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Karl Huober gestorben

von Redaktion (Kommentare: 1)


Karl Huober
Starb am 9. Mai: Karl Huober © Huober

Kurz nach seinem 70. Geburtstag verstarb der Geschäftsführer der Firmengemeinschaft Huober-Brezel - ErdmannHauser - BioGourmet nach langer schwerer Krankheit.

Nachruf zeichnet Schaffenskraft nach

„Bis zu seinem frühen Tod widmete Karl Huober seine ganze Willenskraft einer neuen Form des Wirtschaftslebens, dem Erneuerungsimpuls der biologisch-dynamischen Landwirtschaft sowie der bewussten Durchdringung der sozialen Gegenwartsfragen“, schreibt die Firmengemeinschaft.

In ihrem Nachruf zeichnet sie das Engagement und die Schaffenskraft von Karl Huober nach: Karl Huober war Gründer, Unternehmer und Impulsgeber der Firmengemeinschaft in Erdmannhausen. Er wuchs im ländlich geprägten Erdmannhausen, 30 Kilometer nördlich von Stuttgart, auf. Nach einer heilpädagogischen Ausbildung und dem Studium der Volkswirtschaft und Philosophie in Tübingen und Berlin war Karl Huober fünf Jahre am Institut für Soziale Gegenwartsfragen in Berlin tätig und Mitbegründer der taz.

Übernahme des elterlichen Betriebs

In Jahr 1980 übernahm Karl Huober in schwieriger wirtschaftlicher Lage die Aufgabe, den 1950 gegründeten elterlichen Betrieb Huober Brezel weiterzuführen. Schritt für Schritt wurde das Sortiment auf das Wesentliche der eigenen Produktion konzentriert, indem eine Rückbesinnung auf die eigenen Stärken in der Salz-Laugengebäckherstellung erfolgte.

Nur noch Bio für den LEH

Seit 1996 ist Huober Brezel der erste Hersteller außerhalb des Naturkostbereichs, der sein gesamtes Sortiment komplett in Bio-Qualität herstellt. Heute gilt Huober Brezel als einer der führenden Salz-Laugen-Gebäckhersteller in Deutschland und vertreibt seine Produkte in vielen Ländern Europas und darüber hinaus.

Partner der bio-dynamischen Bauern

Die Bedürfnisse einer Kundschaft, die nach Lebensmittelalternativen fragt, wurden ernst genommen. So wurden seit 1982 Produkte für den Naturkosthandel und Reformhäuser, im Jahr 1983 die ersten Demeter-Erzeugnisse hergestellt. Später entwickelte sich aus dieser ersten Produktlinie und der damit einhergehenden Verantwortung gegenüber einer zukunftsfähigen Landwirtschaft die Firma ErdmannHauser Getreideprodukte als selbständiger Herstellungsbetrieb und Partner der biologisch-dynamisch wirtschaftenden Bauern in der Region. Aus dieser Arbeit heraus begründete sich die ErdmannHauser-Saatgutkampagne, die die Unterstützung der unabhängigen Getreidezüchtung zum Ziel hat.

Bildungsinitiative für junge Menschen

Mit Anfang der Jahrtausendwende rufen Solvår und Karl Huober die ErdmannHauser Bildungsinitiative ins Leben, die sich vor allem an die jungen Menschen in der Firmengemeinschaft wendet: „Die Bildungs-Initiative möchte die geistige Spannkraft gegenüber den Fragen des modernen Gesellschaftslebens so anregen, dass niemand die Augen vor dessen erkennbaren Widersprüchen zu verschließen braucht”, sagte Karl Huober damals.

Betriebe konsolidiert und gerettet

Im Jahr 2011 erfolgte die Übernahme der Feinkostmarke BioGourmet von Rapunzel. Karl Huober gelang es, die Firma innerhalb weniger Jahre wirtschaftlich zu konsolidieren und ein Hersteller-Netzwerk zu erschaffen, das weit über Deutschland hinausreicht. 2012 rettete Karl Huober die Reformhaus-Mühle Donath aus Bad Wörishofen-Stockheim vor dem Aus, um sie anschließend wieder in die Selbstständigkeit zu führen. Damit schuf er die wirtschaftliche Grundlage für viele bewusst biologisch wirtschaftende Bauern im Unterallgäu.

Engagiert bei AöL und Demeter

Karl Huober war in all den Jahrzehnten auch über seine eigene unternehmerische Tätigkeit hinaus aktiv. So war er bereits in den 80er Jahren im Demeter-Bund engagiert und gehörte über viele Jahre dem Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) an. Seine tiefe Verbindung zum „Geheimnis der Brezel“ führte zur Begründung des ersten deutschen BrezelMuseums, das er 2016 mit seiner Frau in Erdmannhausen eröffnete.

Sein unternehmerisches Handeln verstand er als gesellschaftliche Entwicklungsaufgabe. Und so blieb er seiner Bemühung, jeden einzelnen Menschen in seiner persönlichen Entwicklung mitzunehmen, trotz schwerer Krankheit, bis zu seinem Tod treu.

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Kommentar von Jörg Ottmar |

Ich kenne Karl Huober seit den frühen 1980ern, als ich zuerst für seinen Vater und dann für ihn arbeitete.
Schon bei der ersten Begegnung beeindruckte mich seine Präsenz und die Tatsache, dass es eine menschliche Wahrnehmung gab, die einen Austausch und eine Aufmerksamkeit förderte.
So hatte er zu jedem Auftrag eine Anregung, einen Hintergrundhunger und lieferte mir, dem „Lieferanten“, immer neue Ideen und geistige Aufgaben.
Als ich im Privathaus gearbeitet habe, fragte ihn einer seiner Söhne, warum eigentlich immer wieder Flugzeuge entführt werden. Da schaute er mich an und antwortete seinem Sohn: „Das kann dir Jörg erklären, er arbeitet im Eine Welt Laden“. Das war peinlich ernüchternd und über Jahre nachhaltig….

Später dann, in meiner Zeit als selbstständiger Naturkost-Fachhändler, hatte er als väterlicher Freund immer wieder ein offenes Ohr für meine Fragen und Nöte. Dabei verlor er trotz seiner Leidenschaft für philosophische und geisteswissenschaftliche Themen nie das Interesse an der Realität seines Gegenübers.

Einmal saß ich bei ihm im Büro und wusste nicht, wie ich aus einem Konflikt mit einem Geschäftspartner herauskommen kann, ich war aufgebracht, enttäuscht und hilflos.
Karl sagte: „Soll ich dort einmal anrufen und Tacheles mit denen reden?“
Allein das, seine Ausführungen und seine Empathie halfen mir damals bei der Auflösung des Problems.
Ein anderes mal klingelte das Telefon, ich wollte draußen warten, es war der Manager eines Discounters. Karl wollte aber, daß ich mir das Gespräch anhöre und was als dreister Vorstoß begann, endete nach vielen Minuten und dem Spannen des großen Bogens in der Erkenntnis, dass es keinen Grund gab, warum diese Brezel in diesem Regal stehen sollte.

Ich kannte Karl Huober als Unternehmer, interdisziplinären Vordenker, Impulsgeber, Dickkopf, Wissenschaftler, Familienvater, Philosoph, Intellektuellen und warmherzigen Menschen.

Danke Karl, du hast mir auch dabei geholfen, Anfang und Ende im Verschlungenen zusammen zu bringen.

Jörg Ottmar


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