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Bioland vergleicht Tierwohl-Kennzeichen

von Redaktion (Kommentare: 0)


Schwein
Bioland hat unter anderem die Haltung von Schweinen nach verschiedenen Standards verglichen. Symbolbild © iStock/iovesempre

Bioland hat sich die Tierwohl-Kennzeichen des Handels und des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) genauer angeschaut und die verschiedenen Stufen einem Vergleich mit der EU-Ökoverordnung und den eigenen Verbandsrichtlinien unterzogen.

Es fällt auf, dass die „Haltungsform“ des Lebensmitteleinzelhandels und der aktuelle Kriterienkatalog des staatlichen Tierwohlkennzeichens stellenweise selbst in den besseren Stufen nicht über den gesetzlichen Mindeststandard hinausreichen, teilt Bioland mit.

Keine eigene Stufe für Bio

Das staatliche Label ist in die Stufen 1 bis 3 aufgeteilt. Eine eigene Stufe für Bio-Fleisch ist nicht vorgesehen. Die Haltungsform des LEH reicht von Stufe 1, dem gesetzlichen Mindeststandard bis 4, wobei Stufe 4 Bio und konventionelle „Premium“-Haltung zusammenfasst.

Bioland-Präsident Jan Plagge sagt dazu: „Die beiden Labels grenzen an Verbrauchertäuschung. Beim Einkauf greifen Verbraucher zur vermeintlich besten Stufe und halten noch nicht einmal mit voller Garantie die wirklich bestmögliche Stufe, nämlich Bio, in den Händen. Die Konsumenten brauchen Orientierung, statt Verwirrungstaktiken.“

Der Verband kritisiert darüber hinaus, dass die Einstiegsstufe bei beiden Labels die Stufe 1 ist. Es gilt also: Je höher die Stufe, desto besser die Tierhaltung. Dies ist der von Verbrauchern gelernten Kennzeichnung von Eiern, die seit Jahren etabliert ist, entgegengesetzt. Dort steht 0 für Bio, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für den gesetzlichen Mindeststandard.

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Schweine haben auch in den höchsten Stufen der beiden Kennzeichnungssysteme inklusive Auslauffläche mehr als 50 Prozent weniger Platz im Stall als es im Öko-Recht Standard ist (2,3  gegenüber maximal 1,5 ). Auch im Bereich des Einsatzes von Antibiotika und Arzneimitteln weist keine der Stufen eine Einschränkung auf. Der Verbraucher dürfte hingegen davon ausgehen, dass mit jeder Stufe auch eine stufenweise Besserung der entscheidenden Kriterien einhergeht. Auffallend ist zudem, dass die Haltungskriterien der Muttertiere und Ferkel nahezu ausgeklammert werden. Bei beiden Labels hat jedes Tier in allen Stufen nur den gesetzlichen Mindeststandard von maximal 2,5  Fläche zur Verfügung (gegenüber 7,5  nach EU-Ökoverordnung und Bioland). Auch Kastenstände, also die Fixierung von Sauen kurz vor und nach der Geburt, bleiben erlaubt. Genauso wie das Kupieren der Schweineschwänze, welches lediglich beim staatlichen Tierwohllabel und da auch erst ab Stufe 2 nicht mehr erlaubt ist.

"Kaum dazu geeignet, die Kaufentscheidung zu erleichtern"

„Das staatliche Tierwohllabel und die Haltungsform sind kaum dazu geeignet, dem Verbraucher die Kaufentscheidung zu erleichtern. Sie verwirren mit komplizierten Abstufungen und berufen sich zu oft auf den gesetzlichen Mindeststandard, um sich wirklich mit dem Aufdruck „Tierwohl“-Label schmücken zu können“, so Plagge. Weiter sagt er: „Noch ist das freiwillige staatliche Tierwohllabel nicht gesetzlich verabschiedet worden. Es ist zu hoffen, dass Ministerin Klöckner Einsicht zeigt und die Kritik von Verbrauchern, Landwirten und ihren Kollegen auf politischer Ebene ernst nimmt.“

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