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„Slow Food meets Bio“-Tagung in Fulda

von Redaktion (Kommentare: 0)


Was hat fairer Genuss mit Immanuel Kant zu tun? Kants zentrale Aussage in seiner Kritik der praktischen Vernunft „Verhalte Dich so, dass der Grundsatz Deines Willen stets auch das Prinzip eines allgemeinen Gesetzes sein könnte“ trifft auf die Verhältnisse in unserer globalisierten Welt zu – im Guten wie im Schlechten. Genuss bedeutet nicht nur schmecken und in-sich-aufnehmen, sondern bindet auch das Bewusstsein mit ein. Die Verantwortung für die eigene Gesunderhaltung, für die Erhaltung unseres Planeten auch für zukünftige Generationen und für menschengerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen tragen die Menschen mit ihrem täglichen Handeln.

 

Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, der Lebensmittelerzeuger und -hersteller und der Verbraucherverbände aufzuklären, zu informieren um den Käuferinnen und Käufern die Möglichkeit zu geben eine Entscheidung auf ethischer Basis zu treffen. Cinzia Scaffidi von Slow Food International kommt in ihrem Vortrag zu Ethik und Markt zu dem Schluss, dass Immanuel Kant nicht zu Mc Donalds gehen würde. Kant würde gegen seine moralischen Grundsätze verstoßen, wenn er einen Hamburger verzehren würde, da dieser erstens viel zu günstig verkauft wird und die gesamten ökologischen Kosten hierbei nicht berücksichtigt sind. Zweitens geht die Fleischproduktion zu Lasten der Dritten Welt. Cinzia Scaffidi veranschaulicht eindringlich unsere (Industrieländer) moralisch und ökologisch nicht zu rechtfertigende Privilegien. Beispielsweise, dass wir gewohnt sind, auch kurze Wegstrecken mit dem Auto zurück zu legen. Würden dies alle Erdenbewohner tun, dann wäre die Klimakatastrophe schon längst eingetreten. Frau Scaffidi geht davon aus, dass weder der Staat noch die Wirtschaft entscheidende Schritte unternehmen werden, um z.B. die Klimakatastrophe zu verhindern. In ihren Augen sind es die Verbraucher, die den Hebel umlegen können, indem sie diese Produkte kaufen, die ökologisch und moralisch zu rechtfertigen sind.

 

Burkhard Ahlert, Professor an der Hochschule Fulda, fragt in seinem Beitrag „Was hat Technologie, in diesem Fall Lebensmitteltechnologie oder Lebensmittelverarbeitung mit Esskultur zu tun?“ Auf dem Weg von der Erzeugung bis zu der Art wie und unter welchen Umständen das Lebensmittel verzehrt wird, liegt ein weiter Weg, der auch durch den Einsatz von Technologie beeinflusst wird. „Es besteht ein Unterschied zwischen einem Massenprodukt und einem handwerklich gefertigten Lebensmittel“, so Prof. Ahlert. Die Natur ist nicht gleichförmig, sie bringt keine standardisierten Rohprodukte hervor. Boden, Pflanzensorten oder Tierrassen, Klima und vieles mehr bestimmten die Ausprägung der landwirtschaftlich erzeugten Produkte. Ein handwerklicher Betrieb reagiert auf diese Qualitätsunterschiede mit Wissen, langjähriger Erfahrung der Mitarbeiter und individueller Rezepturanpassung im Gegensatz zu dem automatisierter Betrieb, der mit Zusatzstoffen, mit chemischen oder mechanischen Veränderungen den Rohstoff standardisieren will.


Diese handwerkliche Produktion lässt eine interessante Vielfalt entstehen, die allerdings nicht immer gleich gut schmeckt. Aber Gleichheit macht taub in der Empfindsamkeit und spiegelt nicht das natürliche, das ständig Wechselnde und manchmal nicht Erklärliche wieder. Christoph Klotter, der an der Hochschule Fulda Ernährungspsychologie lehrt, ging mit seinem Beitrag „Esskultur und guter Geschmack“ auf die Geschichte der Esskultur und die Bedeutung des Geschmacks ein.

 

Für die Upländer Molkerei stellte Karin Artzt-Steinbrink, die Geschäftsführerin, das Projekt der „fairen Milch“ vor. Wissen Verbraucherinnen und Verbraucher darüber Bescheid, dass bei dem gekauften Liter Milch 5 Cent zusätzlich an den Landwirt fließen, so führt dieser faire Milchpreis nicht – wie befürchtet – zu Umsatzeinbußen, sondern zu Umsatzsteigerungen.


Rosi Fritz von der Ulrich Walter GmbH, die ihre Produkte unter dem Namen Lebensbaum vermarkten, berichtet über die langjährige Kooperation des Unternehmers Ulrich Walter mit Dr. Ibrahim Abouleish, Gründer der Sekem-Farm und Träger des Alternativen Nobelpreises 2003. Sekem bedeutet für viele Menschen im Nordosten von Kairo einen gesicherten Arbeitsplatz.

 

Der Tagungsorganisation war es wichtig, dass dieses Motto „Fair Gusto“ auch bei der Tagung seine praktische Bedeutung erhielt. Die Vorträge wurden durch Musik von Elisabeth von Hessen, gespielt von Ulrich Wedemeier auf der Laute umrahmt. Die Teilnehmer wurden anschließend auf einer Produktbörse von überwiegend regionalen Direktvermarktern und Herstellern mit Köstlichkeiten verwöhnt.

 

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