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Bio im Test: Mineralöl in allen Schokis

von Leo Frühschütz (Kommentare: 1)


Ökotest hat Mineralölbestandteile in Bio-Schokis gefunden, nicht viel, aber für eine Abwertung reichte es. Ebenso wie der Zucker in der Bio-Limo. Ein Aufreger sind da eher Dünger für den Hobbygärtner, die mit „Bio“ werben und Pestizide enthalten.

9 Bio-Schokis, 31 konventionelle

Ökotest ließ 40 Schokoladen ausschließlich auf ihren Mineralölgehalt überprüfen. In vier Bio-Schokoladen fand das Labor „erhöhte“ Gehalte von gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH): Basic Zartbitter, Dennree Zartbitter und Rapunzel Krachnuss sowie ein Produkt von Aldi Nord. Ökotest stufte die Produkte als „leicht belastet“ ein. Bei Alnatura Vollmilch, Vivani Vollmilch und Gepa Grand Noir sowie einer Schoki von Edeka Bio wertete das Magazin die MOSH-Gehalte als „stark erhöht“ und die Produkte als „belastet“. In einer Schokolade von Rewe Bio fand das Labor zusätzlich ringförmige Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) und bezeichnete sie als „stark belastet“. Von den konventionellen Schokoladen war fast die Hälfte „stark belastet“ oder sogar „extrem belastet“. Lediglich in einem einzigen Produkt waren MOSH nur in Spuren enthalten, so dass es als “nicht belastet“ eingestuft wurde.

Für seine Bewertung verwendete Ökotest folgenden Maßstab:

0,5 bis 2 mg/kg MOSH: erhöht / leicht belastet

2 bis 4 mg/kg MOSH: stark erhöht / belastet

über 4 mg/kg: sehr stark erhöht / stark belastet

Wurden zusätzlich MOAH nachgewiesen, erhöhte sich die Belastungstufe. Als mögliche Quellen für die Mineralölspuren nannte Ökotest Jute- und Sisalsäcke, mit denen die Kakaobauern die Bohnen transportieren, Schmieröle in der Produktion sowie Verpackungen.

 Schokolade

Ökotest: Schokolade enthält häufig Mineralöl.
© Pixaybay/Kaboompics

Obwohl MOSH und MOAH inzwischen seit bald zehn Jahren Thema sind, gibt es bis heute keine Grenzwerte oder Höchstmengen für die tägliche Aufnahme. Klar ist, dass MOSH sich in Lymphknoten, Leber und Milz anreichern können und dort in Tierversuchen auch Schäden verursacht haben. MOAH gelten wegen ihrer chemischen Struktur als potentiell krebserregend, weswegen das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: „Es sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH auf Lebensmittel stattfinden.“ Andererseits enthalten zahlreiche Produkte Mineralöle. Alnatura schreibt in seiner Stellungnahme zum Schoki-Test: „Mittlerweile finden sich überall in der Umwelt Mineralölbestandteile. Fachleute sprechen von einer ‚umweltbedingen Grundbelastung’. Somit lassen sich leider auch in Lebensmitteln solche Spuren nicht vermeiden. Auch der aktuelle Test unterstreicht dies erneut.“

Vivani-Marketingleiter Alexander Kuhlmann erklärte, das Unternehmen gebe sich "die größte Mühe, sämtliche Eintragsquellen zu analysieren und an diesen Schwachstellen tätig zu werden." Das sei an vielen Stellen gut gelungen. "Was den Mineralöl-Eintrag in den Kakao-Ursprüngen angeht, können wir leider nur bedingt Einfluss nehmen, indem wir unsere Kakao-Kooperativen über die Problematik aufklären und Wege der Eintragsminimierung aufzeigen", so Kuhlmann.

Mehr Infos:

Mineralöl im Essen, Schrot&Korn 11/16

BfR: Fragen und Antworten zu Mineralölbestandteilen in Schokolade aus Adventskalendern und anderen Lebensmitteln

Erfrischungsgetränke: 5 Bio-Produkte, 17 konventionelle

Die Note „gut“ erhielten Bionade Schwarze Johannisbeere-Rosmarin, Proviant Rhabarberlimonade, Strandräuber Biobiermix Zitrone und Voelkel Bio Zisch Rhabarber. Für die Vio Bio Limo von Apollinaris aus dem LEH gab es ein „ausreichend“. Grund für die Abwertung der Bio-Getränke war (wie bei den konventionellen auch) der Zuckergehalt. Bereits ab 4 Gramm pro 100 Milliliter gab es eine Note schlechter.

Bio-Dünger mit Pestiziden

Zehn organische Rasendünger aus Bau- und Gartenmärkten hat Ökotest ins Labor geschickt, also Produkte, die aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen bestehen und keinen synthetischen Stickstoff enthalten. Mehrere davon sind als „Bio“ oder „Öko“ausgelobt. Das ist zulässig, weil die EU-Öko-Verordnung nur für Lebensmittel, nicht jedoch für Rasendünger gilt. Der Test zeigte, dass diese „Bio“-Dünger bis auf einen Pestizidrückstände enthielten, oft sogar von mehreren, von Ökotest als „problematisch“ eingestuften Wirkstoffen, darunter das krebsverdächtige Glyphosat und stark wassergefährdende Substanzen. In den Dünger gelangen sie, weil die Hersteller damit belastete konventionelle pflanzliche Zutaten benutzen.

Einzeltests

Bio Planète hat bei seinem nativen Kokosöl auf gesundheitsbezogene Angaben verzichtet. Auch hätten sich durch den Ersatz eines Schmierfettes in der Produktion die Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) verringert, schrieb das Unternehmen an Ökotest. Doch dem Magazin sind die jetzt gemessenen Gehalte immer noch zu hoch, so dass es die Gesamtnote gegenüber dem Test im Juni nur von „ungenügend“ auf „mangelhaft“ veränderte.

 


Stichworte:

Forschung und Studien


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Kommentar von Melanie |

Mineralölrückstände können auch bei der Herstellung von Jutesäcken, in denen Haselnüsse transportiert werden, als Schmiermittel verwendet werden



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