Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

Alnatura: Auseinandersetzung mit dm bremst Umsatzwachstum

von Redaktion (Kommentare: 0)


von Susanne Gschwind

Nach Jahren, in denen das hessische Handelsunternehmen mit Rekordergebnissen glänzte, zeigen die kontinuierlichen Auslistungen des einst größten Handelspartners Wirkung. Dennoch konnte das Unternehmen die Umsätze stabil halten.

„Wir haben unser Schiff in den letzten Monaten unter Hochdruck umgesteuert. Ein guter Teil der Reise liegt hinter uns“, fasste Alnatura-Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn die Situation des Unternehmens auf der diesjährigen Jahres-Pressekonferenz zusammen. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Auslistungen beim ehemals größten Handelspartner dm schloss das Bickenbacher Handelsunternehmen das Geschäftsjahr 2015/16 stabil mit einem leichten Umsatzplus von 0,3 % ab. Insgesamt belief sich der Umsatz auf 762 Mio. Euro (netto).

Zum Ergebnis beigetragen haben die zehn neuen Filialen, die bis zum Geschäftsjahresende am 30. September eröffnet wurden. Für das kommende Geschäftsjahr kündigte Rehn an, die „Expansionsoffensive“ mit mindestens 15 Neueröffnungen fortzusetzen. Das Wachstum des Umsatzes der derzeit 107 SuperNaturMärkte ist nicht nur auf die zehn Neueröffnungen zurückzuführen: Die Läden wüchsen auch flächenbereinigt und zwar um knapp 4 Prozent, so Rehn. Zum Umsatzanteil der Handelspartner äußerte sich der Alnatura-Gründer „traditionell“ nicht, allerdings werde der Anteil der eigenen Läden größer, so Rehn. Und: Der Umsatz bei den bestehenden Handelspartnern sei „in Summe stärker gewachsen als in den Vorjahren“.

Zwei neue Drogerie-Partner

Neben dem derzeit größten Partner Edeka konnte Alnatura mit Müller und Rossmann jetzt zwei neue Drogerie-Handelspartner gewinnen: Seit Anfang Oktober 2016 ist das komplette Alnatura-Trockensortiment in allen 530 Märkten der Drogeriekette Müller erhältlich. Mitte Oktober haben zudem mehr als 2.000 Rossmann-Filialen Alnatura Babykost-Artikel eingelistet. Alles in allem sorgten die neuen Handelspartner für eine größere Unabhängigkeit und somit dafür, dass das Unternehmen in Zukunft breiter aufgestellt sei, so der Alnatura-Geschäftsführer.

„Wir haben nichts gegen dm“

Auf das Verhältnis zum einst wichtigsten Handelspartner angesprochen, antwortete Rehn: „Wir beliefern dm gerne. Wir haben nichts gegen dm und sind dankbar für den Umsatz, den wir mit ihnen machen dürfen.“ Ob und wie die Geschäftsbeziehungen weitergehen, werden wohl die Gerichte klären.

Zufrieden zeigte sich der Alnatura-Chef mit der Entwicklung des Onlineshops, über den 950 Alnatura-Produkte erhältlich sind. Der Umsatz, der damit generiert wird, entspricht Rehn zufolge dem eines gut laufenden SuperNaturMarktes. Den stationären Handel werde es auch in Zukunft geben. Um auf Dauer bestehen zu können, müssten sich die Läden aber zu „Erlebnisorten“ weiterentwickelt. Auch bei Alnatura sei diesbezüglich „etwas in der Mache“, was, sei aber noch nicht spruchreif. Expansion ist Rehn zufolge möglich, wenn ein gutes Format an der richtigen Stelle gut gestaltet ist. Gute Standorte zu finden sei allerdings immer schwerer, das gelte für Großstädte, insbesondere auch für Ostdeutschland.

„Sehr gut“ sei die Zusammenarbeit mit der Schweizer Migros, mit der das hessische Unternehmen sieben Alnatura-Märkte in der Schweiz betreibt und bei dem es Depots in mehr als 600 Migros-Märkten hat. Für die kommenden fünf Jahre seien 30 neue Alnatura-Märkte in der Schweiz angedacht.

„Größtes Bio-Sortiment unter einer Marke“

Das Alnatura-Sortiment umfasst zur Zeit 1.300 Artikel - „das größte Biosortiment unter einer Marke“, so Rehn. Dass das Bickenbacher Unternehmen inzwischen mehr in den LEH liefere, mache sich auch in der veränderten Sortiments-Struktur bemerkbar. So sei etwa der Anteil der Frische-Produkte gestiegen. Deren Anteil bezifferte Rehn auf momentan sechs bis sieben Prozent. Allerdings geht der Alnatura-Geschäftsführer davon aus, dass das Frische-Sortiment stark wachsen wird. Seiner Einschätzung nach dürfte sein Umsatzanteil in den nächsten zwei bis drei Jahren bei 12 Prozent liegen.

Alnatura-Campus auch für die Öffentlichkeit

Positiv entwickelte sich im vergangenen Geschäftsjahr auch die Zahl der Mitarbeiter, und zwar um 150 auf jetzt 2.685. Da die Büroflächen an den Unternehmensstandorten Bickenbach und Alsbach seit längerem zu klein sind, plant das Unternehmen einen Umzug ins benachbarte Darmstadt: Im Sommer 2016 starteten die Bauarbeiten für den neuen Alnatura Campus, der auch für die Öffentlichkeit Erholungs-, Lern- und Begegnungsort werden soll. Auf dem ehemaligen Kasernengelände der Kelley-Barracks in Darmstadt entstehen laut Unternehmen auf 55.000 Quadratmetern eine Arbeitswelt, ein öffentlicher Waldorfkindergarten, ein vegetarisches Bio-Restaurant sowie Schul- und Erlebnisgärten.

Initiative fördert umstellungswillige Bauern

Die in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gegründete Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI) kann ebenfalls auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: 15 Bauern konnten für eine Betriebsumstellung gewonnen und finanziell unterstützt werden. Pro Jahr stellt Alnatura 400.000 Euro für die Förderung landwirtschaftlicher Höfe zur Verfügung, die auf biologischen Anbau umstellen. Zusätzlich erhöht die Marke Lebensbaum den Fördertopf um weitere 100.000 Euro. Seit dem Start der Initiative im Jahr 2015 konnten so 25 Umstellungsbetriebe unterstützt werden. Die neuen Bio-Bauern bewirtschaften nach den Kriterien der Anbauverbände Demeter, Bioland, Naturland oder Gäa insgesamt rund 3.500 Hektar Fläche.

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!



Jetzt teilen

Anmeldung
Newsletter

Anzeige

Anzeige