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Wertediskussion um Bio-Vertriebsschienen

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die Diskussion über die Entwicklung der Branche wird derzeit an verschiedenen Stellen geführt. Auf der Jahresabschlussversammlung des Naturkost Südbayern Ende November ebenso wie beim BÖLW im Januar auf dem Tag des ökologischen Landbaus in Berlin. Und natürlich in zwei Monaten auch auf der BioFach. Ernst Härter, Geschäftsführer des Branchenverbands Naturkost Südbayern schreibt dazu in seinem wöchentlichen Rundmail: "Wenn ich mir vorstelle, welche Allianzen mit dem konventionellen Handel derzeit für so manchen Großhändler und Hersteller erstrebenswert erscheinen, dann frage ich mich, ob das auch in sozusagen kultureller Hinsicht durchdacht ist, sowohl was die neuen als auch die bisherigen Partner betrifft. Hier wird es in der nächsten Zeit einige Belastungsproben geben, da bin ich ganz sicher."

 

Ein Beispiel, das Ernst Härter in seiner Naturkost-Info beschreibt : "Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) lud Anfang des Monats zu einer Strategiediskussion über Markentrends. Dabei ging es unter anderem um die Perspektiven der Biobranche. Ein 'Öko-Strategie-Berater' meinte, Bio dürfe heute nicht 'moralisch daherkommen', sondern müsse dem Kunden Spaß machen. Soweit so gut. Und weiter, so die Lebensmittel-Zeitung: 'Bio werde derzeit vor allem von den Handelsmarken geschickt als Nutzenverstärker eingesetzt, um die Differenz zur A-Marke auszugleichen'."

 

Härter kommentiert: "Bio ein Wert an sich? Fehlanzeige! Bio als Mittel zum Umweltschutz? I wo! Bio für verantwortungsvolle Konsumenten? Viel zu moralisch. Und da macht sich ein Teil vor allem regionaler Großhändler zum Steigbügelhalter. Und Hersteller tragen das mit, wenn sie die Verantwortung für die Vermarktung ihrer Ware auf den (Groß-)Handel schieben. Was ich nicht verstehe: Warum denn eigentlich nicht moralisch sein? Diese Branche wäre nicht existent ohne einen moralischen Anspruch. Und dazu gehört doch eindeutig die Überlegung, innerhalb welcher Kanäle eine Bio-Qualität, die diesen Namen verdienen soll, langfristig eine Chance hat. Ganz ähnlich das zuweilen wiedergekäute: Bio müsse ideologiefrei angeboten werden. Ideologiefreiheit als Prädikat. Ja, was ist das denn für ein Unsinn? Biohandel ist ideologisch, sofern er ernst gemeint und keine Feigenblattveranstaltung ist. Ohne Ideologie gibt es keine Biobranche, die Vertrauen rechtfertigt. Wir brauchen unsere Kunden nicht zu missionieren, doch um ein verlässlicher Partner mit Profil zu sein, gilt es Maßstäbe, Biss, einen Standpunkt zu haben, und damit genau die Leute anzuziehen, die das suchen, und das werden eher mehr als weniger. Was uns mit Sicherheit schaden wird: Beliebigkeit, Schwammigkeit. Da bringen es bedenkliche Teile der Branche mit ihrem Anbiedern an den konventionellen LEH derzeit offenbar zur Meisterschaft", so Ernst Härter (http://www.naturkost-suedbayern.de)

 

Unter dem Titel  „Ökologische Lebensmittelwirtschaft zwischen Ethik und Profit
– die Herausforderungen der aktuellen Marktentwicklung
“ findet am 26. Januar 2007 von 9.30 bis 12.30 Uhr (Saal Europa, Halle 7, Messegelände Berlin) eine halbtägige Informationsveranstaltung statt. Die Ökologische Lebensmittelwirtschaft entfaltet deshalb so positive gesellschaftliche Wirkungen, weil sie aufgrund ethischer Überlegungen auf bestimmte Handlungsweisen verzichtet. Jenseits von Gewinnmaximierung verlangt dies ein stetiges Ringen um das richtige Tun. Nicht „was bringt mir einen Vorteil“, sondern „was ist richtig für Mensch, Tier und Umwelt“ ist die Leitfrage. Gewinn ist dann nicht das Ziel, sondern die Bedingung, um nachhaltig wirtschaften zu können. Die Bio-Produkte, die Ergebnis solchen Wirtschaftens sind, treffen das Bedürfnis der Verbraucher und der Markt wächst mehr und mehr. Das wiederum weckt Begehrlichkeiten von Unternehmen, die an diesem Kuchen ökonomisch partizipieren wollen oder Bio-Produkte als Instrumente der Kundenbindung nutzen. Richtlinien sind nicht mehr Ausdruck inhaltlicher Anliegen, sondern nur noch der gesetzliche Rahmen, den es auszunutzen gilt, um den Profit zu maximieren. Zwischen diesen beiden Polen - ethischer Anspruch und Profit - entwickelt sich derzeit der Bio-Markt. Welche Herausforderungen sind damit verbunden, welche Konsequenzen haben die Bio-Pioniere zu tragen, wie kann der ursprüngliche Anspruch aufrecht erhalten werden, welche Strategien braucht die fachhandelsorientierte Bio-Branche? Das sind die Fragen, auf die der Tag des Ökologischen Landbaus 2007 Antworten finden will.
http://www.boelw.de/fachkolloquium_2007.html


 

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