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Bioland-Präsident: Feindbilder abbauen

von Horst Fiedler (Kommentare: 2)


Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Bio-Branche Feindbilder abbauen und Menschen verbinden. Das forderte Jan Plagge, Präsident des Bioland-Verbandes, bei den Öko-Marketingtagen in Kirchberg.

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Kommentar von Georg Rieck |

"Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Bio-Branche Feindbilder abbauen und Menschen verbinden. Das forderte Jan Plagge, Präsident des Bioland-Verbandes, bei den Öko-Marketingtagen in Kirchberg."

Sehr geehrter Herr Präsident,
ich bedauere zutiefst, dass ich Ihre Rede nicht im Original hören konnte. Aber an diesem Platz sei mir die Gegenrede gestattet:
Es geht doch gar nicht um Feindbilder, sondern um Inhalte! Bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen der letzten 60 Jahre haben zu Verhältnissen geführt, die inhaltlich anzugreifen sind!

"In seinem Vortrag vor über 200 Teilnehmern warnte der Bioland-Präsident: „Mit einem Feindbild bleibt unser Idealbild immer nur ein Wunschtraum.“ Plagge sprach sich gegen Polarisierungen und Schuldzuweisungen aus: „Wenn wir eine gesamtgesellschaftliche Transformation zur Klimaneutralität schaffen wollen, können wir uns diesen Luxus nicht mehr leisten.“ Es reiche nicht, schöne Konzepte im Kleinen zu verfolgen, während im Großen die Lebensgrundlagen verloren gingen."

Das stimmt zwar einerseits – andererseits frage ich, wie sie darauf kommen, dass ausgerechnet der ökologische Landbau die Kohlen aus dem Feuer holen soll, zumal der CO² Einfluss der Landbaumethode relativ gering ist. „Klimatechnisch ist Bio ein Nullsummenspiel“ sagt z.B. Manuel Klarmann von „eaternity“ (Zitat Süddeutsche Nr. 265). Viel relevanter ist die Methodik des ökologischen Landbaus, wie der Name ausdrückt, für Probleme der Ökosysteme und soziale Probleme in der globalen Dimension. Ja, wir müssen alles tun, um die CO² Last zu senken – aber sie können damit nicht den inhaltlichen Kahlschlag der BIO – Branche begründen, denn der dient ausschließlich der Kompatibilität mit den Strukturen des LEH.
Sie wenden eine Vernebelungstaktik an!

"Raus aus Verbands-Nische und Ernährungsblase
Plagge plädierte auf dem Weg zur Klimaneutralität für eine Zusammenarbeit mit Wirtschaftsbranchen außerhalb der Landwirtschaft, zum Beispiel dem Bau-, Energie- und Mobilitätssektor sowie mit Banken und Versicherungen. Polarisierungen gegenüber Kunden, Einzelhandelsformen, dem Bauernverband oder der CDU zur Rechtfertigung der eigenen Haltung und Bedeutung sollten unterbleiben. Vielmehr solle der Weg vom Feindbild zu Veränderungspartnerschaften beschritten werden. Bestes Beispiel: die Kooperation von Bioland und Lidl."
     
Zusammenarbeit ist immer gut! Das sollten wir tun. Aber das kann nicht bedeuten, dass nicht über erkannte inhaltliche Fehlentwicklungen und Fehler hart zu streiten ist! Dabei muss Ross und Reiter genannt werden. Die „Einzelhandelsformen“ haben sich zu einem Oligopol konzentriert, dessen Macht brutal missbraucht wird, um mit scharf geschossenen Preisen die Alleinherrschaft zu gewinnen. Die üblichen Kollateralschäden – Sklavenhaltung, Bauernlegen und der Verlust regionaler Wirtschaftsstrukturen – wird dabei in Kauf genommen. Klugerweise schlägt Anton Hofreiter vor, das Kartellrecht umzubauen, weil es zur Zeit die falschen schützt. Übrigens hat die Öko-Branche ihre Wurzeln in der Friedensbewegung – und es ist gut und notwendig, für einen friedlichen Handel einzutreten, der dem Ideal des fair zu Boden, Pflanze, Tier und Mensch folgt. Das hat doch nichts zu tun mit Abgrenzung und Leben in der Blase! Sie tun so, als würden die Menschen diesen Krieg mögen, das ist doch Unfug! Wenn man in der LZ die wöchentliche Kriegsberichterstattung von den Schlachtfeldern des LEH liest, sieht auch der Blinde mit dem Krückstock, wer Klima, Ökosysteme und soziales Miteinader mit Füßen tritt.

