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Goldener Windbeutel: Kommt die dreisteste Werbelüge des Jahres aus der Bio-Branche?

von Leo Frühschütz (Kommentare: 1)


Goldener Windbeutel - Preis für die dreisteste Werbelüge
Die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel: Erbsen-Eintopf der Edeka-Eigenmarke Gut & Günstig, Corny Milch Classic, Heinz Kids Tomato Ketchup, Glaceau Smart Water, Dennree Bratöl Olive. © Foodwatch

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat fünf Lebensmittel für die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Mit dem Preis soll die dreisteste Werbelüge des Jahres ausgezeichnet werden. Unter den fünf Lebensmitteln ist ein Bio-Produkt, das Bratöl Olive von Dennree.

Dennree lässt sein Bratöl Olive wie reines Olivenöl aussehen

„Bio-Pionier Dennree nennt sein Produkt „Bratöl Olive“ und spricht von „reinem Genuss“, begründet Foodwatch die Nominierung. Dabei bestehe das Öl zur Hälfte aus Sonnenblumenöl. „Mit den großen Abbildungen von Oliven auf der edlen Glasflasche lässt Dennree das Öl aber wie ein reines Olivenöl aussehen.“

Foodwatch argumentiert, dass die Verwendung von Sonnenblumenöl nicht notwendig sei: „Andere Produkte wie das Bratöl Olive von Naturata oder das Bratöl Brat-Olive von Byodo beispielsweise bestehen zu 100 Prozent aus Olivenöl.“

Foodwatch: Das Etikett auf Dennrees Bratöl Olive ist "legale Verbrauchertäuschung"

Die Verbraucherschützer räumen ein, dass Dennrees Auslobung völlig legal ist. Bei gemischten Pflanzenölen sei eine bildliche Darstellung des Olivenöls laut einer EU-Verordnung erlaubt, wenn der Olivenölgehalt mehr als 50 Prozent betrage. Es handele sich also wie bei den anderen vier Kandidaten um einen Fall von „legaler Verbrauchertäuschung“, schreibt Foodwatch.

 

Dennree hat bereits ein neues Etikett in Arbeit

Neu ist der Vorwurf nicht. Bereits vor drei Jahren hatten sich auf dem Portal Lebensmittelklarheit der Verbraucherzentrale Kunden über die Auslobung des Bratöls beschwert. Dennree argumentierte damals, dass die exakte Zusammensetzung des Öls aus dem Zutatenverzeichnis erkennbar sei. Da das Olivenöl mit 51 Prozent Anteil die geschmacklich dominierende Komponente sei, habe man Oliven auf der Flasche abgebildet.

Zur Nominierung für den Windbeutel schreibt Ralf Schwarz, bei Dennree Leitung Ware: „Diese Nominierung enttäuscht uns sehr, da es nicht unsere Absicht war, unsere Kundinnen und Kunden zu täuschen.“ Da sich bereits im Vorfeld der Nominierung Kunden „eine insbesondere grafisch eindeutigere Kennzeichnung“ gewünscht hätten, habe man die Etiketten bereits neu gestaltet.

Den Namen "Bratöl Olive" will Dennree bewusst behalten

„Wir rechnen damit, dass der Umstellungsprozess bis Anfang nächsten Jahres abgeschlossen ist. Neben den textlichen und grafischen Hinweisen, dass es sich um eine Mischung aus Oliven- und Sonnenblumenöl handelt, behalten wir den Namen unseres Produktes bewusst bei, um auch weiterhin auf den geschmacklichen Unterschied aufmerksam zu machen“, sagt Ralf Schwarz. Denn von Dennree gebe es noch ein Brat- und Backöl, das zu 100 Prozent aus Sonneblumenöl besteht.

Goldener Windbeutel für Dennrees Bratöl Olive? Abstimmen bis Anfang Dezember

Noch bis Anfang Dezember können Verbraucher abstimmen, welches Produkt den Goldenen Windbeutel erhält.

Quelle: Foodwatch

Zur Wahl stehen neben dem Bratöl ein Riegel, der als gesunde Zischenmahlzeit beworben wird, aber zur Hälfte aus Zucker und Fett besteht. Zu den Favoriten zählt auch ein Erbseneintopf, der zehn Zusatzstoffe enthält, aber mit dem Spruch „Garantiert ohne: geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Farbstoffe“ wirbt.


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Kommentar von Alexandra Thöring |

Es ist für mich längst an der Zeit, dass vor allem sogenannte Markenartikler aufwachen und klarer darstellen, was genau ihre Bio-Produkte beinhalten.

Markenartikler, wie nicht nur hier Denns-Dennree, die kein einziges Produkt selbst auf eigenen Verarbeitungsanlagen herstellen, und gleichzeitig auf dem "freien" Bio-Markt nach dem "bestmöglichen" Angebot shoppen, um es dann unter eigenem Markennamen aus eigenem Hause heraus zu vertreiben, sind eine echte Konkurrenz für wirkliche Bio-Hersteller.

Diese nehmen jede Ernte neu das Risiko auf sich, ausreichend gute Rohware einzukaufen, ohne zu wissen, wieviel Endprodukte sie im Laufe der Saison verkaufen können.
Danach verarbeiten sie diese Bio-landwirtschaftlichen Rohstoffe auf eigens finanzierten Maschinen zu einem für den Verbraucher theoretisch transparenteren Produkt.
Der Vertrieb findet oft mit hohem Marketing-Aufwand statt, um sich platzieren zu können gegenüber dem logischerweise günstiger anzubietenden Produkt des risikoärmeren reinen Markenartiklers.
Der "normale" Verbraucher kann all das nicht auf dem Etikett erkennen, und präsentiert daher oft stolz seine echten Bio-Artikel erstanden zu günstigen dauerhaft niedrigen Preisen in der Küche daheim.

Dass der Goldene Windbeutel damit nichts direkt zu tun hat ist mir klar, indirekt passt es aber für mich zu den wie ich es mal salopp nenne halben Verschleierungen, mit denen meiner persönlichen Meinung nach die reinen Markenartikler auf dem Etikett echten Herstellern fast täuschend ähnlich sehen.



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