Anzeige

Bio im Test: Giftiges Bio-Popcorn

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


Popcorn in einer Schale
Ökotest hatte Popcorn auf dem Tisch. © shutterstock/SherSor

Ökotest hat in Bio-Popcorns giftige Tropanalkaloide gefunden. Ein Produkt müsse zurückgerufen werden, meint das Magazin. Bei Bio-Äpfeln dagegen war alles in Ordnung – trotz langer Anreise.

Popcorn

5 Bioprodukte, 13 konventionelle

Ökotest testete die Popcorns nur auf Tropanalkaloide. Das sind giftige Naturstoffe, die etwa im Stechapfel vorkommen und die Maiskörner verunreinigen können, wenn Stechapfel auf dem Maisacker wächst und mitgeerntet wird. Die Popcorns von Davert und Foodist wurden mit "sehr gut" bewertet. Bei Bio-Zentrale und Petersilchen (Fredo’s coole Poppies) war die Tropanalkaloidbelastung „deutlich“, was Ökotest noch als „befriedigend“ wertete. Bei den Trafo-Popcorn war die Belastung „sehr stark“ und die Note „ungenügend“. Bei den konventionellen Produkten gab es neben einem Ausreißer mit „ungenügend“ nur „sehr gute“ Popcorns.

Die niedersächsische Behörde für Lebensmittelsicherheit, das LAVES, hatte im Juni 2018 konventionelles Popcorn aus dem Verkehr gezogen, das mit Tropanalkaloiden belastet war. Als Beurteilungsgrundlage verwendete das LAVES laut Ökotest eine von der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA festgelegte Referenzdosis von 0,016 Mikrogramm je Kilogramm (µg/kg). Diese werde üblicherweise auf ein drei- bis fünfjähriges Kind mit 18 kg und die maximale Verzehrsportion bezogen, das wären 100 Gramm. Nach diesem behördlicherseits also bereits zum Einsatz gekommenen Maßstab wäre der Gehalt in den Trafo-Popcorn mehr als vier mal so hoch, schreibt Ökotest: „Warum Anbieter FZ Organic Food nicht reagiert hat, nachdem wir ihn über das Testergebnis informiert haben, ist nicht nachvollziebar. Ein Produktrückruf wäre hier angemessen gewesen.“ Bio-markt.info hat FZ Organic Foods um Stellungnahme gebeten.

Die bei Petersilchen und Bio-Zentrale festgestellte „deutliche“ Belastung bedeutet laut Ökotest, dass die Referenzdosis zu mehr als der Hälfte ausgeschöpft wurde. Die im Vergleich zu konventionellen Produkten häufigere Belastung führt Ökotest darauf zurück, dass konventionelle Maisbauern das Unkraut vor dem Austreiben des Maises totspritzen, während es bei der mechanischen Unkrautbekämpfung passieren kann, dass auch mal ein Stechapfel auf dem Bio-Acker stehen bleibt, mitgeerntet wird und dessen Pflanzensaft dann die Maiskörner verunreinigen kann (die Samen selber sehen nicht wie Mais aus).

Weitere Infos bietet die Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2013.

Apfelschnitzen in einer Schale, dahinter ganze Äpfel
Ökotest nahm Bio- und konventionelle Äpfel aus Deutschland und aus dem Ausland unter die Lupe. © shutterstock/gowithstock

Äpfel

5 Bioprodukte, 22 konventionelle

Mit „sehr gut“ schnitten die Äpfel von Denn’s, Alnatura und Tegut ab. Ein „gut“ bekamen basic und die Äpfel aus dem Reformhaus. Die Abwertung begründete Ökotest damit, das beide keine Auskunft darüber gaben, wie lange die Äpfel im Kühlhaus gelagert worden waren und wieviele Reisekilometer sie hinter sich gebracht hatten. Auch für die konventionellen Äpfel gab es gute Noten, obwohl in fast allen Pestizide zumindest in Spuren gefunden wurden.

Ökotest hatte die Äpfel im Juni eingekauft. Alle Bio-Äpfel stammten aus Argentinien oder Chile. Bei den konventionellen Anbietern kamen noch Neuseeland und Südafrika als Lieferländer hinzu. Bei sechs Handelsketten stammten die Äpfel aus Deutschland, bei zwei aus Nachbarländern. Ökotest schreibt dazu, das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) komme zu dem Schluss, „dass Äpfel aus der Region auch nach einem halben Jahr im Kühllager noch eine bessere CO2-Bilanz haben“ als weitgereiste Äpfel von der südlichen Erdhalbkugel. Die Kühlsysteme hätten sich in den vergangenene Jahren wesentlich verbessert, weshalb ältere Studien nicht mehr korrekt seien, die bereits ab April Importäpfeln die bessere Klimabilanz zugesprochen hatten. Deutlich mehr ins Gewicht als die Herkunft der Äpel fällt laut Ökotest das eigene Einkaufsverhalten: „Es ist natürlich völlig unsinnig, mit dem SUV zum Hofladen zu fahren, um zwei Kilo Äpfel zu kaufen“, zitiert das Magazin den IFEU-Experten.


Stichworte:

Forschung und Studien

Lebensmittelqualität

Hersteller


zur Startseite/alle Meldungen

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!




Newsletter

E-Mail
E-Mail bestätigen

Anzeige

Anzeige