Wie kommen Sie denn darauf, dass der Bauernverband ein Mitstreiter gegen den Klimawandel sein könnte? Vielleicht hat sich dieser Verband sogar schon die Klimaneutralität zertifizieren lassen? Jedenfalls springen die aktuell ihrer Ministerin ins Kreuz, nur weil die ein Häuchlein zu Artensterben und Nitratbelastung losgelassen hat. Wo sehen Sie da eine „Veränderungs-partnerschaft“? Die Bewegung der grünen Kreuze (noch nicht BV) schert sich einen Dreck um die Probleme – ich sehe da keine „Veränderungspartnerschaft“. Anton Hofreiter fragt diese Bauern, warum sie immer noch an dem System festhalten, das ihre Felder seit 60 Jahren zu killing fields macht, statt ein anderes System auszuprobieren, das ihnen viel eher ein Auskommen garantieren kann. Wo ist da die „Veränderungspartnerschaft“?

"Für Ideale streiten und klüger entscheiden
Der Bioland-Präsident rief dazu auf, die Impulse der Marketing-Tage weiterzutragen, dafür zu streiten und sich am Ende einigen. Doch nicht mit dem Mittel der Mehrheitsentscheidung, um die Gesellschaft nicht in Gewinner und Verlierer zu spalten.  „Wir müssen lernen, klüger zu entscheiden und unsere Meinungsbildungsprozesse weiterentwickeln“, fordert Plagge aus seinen Erfahrungen im Bioland-Verband.
Der neue Entscheidungsweg sei, nicht zu fragen, wer ist dafür und wer dagegen, sondern zu fragen, wie groß ist der Widerstand. Erst wenn alle sagen, sie hätten keine schwerwiegenden Einwände mehr, könnten Entscheidung getroffen werden. Dazu müssten Bedenken unter Umständen lange diskutiert werden. Der Bioland-Präsident beklagte vor diesem Hintergrund, dass die Bundesregierung den Streit „zwischen Wehtun heute und noch mehr Wehtun morgen“ beim Klimaschutz vermeide."

Zum Schluss sehr weise Worte - dazu nur so viel:
Es war sicher nicht klug, sich für den Lidl-Vertrag zu entscheiden – es war wohl opportun, möglicherweise konnte man auch wirtschaftliche Vorteile erkennen – aber es war nicht klug!
„Wir müssen lernen klüger zu entscheiden“ - vollkommen richtig!
Sie nennen es „Bedenken“ - ich würde es unveräußerliche Werte nennen – die müssen in der Tat lange verteidigt werden gegen die Verlockungen der falschen Propheten.
Tja – dass die Bundesregierung den Streit um den Klimaschutz vermeidet ist wohl der Mehrheit der Wähler geschuldet …
Sie, der Präsident des Bioland-Verbands, sollten aber nicht den schwarzen Ritter spielen, der Stück für Stück die Werte der Öko-Bewegung auf dem Schlachtfeld des LBM-Business opfert. Mit Widerstand gegen das Oligopol, mit der Reorganisation kleiner Strukturen würden Sie im Klimakrieg mehr erreichen und nicht so viele Bioland-Mitglieder heimatlos machen.

Kommentar von Hans Paul Mattke |

Ich pflichte Georg Rieck bei. Zwar müssen wir über 60-Jährigen immer ein wenig aufpassen, nicht zu den Ober-Schlaubergern zu werden, die genau wissen wie es geht.

Aber: Die Ebene, auf der Jan Plagge spricht, ist toll. Ja, Jan Plagge, das wollen wir alle. Im Detail dann, im Handeln, da wird es dann schon dünn und tatsächlich polariesiert sich dann schon schnell einmal was, und zu Recht . Mein Kritikpunkt an der Kooperation Bioland/Lidl ist, dass der Verband das, was er sonst anwendet und gute Erfahrungen über Jahrzente damit gesammelt hat, nämlich seine Marke, also sein Siegel nicht sofort herzugeben, hier aufgegeben hat.

Auf allen Ebenen sonst hat Bioland immer gefordet, wenn Bioland, dann 100 Prozent! Nicht wie in der EU-Landwirtschaft, hier mal was Umstellen und da mal ein bisschen. Nein, Bioland geht nur 100 Prozent. Im Bio-Fachhandel hatte Bioland auf dieser Ebene einen gleichwertigen Partner: 100 Prozent Bio-Waren.

Natürlich wäre es vermessen gewesen, das in der Verhandlung mit Lidl zu fordern. Aber, so wie bei den Landwirten, legt mann die Entwicklung fest und formuliert das Ziel. Und ab dann gibt es das Zeichen, wenn alles getan ist. Auf dem Weg dorthin gibt es ein Umstellungs-Zeichen. Das wäre klug gewesen! - aus meiner Sicht und hätte die "Partnerschaft" von Anfang an auf Augenhöhe gebracht. Glaubwürdig und transparent und geregelt. So wie wir es mögen.


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