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Bio-Wurst vor dem Bundesverwaltungsgericht

von Redaktion (Kommentare: 0)


Bild: Bioland

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass nitratreiche Gemüsekonzentrate in einer Bio-Wurst als Lebensmittelzusatzstoff gelten. Es wies damit die Klage eines Bioland-Metzgers aus Hildesheim zurück, der bei der Herstellung von Kochschinken und Fleischwurst ein nitratreiches Gemüsekonzentrat und Rote Bete–Dicksaft verwendet hatte, um konventionelles Nitritpökelsalz zu ersetzen (BVerwG 3 C 7.14).

Die für die Lebensmittelkontrolle zuständige niedersächsische Behörde hatte das beanstandet und die Verwendung des Konzentrats untersagt. Der Metzger hatte gegen die Anordnung geklagt und bereits in den ersten beiden Instanzen verloren.

Gericht: Gemüsekonzentrat ist ein Zusatzstoff

Üblicherweise gelten Lebensmittel in getrockneter oder konzentrierter Form nicht als Lebensmittelzusatzstoff, sofern sie einem anderen Lebensmittel wegen ihrer aromatisierenden, geschmacklichen oder ernährungsphysiologischen Eigenschaften zugegeben werden und dabei eine färbende Nebenwirkung entfalten.

Die von den Metzger eingesetzten Gemüsekonzentrate erfüllen nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts diese Voraussetzungen nicht. „Sie werden dem Fleisch zur Farbstabilisierung und zum Schutz vor schädlichen Auswirkungen der Oxidation (Ranzigwerden von Fett) beigegeben und damit aus technologischen Gründen zugesetzt“, argumentieren die Richter. Auch würden die Zusätze nicht selbst als Lebensmittel verzehrt. „Dagegen sprechen der stark erhöhte Nitratgehalt der Konzentrate und die gesundheitliche Erwägung, die Nitrataufnahme über Gemüse so gering wie möglich zu halten“.

Zudem fehle es an geschmacklichen oder optischen Gesichtspunkten für einen Verzehr. Ebenso wenig seien die Gemüsekonzentrate als charakteristische Zutat für Fleischprodukte einzustufen.

Bioland kritisierte das Urteil

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Zugabe eines Rote-Beete-Saftes bei der Wurstherstellung untersagt wird, da es sich um ein Lebensmittel und nicht einen Zusatzstoff handelt. Damit blockieren niedersächsische Behörden ein Alternativverfahren zur Pökelung von Wurst, welches gesundheitlich unbedenklich ist“, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge.

In einem Hintergrundpapier erläutert der Verband die Folgen des Urteils: Bioland-Metzger könnten die in den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse festgelegte Pflicht zur Umrötung von Brühwürsten und Kochpökelware nicht mehr erfüllen. „Das führt zur absurden Konsequenz, dass Bioland-Metzger bestimmte Wurstsorten nicht mehr entsprechend der gesetzlichen Vorgaben produzieren können, obwohl diese mikrobiologisch und geschmacklich einwandfrei sind.“

Und was ist mit Rote Bete-Saft im Erdbeerjoghurt?

Die schriftliche Urteilsbegründung liegt noch nicht vor und in ihrer Mitteilung sagen die Richter nichts zum Rote Bete-Saft, der ebenfalls beanstandet worden war. Nach dem Lebensmittelrecht gelten Rote Bete-Saft oder Spinatpulver als färbende Lebensmittel, während Extrakte, bei denen die farbgebenden Stoffe physikalisch-chemisch aufkonzentriert wurden, als Farbstoffe angesehen werden: Betenrot (E 162) oder Chlorophyll (E 140).

Die EU hat zu dieser Unterscheidung 2013 einen Leitfaden veröffentlicht. Demzufolge ist klar, dass Rote Bete–Dicksaft ein färbendes Lebensmittel ist. Es muss als solches deklariert werden, braucht aber keine Zulassung.


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