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Interessanter Inhalt, schrill verpackt – Unser Autor zum Spiegel-Interview "Der Schmu mit dem Bio-Siegel"

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


"Spiegel"-Gebäude, links daneben ein Heißluftballon
Gebäude von "Der Spiegel". Symbolbild © iStock/NaLha

Das Nachrichtenmagazin Spiegel hat einen Kontrollstellen-Leiter über Bio-Kontrollen außerhalb der EU erzählen lassen. Er benennt im Interview offen die Probleme, die seit Jahren bekannt sind, von der EU aber kaum angegangen werden. Was macht der Spiegel daraus: Eine reißerische Überschrift: „Der Schmu mit dem Bio-Siegel“.

Kontrollstellenleiter nimmt kein Blatt vor den Mund

Bernhard Schulz ist Mitbegründer und Geschäftsführer der bayerischen Kontrollstelle Ceres. Ebenso wie sein Kollege Albrecht Benzing nimmt er seit Jahren kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Schwächen der EU-Bio-Kontrolle im Ausland zu benennen. Dem Spiegel erzählt er von bestechlichen Mitarbeitern in China, die er entlassen hat, von Mitbewerbern, die es mit den Kontrollen nicht so genau nehmen, weil sie ihre Kunden nicht verlieren wollen und vom fehlenden Verständnis vieler Landwirt für den Öko-Landbau. „Biologische Landwirtschaft ist eine zutiefst mitteleuropäische Idee“ bringt es Schulz gegenüber den Spiegel-Redakteuren auf den Punkt.

Verantwortung der EU-Kommission kommt zu kurz

Was in dem Interview zu kurz kommt, ist die Verantwortung der EU-Kommission, die von ihr für Drittländer zugelassenen Zertifizierer auch angemessen zu kontrollieren. Ganz abgesehen davon, dass auffällig schlechte Zertifizierer auch benannt und aus dem Verkehr gezogen werden müssten.

Deutlich macht Bernhard Schulz, dass auch die Importeure ihrer Verantwortung für die Bio-Quaität der von ihnen gehandelten Erzeugnisse gerecht werden müssen und sich nicht einfach auf die Papierform, also das Zertifikat, verlassen dürfen. Er macht das anhand eines Beispiels: „Und dann gibt es Unternehmen wie beispielsweise Rapunzel, die ein eigenes Team für Qualitätssicherung haben. Die schicken also zusätzlich zu unseren Kontrollen ihre eigenen Mitarbeiter ins Feld, nehmen Proben, sprechen mit den Produzenten. Dafür kostet dann auch das Studentenfutter 20 Prozent mehr.“

Fazit: Interessanter Inhalt, schrill verpackt. Lesenswert, trotz Skandaltitel.

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