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Süddeutsche Zeitung diskreditiert Bio

von Redaktion (Kommentare: 0)


Mit deftigen Werbeslogans machte die Süddeutsche Zeitung im September auf ihr frisch erschienenes Wissensmagazin aufmerksam. Eine Kinderstimme rezitiert in einem Radiospot den antroposophischen Tischspruch "Erde, die dies vorgebracht, Sonne, die dies reif gemacht, liebe Erde, liebe Sonne, jetzt werfen wir alles Bio in die Tonne!". Der Eindruck wird unzweifelhaft erweckt, dass Bio nur noch zum Wegwerfen in die Tonne taugt. Der 14-seitige Artikel, inkl. großformatiger Fotos, hat als Aufmacher einen Bericht über den Bio-Unternehmer und Eier-Produzenten Heinrich Tiemann auf der einen Seite und den Demeterbauern Franz Obermeyer auf der anderen. Sie werden in ihren unterschiedlichen Wirtschaftsweisen, die beide biologisch sind, charakterisiert. Im Anschluss werden Bio-Lebensmittel hinsichtlich der Qualität, Erzeugung, gesundheitlichem Wert, Transport etc. "durchleuchtet."

 

Während ein Teil der Kritik (z.B. Ferntransporte) durchaus berechtigt ist, schießt der Autor deutlich übers Ziel hinaus bei den in dunkelgrünen Kästen festgehaltenen Schlussfolgerungen "Fazit". Hier wird beispielsweise behauptet, dass Bio-Produkte zwar geringer mit Pestiziden belastet sind, "ganz frei von Pflanzenschutzmitteln sind sie aber oft nicht." Wenn sich der Autor seriös informiert hätte, wäre klar geworden, dass nur in einer verschwindend geringen Anzahl von Bio-Produkten Rückstände - und zwar weit unter den Grenzwerten - vorkommen. Weitere Fehlleistung: "Geschmack ist vor allem Kopfsache. Allein der Glaube, mit einem biologisch erzeugten Lebensmittel etwas besonders Gutes zu essen, steigert den subjektiven Genuss." 
 
Dass das Thema auch ganz anders aufgegriffen werden kann, zeigt der Ernte-Verband in Österreich. Er hat bereits vor zwei Jahren eine lesenswerte Broschüre zur Qualität von Bio-Produkten herausgebracht. Dr. Alberta Velimiriov (FIBL-Österreich) und Dr. Werner Müller (Risikoforscher und Gentechnikexperte von Global 2000) haben im Rahmen einer umfassenden Literaturrecherche 175 internationale Studien zur Qualität biologischer Lebensmittel erforscht. Bio Austria-Ernährungsexperte Claus Holler hat nun die Neuauflage mit neuesten Forschungsergebnissen erweitert und zusätzlich aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über ökologische, ökonomische, gesundheitliche und soziale Aspekte bei der Lebensmittelproduktion einfließen lassen. Die Broschüre kann im Internet heruntergeladen oder per Post bestellt werden.  
 
Leserbrief des BÖLW: SZ missbraucht Bio

 

"Womit lässt sich die Auflage steigern? Mit schlechten Nachrichten zu positiven Trendthemen. Bio ist in aller Munde, und der Bio-Markt wächst stark und stetig. Also wird ein eigentlich gut recherchierter Artikel tendenziös aufgemacht und – schlimmer noch – geschmacklos mit „Bio in die Tonne treten“ beworben. Der Beitrag untersucht, ob Bioprodukte gesünder und schmackhafter sind und ob sie umwelt- und tiergerechter erzeugt werden als konventionelle. Beschränkt man sich darauf, die Fakten des Artikels zu lesen, ist die Antwort einfach: Öko-Produkte schneiden nirgends schlechter, aber in vielem besser ab. Dennoch bewertet der Beitrag Bio tendenziell negativ. Dies suggeriert schon der Titel „Illusion Bio“. Kritische Aspekte werden besonders betont und positive Effekte relativiert bzw. verschwiegen. So wird z.B. festgestellt, dass Bio-Produkte bis zu 50 % mehr sekundäre Inhaltsstoffe bilden, es wird aber nicht erwähnt, dass nach gängiger wissenschaftlicher Meinung gerade diese Pflanzenstoffe besonders gesundheitsförderlich sind.

(Bild: Dr. Alexander Gerber)

 

Es ist mehr als bedauerlich, dass die Ergebnisse einer sorgfältigen Recherche gerade im SZ Wissen-Magazin, das eine objektive Berichterstattung erwarten lässt, so meinungsmachend aufgemacht wurden. Besonders beschämend ist aber, dass eine Zeitung mit hohem Anspruch sich mit niveauloser Werbung auf Kosten derjenigen profilieren will, die nicht nur ein Marktsegment bedienen, sondern mit einem umwelt- und tiergerechten Landbau einen Beitrag zur Zukunftssicherung leisten wollen."

 

Dr. Alexander Gerber

Geschäftsfüher Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft

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