Anzeige

organic-market.info| Mediadaten | Impressum | Datenschutz

EU-Öko-Verordnung: Feilschen um die Details

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


EU-Flagge
Symbolbild © Pixabay/minka2507

EU-Kommission, Mitgliedsstaaten und Bio-Branche ringen um die Details der neuen EU-Öko-Verordnung. Von ihnen hängt ab, ob die Verordnung Fortschritte bringt oder ins Chaos führt. Eine Veranstaltung auf der Biofach informierte über den Stand der Dinge.

Anfang 2021 wird die neue EU-Öko-Verordnung in Kraft treten. Bis dahin müssen sich EU-Kommission und Mitgliedsstaaten noch über Dutzende Detailregelungen einigen, die die Verordnung ergänzen. Für die notwendigen Gespräche und Abstimmungen hat Nicolas Verlet, der oberste Ökolandbaubeamte der Komission, einen strikten Zeitplan vorgeben. Dafür und für die Einbindung der Bio-Branche in die Diskussionen bekam er auf der vom Bio-Dachverband BÖLW organisierten Veranstaltung viel Lob.

Das Thema: Wieviel Rückstand darf sein?

Im März 2019 sollen die Diskussionen über ein besonders wichtiges Thema beginnen: Die Bedeutung von Pestizidverunreinigungen für die Kontrolle von Öko-Produkten und die geforderten Vorsorgemaßnahmen der Betriebe gegen solche Verunreinigungen. Immerhin sieht Artikel 29 der Verordnung „amtliche Maßnahmen“ vor, sobald Behörden oder Kontrollstellen Informationen über das „Vorhandensein von nicht zugelassenen Erzeugnissen und Stoffen“ erhalten.

Strikt ausgelegt würde das bedeuten, dass die Kontrolleure Waren vorläufig sperren müssten, sobald ihnen bekannt wird, dass darin auch nur die Spur eines Pestizid nachgewiesen wurden. „Solche Spuren finden sich in 30 Prozent der Bioerzeugnisse“, erinnerte Fachanwalt Hanspeter Schmidt. Alexander Beck, Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, präsentierte und warb für eine weitaus praktikablere Lesart des Artikels. Notwendig sei jetzte eine praxisnahe Ausgestaltung der neuen Vorgaben, in die das Know-how von Behörden, Kontrollstellen und Wirtschaft einfließen müsse, sagte Beck.

Elisabeth Bünder, die Leiterin des Ökolandbaureferats im Bundeslandwirtschaftsministerium plädierte für möglichst präzise und detaillierte Festlegungen. Wichtig sei aber auch, dass der neue Rechtsrahmen die Wirtschaftsabläufe nicht unnötig erschwere, sagte sie. Für den Europäischen Verband der Öko-Kontrollstellen (EOCC) betonte Georg Eckert von der Kontrollstelle ABCert die Prozessqualität des Ökolandbaus. Bio sei kein Produktsiegel etwa für Schadstoffreiheit: „Das Zertifikat ist eher ein Führerschein, der bestätigt: Dieses Unternehmen kann Bio.“

Erste Detailregelungen vor dem Abschluss

Bereits weit gediehen sind Detailregelungen zur landwirtschaftlichen Produktion. Bis April solle für investitionsrelevante Vorgaben, wie für Ställe und Ausläufe, Rechtssicherheit für die Landwirte geschaffen werden, betonte Nicolas Verlet.

Doch noch gibt es Diskussionen um die letzten Details:

  • BÖLW-Vorstand Alexander Gerber kritisierte, dass die EU-Kommission auch für die Elterntiere in der Geflügelzucht Auslauf verlange. Das gefährde das bisher Erreichte. Sinnvoller wäre es, zuerst dafür zu sorgen, dass es in der ganzen EU Bio-Elterntiere gebe.
  • Problematisch sei auch, dass die Kommission bei Geflügel die in Deutschland erlaubte Anrechnung der Wintergärten auf die Stallfläche ablehne. Falle diese nationale Regelung weg, käme es zu massiven Abstockungen bei Legehennen und Masttieren.
  • Zum Abschluss mahnte Gerber, dass es entscheidend sei, das neue Bio-Recht mit Augenmaß auszugestalten – damit die Betriebe weiter erfolgreich ökologisch wirtschaften könnten.

Lesen Sie auch:

Bio-Hof erhält Entschädigung für Pestizidabdrift

Ein Bio-Hof in Niedersachsen ist durch Pestizidabdrift geschädigt worden. Dafür hat er jetzt eine Schadensersatz-Zahlung bekommen. Doch die Summe ist gering.

Legehennen: Deutschland droht Ärger mit der EU

Die EU-Kommission verlangt von Deutschland, dass auch die Elterntiere von Legehennen Auslauf erhalten. Passiert das nicht, droht die Kommission mit einem Verfahren, meldete die Neue Osnabrücker Zeitung.

Kritischer Blick auf neue Zusatzstoffe

Glycerin, E 551, E 476, Natriumhydroxid, Kaliumpolyaspartat und E 965: EGTOP, die Berater der EU-Kommission zu Fragen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft, beziehen Stellung zu Zusatzstoff-Anträgen.

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!




Newsletter

E-Mail
E-Mail bestätigen

Anzeige

Anzeige