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Bundespreis Öko-Landbau für Hof Luna

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Hof Luna, Preisträger Wilhelm Bertram (2.v.l.), Mitarbeitende und Bundesministerin Julia Klöckner © BLE, A. Witzel

Zucht und Erhalt bedrohter Nutztierrassen, Engagement im Naturschutz und die Integration des Betriebes in eine außerfamiliäre Gemeinschaft: Das sind Leistungen, für die der Hof Luna den Bundespreis Öko- Landbau in der Kategorie „Gesamtbetriebliche Konzeption“ erhielt.

Der Hof Luna von Wilhelm Bertram umfasst rund 160 Hektar Acker- und Grünland in der hügeligen Landschaft des Leineberglandes und wird seit 1987 nach Vorgaben des Demeter-Verbandes bewirtschaftet. Kernanliegen des Betriebsleiters ist es, die Aspekte Tierhaltung, Milchproduktion, Landschaftsgestaltung und Naturschutz zusammen zu denken und integrativ umzusetzen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die roten Angler Rinder alter Zuchtrichtung, die zu den akut gefährdeten Nutztierrassen zählen. Wilhelm Bertram setzt in seiner Zucht auf Lebensleistung, gute Gesundheit, Milchqualität und gute Grundfutterverwertung. Einmal im Jahr treffen sich Züchter auf Hof Luna und entwickeln gemeinsame Zuchtziele für die Angler Rinder alter Zuchtrichtung, deren Anteil reinrassiger Tiere auf etwa 325 Kühe zurückgegangen ist.

Neuer Stall zum Aufbau einer Erhaltungszuchtherde

Die Herde erhält ausschließlich Grünfutter, Grassilage und Heu und liefert knapp 5.000 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr. Auch das Fleisch der Tiere wird vermarktet. Ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung des Betriebs war der Neubau des artgerechten Kuhstalles von 2012 bis 2014. Der Stall ist für 70 Kühe, mehrere Zuchtbullen und Jungtiere konzipiert, um eine Erhaltungszuchtherde des Angler Rinds aufzubauen.

Angler Rind bei der Körperpflege: Der Hof Luna baut eine Erhaltungszuchtherde dieser Rasse auf © Budimir Jevtic / shutterstock

Vier Kilometer Hecke mit 60 Arten gepflanzt

In den letzten 30 Jahren hat Hof Luna zahlreiche Obstbaumpflanzungen und Feuchtbiotope angelegt und eine Vielzahl an Heckengehölzen mit circa 60 Arten auf über vier Kilometer Länge gepflanzt. Die Heckengehölze werden von den Kühen als zusätzliches Futter genutzt, was sich positiv auf die Tiergesundheit auswirkt.

Im Sinne der FFH-Richtlinie verbinden die angelegten Heckenlinien die umliegenden Wälder miteinander, so dass sich wandernde Wildtierarten ungestört bewegen können. Auch für viele Insekten und Vögel bieten die Hecken wertvolle Lebensräume. So wurden bisher 55 Vogelarten auf Hof Luna gesichtet, darunter elf Arten der Roten Liste.

Humusaufbau und Schutz für bedrohte Ackerwildkräuter und Bodenbrüter

Jedes Jahr im Spätherbst werden die Hecken beschnitten und die Hackschnitzel mit der Gülle der Tiere auf den Weiden und Futteräckern ausgebracht, um den Humusaufbau und damit die Fruchtbarkeit der Böden zu erhöhen. Auf den besonders mageren Kalkscherbenäckern der benachbarten Wernershöhe wird die Bewirtschaftung in Abstimmung mit dem Land Niedersachsen und einer regionalen Naturschutzstiftung auf teils sehr seltene Ackerwildkräuter ausgerichtet. Wilhelm Bertram schafft hier seit vielen Jahren ideale Bedingungen für bedrohte Ackerwildkräuter, aber auch für Bodenbrüter wie Feldlerche und Wachtel.

Vorfinanzierung landwirtschaftlicher Flächen

Mit dem 1988 gegründeten Verein "Landleben e.V." sowie der gemeinnützigen GmbH MidaSolena bemüht sich Wilhelm Bertram darüber hinaus um eine außerfamiliäre Sozialstruktur, die den Betrieb langfristig fördert und erhält. So werden landwirtschaftliche Flächen durch Vereinsmitglieder vorfinanziert, Privatkredite vergeben und ehrenamtliches Engagement im Betrieb integriert. Zudem organisiert der Hof regelmäßig Veranstaltungen und Workshops zum Thema "Lernort naturgemäße Landwirtschaft" sowie zur gesunden Ernährung und Permakultur.

Jury: Vorbildliche Integration von Tierhaltung, Landschaftsgestaltung und Naturschutz

Nach Überzeugung der Jury ist Wilhelm Bertram mit Hof Luna eine vorbildliche Integration von Tierhaltung, Landschaftsgestaltung und Naturschutz in die Betriebsabläufe gelungen. Mit seinem Engagement im Ackerwildkräuterschutz und der Schaffung einer Sozialstruktur für eine langfristige Perspektive des Betriebs hat Wilhelm Bertram wertvolle Pionierleistungen in einem schwierigen Umfeld erfolgreich bewältigt. Aus Sicht der Jury sind dies entscheidende Gründe für eine Nominierung als Preisträger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau.

Mehr Informationen über den Hof Luna

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