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Statt Kürzungen: Agrarsubventionen an ökologische Kriterien binden

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die große Mehrheit der Bundesbürger will, dass nur umweltgerecht produzierende Landwirte mit Geld aus Brüssel gefördert werden. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Ipsos-Umfrage im Auftrag des WWF. In der Studie gaben 96 % der eintausend Befragten quer durch alle Altersgruppen und Bildungsschichten an, dass allein solche Bauern EU-Subventionen erhalten sollten, die umweltfreundlich anbauen und ihre Tiere artgerecht halten. "Die Verbraucher wollen ein völlig neues Subventionssystem", sagt WWF-Agrarexpertin Tanja Dräger de Teran. "Mit ihren Steuern soll keine industrielle Massenproduktion bezahlt werden."

 

Die Subventionen für alle europäischen Bauern kosten eine vierköpfige Familie im
Schnitt 950 Euro im Jahr. Davon fließen lediglich 20 Euro in Umweltprogramme. Bislang würden in Brüssel die Weichen für eine industrielle Landwirtschaft gestellt. 'Bei der Förderung für die ländlichen Räume und damit für die kleinen bäuerlichen Betriebe wird um bis zu 40 Prozent gekürzt - das bedeutet 350 Millionen Euro weniger für artgerechte Tierhaltung, regionale Marktentwicklung, Ökolandbau und saubere Energie aus Biomasse', kritisiert die WWF-Expertin Dräger.

 

Die Brandenburger Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Vohland, hat die Landesregierung anlässlich einer aktuellen "Spiegel"-Umfrage ebenfalls aufgefordert, den Ökolandbau von Kürzungen bei der Agrarförderung auszunehmen. Nach Ergebnissen der Umfrage zum Konsum von Bio-Produkten haben die Deutschen mit 30 % am europaweiten Bio-Lebensmittel-Umsatz den höchsten Verbrauchsanteil. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Agrarfläche in Deutschland beträgt aber nur 4,52 % - im europäischen Vergleich nehmen wir damit nur Platz 10 ein. Schon jetzt können deutsche Biobauern die einheimische Nachfrage nicht decken. "Das Potenzial für den heimischen Ökolandbau ist enorm", sagt Katrin Vohland. "Allein die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin und Brandenburg ist in den vergangenen zwei Jahren um 15 % gewachsen." Was die Kürzung der Ökolandbauförderung bewirkt, zeigt eine Umfrage der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft unter knapp 130 Öko-Bauern: Jeder fünfte erwägt, zur konventionellen Bewirtschaftung zurückzukehren. In Litauen, Slowenien und Polen dagegen werden die Öko-Subventionen pro Hektar ab 2007 weit höher liegen als in Brandenburg.

 

Die Ende Juni 2006 vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichten Zahlen zum Biolandbau in Deutschland für das Jahr 2005 sind nach Auffassung von Bioland ein Beleg für Stagnation statt Wachstum. 2,5 % Betriebs- und 5,2 % Flächenwachstum sind bei Umsatzsteigerungen im Biomarkt von 15 % ein Beleg dafür, dass das Wachstum an der heimischen Landwirtschaft vorbei geht. Für bereits ökologisch wirtschaftende Betriebe und für konventionelle Betriebe gelte es, so Bioland, den Biolandbau als Chance zur Zukunftssicherung zu begreifen. „Große Worte und destruktives Handeln“, wirft Thomas Dosch, Präsident von Bioland, Kanzlerin Merkel vor.


Den Hauptgrund für geringe Betriebs- und Flächenzuwächse sieht Dosch in der fehlenden Kohärenz deutscher Agrarpolitik. So blockierten die Streichung der Umstellungsförderung in einigen Bundesländern und Grundsatzdiskussionen, ob Biolandbau überhaupt noch gefördert werden solle, zahlreiche Betriebsumstellungen. Die deutschen Biolandwirte stehen im Wettbewerb mit den anderen europäischen Ökobauern, die mit z.T. wesentlich höheren Flächenprämien unterstützt werden. „Von den Zuwächsen am Biomarkt in Deutschland profitieren klar die Biobetriebe aus dem Ausland“, so Thomas Dosch. „Die Boomjahre werden von den deutschen Agrarministern verschlafen“. Für 2006 befürchte Bioland sogar eine weitere Verschärfung dieser Situation, da noch weitere Bundesländer aus der Umstellungsförderung ausgestiegen seien.

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