise, die die Wahrheit sprechen“. Dann werde niemand mehr zu Fleisch und Milchprodukten greifen wollen, die auf Kosten der Tiere, der Bauern und der Umwelt erzeugt wurden.

Wo Bio besser ist als das geplante Tierwohl-Label

Der BÖLW hat Punkte zusammengetragen, in denen der Bio besser ist als das von Klöckner geplante staatliche Tierwohl-Label.

  • Bio Schweine haben 50 Prozent mehr Platz als in der oberen konventionellen Stufe und dreimal mehr, als der gesetzliche Mindeststandard vorgibt.
  • Bio sorgt nicht nur für artgerechte Tierhaltung im Stall und auf der Weide. Bio sorgt auch dafür, dass Feldhase, Wachtel und Rebhuhn Lebensraum haben. Denn Bio-Tiere werden mit Bio-Futter gefüttert, dass ohne chemisch-synthetische Pestizide und Kunst-Dünger angebaut wird. Bio-Bauern dürfen nur so viele Tiere halten, wie die Böden gut vertragen. So leistet Bio nicht nur einen wichtigen Beitrag zur artgerechten Tierhaltung sondern stärk Artenvielfalt, schützt Böden und hält Wasser sauber.
  • Bio-Ferkel sind deutlich länger bei der Muttersau, als es beim Tierwohllabel angelegt ist.
  • Bei Bio-Tieren und auf dem Bio-Acker ist Gentechnik tabu.
  • Artgerechte Haltungsbedingungen sind entscheidend, damit der Antibiotikaeinsatz massiv begrenzt werden kann.
  • Bio umfasst die gesamte Produktionskette vom Futter bis zur Wurst. So sind bei der Bio-Wurst Farbstoffe und Phosphate verboten.

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