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Testkriterien der Stiftung Warentest unzureichend

von Redaktion (Kommentare: 0)


„Unterm Strich keine Unterschiede zwischen Bio- und konventionellen Produkten“, so das Fazit einer im Test-Magazin vom Oktober 2007 von Stiftung Warentest veröffentlichten Auswertung aller ihrer Lebensmitteltests (54) der letzten fünf Jahre, bei denen auch Bio-Produkte untersucht wurden.

 

Die Bewertungskriterien der Stiftung Warentest allein sind nach Ansicht des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) aber nicht geeignet, die Qualität eines Bio-Lebensmittels zu beschreiben. „Bio-Produkte zeichnen sich durch die Qualität des Herstellungsprozesses aus und können nicht ausschließlich über den Preis oder die Analytik beurteilt werden“, so Alexander Gerber (Bild) Geschäftsführer des BÖLW. „Aspekte wie umwelt- und tiergerechte Produktion, Verzicht auf Gentechnik oder die starke Einschränkung erlaubter Hilfs- und Zusatzstoffe, werden bei den Tests nur in Ausnahmefällen berücksichtigt.“ In diesen wenigen Fällen bekamen die Bio-Lebensmittel aber stets Spitzenbeurteilungen. „Wir begrüßen, dass die Stiftung Warentest die Bedeutung von Prozess- und Nachhaltigkeitskriterien für eine ganzheitliche Beurteilung von Lebensmitteln erkannt hat, kritisieren aber gleichzeitig scharf, dass die Stiftung Warentest nicht Willens ist, diese in das Standardtestprogramm aufzunehmen“, so Gerber.


Das Fazit „unterm Strich keine Unterschiede“ hält der BÖLW aufgrund der im Test-Bericht selbst dargestellten Ergebnisse für zu undifferenziert. Zur Verarbeitung von Bioprodukten ist nur ein Bruchteil all der Zusatz- und Hilfsstoffe zugelassen, die bei konventionellen Lebensmitteln eingesetzt werden. Dass deshalb Bioprodukte nicht bis ins letzte Detail durchgestylt sind, ist genau das, was die Verbraucher an ihnen schätzen: Naturbelassenheit statt Uniformität.

 

Die Testergebnisse zeigen im Übrigen, dass Bioprodukte häufig Testsieger oder in der Spitzengruppe zu finden sind. Bei frischen oder wenig verarbeiteten Produkten sowie bei Pestizidrückständen schneiden sie eindeutig besser als konventionelle Produkte ab. Andererseits wird deutlich, dass es auch bei Bio-Produkten – wie bei konventionellen – innerhalb einer Produktgruppe Qualitätsunterschiede gibt. Unerwünschte Keimbelastungen werden zu Recht beanstandet und müssen selbstverständlich abgestellt werden. Letztlich steht hier hohes handwerkliches Können für Bio-Spitzenprodukte dem Einsatz umstrittener chemisch-synthetischen Haltbarkeitsmacher bei konventionellen Produkten gegenüber.

Dem Resümee am Ende des Artikels kann aber uneingeschränkt zugestimmt werden: Ein schonender Umgang mit der Natur – wie er im ökologischen Landbau gepflegt wird – dient letztlich der Gesundheit aller!

 

Der BNN Herstellung und Handel stellt zum Test-Artikel einige Argumentationshilfen zur Verfügung:

 

1. Pestizide

 

Bei der Pestizidbelastung stellt die Stiftung Warentest den Bioprodukten ein sehr gutes Zeugnis aus: Bio-Lebensmittel waren in allen Untersuchungen fast immer frei von Pestiziden, dass sei ein „klarer, gesundheitlicher Vorteil”. Dagegen war 29 % der konventionellen Handelsware „deutlich“ oder „hoch“ belastet.

 

2. Sensorik

 

Bei den sensorischen Eigenschaften ignoriert die Stiftung Warentest erneut, dass für Bioprodukte andere gesetzliche Vorgaben gelten und sich die Produktionsmethoden deutlich unterscheiden. Der Verzicht auf künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, Hilfs- und Zusatzstoffe müsste honoriert werden und nicht zu einer Abwertung führen. Um Geruch, Geschmack und Aussehen von Bio-Produkten objektiv beurteilen zu können, wäre es entscheidend, dass Tester die spezifischen Merkmale von Bio-Lebensmitteln kennen.

 

3. Keine Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien

 

Im Regelfall bewertet die Stiftung Warentest Lebensmittel fast ausschließlich mit Hilfe von sensorischen und analytischen Kriterien. Pluspunkte wie nachhaltiges Wirtschaften, Schutz von Grundwasser, Böden, Klima und Umwelt und der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide sowie Gentechnik bleiben unberücksichtigt. Die hohen, über das gesetzlich Geforderte weit hinausgehenden Standards der ökologischen Lebensmittelwirtschaft werden nicht honoriert.

 

4. Haltbarkeit von Lebensmitteln

 

In der Bio-Produktion wird auf die im konventionellen Bereich üblichen Konservierungsmittel
verzichtet. Dadurch sind die Erzeugnisse empfindlicher und bedürfen höchster Sorgfalt in der Herstellung und in der gesamten Kühlkette bei Transport und Lagerung.

 

Die vollständige Stellungnahme des BNN finden Sie hier

 

Einen Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung finden Sie hier

 

Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biokreis, findet die Äußerungen der Stiftung Warentest einseitig und wenig fundiert: „Hier wird der Verbraucher einerseits verunsichert, andererseits in einer weit verbreiteten Meinung, die aus mangelnder Information resultiert, Bio wäre nicht besser nur teurer, bestärkt. Wir verwahren uns im Namen unserer Landwirte wie auch unserer Verarbeiter gegen diese schädigende Aussage.“

Diese Aussage schädigt besonders die Arbeit der Biobauern, denn in keinem der 54 Tests wurde berücksichtigt in welcher, die Umwelt erhaltenden Form Obst und Gemüse erzeugt wird, wie artgerecht Tiere gehalten werden und wie in regionalen Kooperationen weite, stressfreie Wege für Schlachtvieh vermieden werden.

 

 

 

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