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Bioladner schreibt Offenen Brief an Real

von Redaktion (Kommentare: 2)


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reals CEO Patrick Müller-Sarmiento wird in einem Offenen Brief wegen seinen Äußerungen zu "Fehlentwicklungen in der Landwrirtschaft" kritisiert.

Georg Rieck, Inhaber der Klatschmohn Naturkost GmbH, hat einen Offenen Brief an real-CEO Patrick Müller-Sarmiento verfasst. Wie bio-markt.info berichtete, wurde bei einer Tagung zum Thema Nachhaltigkeit bekannt, dass sich der Demeter-Verband und die real GmbH über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit einig sein sollen. Die Hypermarktkette plant zudem, in Kundeninformationen Bio-Produktion und konventionelle Landwirtschaft in ungeschminkten Bildern gegenüberzustellen. In einer Rede nannte Müller-Sarmiento eine Reihe von Fehlentwicklungen in der konventionellen Landwirtschaft, die real nicht mehr mittragen könne. Rieck schreibt dazu: „So begrüßenswert Ihr Ansatz ist, muss ich in einem zentralen Punkt scharfe Kritik üben und im Sinne der Glaubwürdigkeit dringend eine Korrektur einfordern.“ Den Offenen Brief lesen

Lesen Sie auch: Real schließt Vertrag mit Demeter


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Kommentar von D. Albrecht |

Sehr geehrter Herr Rieck,

einfach - Danke, im Namen "unserer" einzigartigen Erde mit all ihrer belebten und unbelebten Materie.

Beste Grüße, alles Gute und viel Erfolg!
D. Albrecht

Kommentar von Georg Rieck |

Die deutschen Lebensmittelkonzerne treiben Schindluder mit dem Begriff Nachhaltigkeit! In zahlreichen Veröffentlichungen und Statements postuliert Herr Bock, Einkaufsleiter von Lidl, die Werte-Orientierung des Discounters. In der Lebensmittel Zeitung 32 vom 10.08.2018 Seite 1 wird er zitiert: „Für manche NGO geht man nie weit genug“ ( … zur Kritik von Oxfam an Sozialstandards in weltweiten Lieferketten.)
Wie weit die „Big Four“ des deutschen Lebensmittelhandels in Wirklichkeit tatsächlich gehen, kann man z.B. hier lesen, zwei Berichte, gefunden auf „Utopia.de“:

Die Preispolitik der Lebensmittelkonzerne
„ … in der Reportage von Report Mainz kommt auch ein Bauer zu Wort, der Felder illegal bewässert. Er beschuldigt die Preispolitik der großen Lebensmittelketten – auch die von deutschen Konzernen: „Das sind echte Spekulanten. Das sind Piraten in schicken Anzügen, die mit der
Nahrung für ganz Europa spielen. Sie wollen alles billig einkaufen. Je billiger, desto besser. Das zwingt viele von uns, illegal zu bewässern“, sagt der Mann in dem Beitrag.
Report Mainz hat die deutschen Supermärkte mit den Vorwürfen konfrontiert: Rewe reagierte nicht, Edeka, Lidl und Aldi-Süd verwiesen lediglich darauf, dass die betroffene Liefer-Firma mit dem GLOBALG.A.P. -Standard ausgezeichnet ist. Dieser sollte eigentlich einen umweltgerechten Anbau garantieren. Aldi Süd will die Zertifizierung überprüfen lassen. Deutsche Supermärkte sehen sich nicht in der Verantwortung.
„Was sagen deutsche Supermärkte zu den Zuständen auf den Erdbeerplantagen in der Region Huelva? Correctiv hat zum Beispiel Lidl nach einem Statement gefragt: Der Discounter sieht sich selbst nicht in der Verantwortung und verweist auf die Zertifizierung durch „GlobalGAP“. Das
Unternehmen vergibt nach eigenen Angaben das weltweit am weitesten verbreitete nicht-staatliche Zertifikat im Bereich Lebensmittelsicherheit und weist auch die fraglichen Erdbeeren als „sicher und nachhaltig“ aus.
Auf Nachfrage von Correctiv erklärt GlobalGAP, „sicher und nachhaltig“ beziehe sich nur auf die Produkte und nicht auf die Produzenten. Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und soziale Belange
von Arbeitern werden nicht zertifiziert.“ Zitat Ende

Ich meine: Die deutschen Lebensmittelkonzerne treiben Schindluder mit dem Begriff Nachhaltigkeit! Die aus „Utopia“ zitierten Reportagen zeigen deutlich, wie die Einkäufer der Konzerne trotz aller „Wertorientierung“nach wie vor unverändert die Preise drücken. Es ist dieser Mechanismus der Preisdrückerei, mit dem mitten im Wohlstand Europas das ökologische und soziale Desaster angerichtet wird, das unseren Enkeln eine untaugliche Landwirtschaft in einer zerstörten Umwelt hinterlässt.Vor diesem Hintergrund ist es doch sehr verwunderlich, wie intensiv die Konzerne das Thema „Nachhaltigkeit“ aktuell bespielen.
Natürlich ist das Thema ein gefundenes Fressen für die Marketing – Abteilungen. Der Begriff ist vage definiert, schwer fassbar und nicht geschützt. Daher lässt er sich wunderbar missbrauchen, um der sensibilisierten Kundschaft ein X für ein U vorzumachen. Mit teilweise irreführender Werbung werden die kleinen Schritte in Richtung eines nachhaltigeren Konsums als Charakteristik des gesamten Konzerns dargestellt. Gerne wird „100%“ in den Text mit der Überschrift „Nachhaltigkeit“ eingeblendet.
Sollten wir die „kleinen Schritte“ dennoch begrüßen, weil besser als gar nichts? Es könnten ja immerhin Ansätze eines Umdenkens sein. Oder ist das naiv und wir müssen das Greenwashing entlarven? Die aktuelle auf Nachhaltigkeit bezogene Werbung ist faktisch Greenwashing, weil sie die kleinen Schritte zum grünen Mantel aufbläst, der das unveränderte, weltweite Ausbeutungssystem verdecken soll.
Richtig wäre es, die kleinen Schritte auch nur als solche darzustellen!
Wenn wir die deutschen Lebensmittelkonzerne in ihrem Engagement in Sachen Nachhaltigkeit, BIO und fairem Handel ernst nehmen sollen, müssen sie zuerst tiefgreifend, zuverlässig und langfristig ihr Einkaufsverhalten ändern! Die Preisdrückerei auf die Vorstufe muss beendet werden! Jedem Erzeuger auf der Welt müssen sie den Preis für seine Produkte zahlen, der ihm eine qualitätvolle, Ressourcen schonende und eben „nachhaltige“ Arbeit ermöglicht, sowie ein menschenwürdiges Dasein!
Und noch etwas:
Es ist ein Unterschied, ob die Werbung mit Preis, Schönheit und ewiger Jugend lügt - oder ob sie die Werte-Diskussion und moralische Ansprüche missbraucht! Ersteres ist schlimmstenfalls ärgerlich – das zweite aber schädlich, weil es eine tiefere Vertrauensebene verletzt.

Georg Rieck



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