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Schweizer LEH setzt bei Bio auf Regionalität

von Redaktion (Kommentare: 0)


Seit dem Frühjahr 2004 gibt es bei der Migros die Produktlinie "Aus der Region - Für die Region" und die Marke "Heidi" mit Produkten aus Berggebieten. Mitbewerber Coop zieht jetzt nach: Unter der Bezeichnung "Regionale Bio-Spezialitäten" platziert die Lebensmittelkette derzeit gut 30 Lebensmittel im Regal, die eine klare regionale Herkunft zeigen. Anders als die "Heidi"-Produkte bei der Migros, die teilweise weite Transporte aus der Bergregion bis zur Verarbeitung hinter sich haben, sollen regionale Bio-Spezialitäten dezentral hergestellt werden. Frischprodukte sollen grundsätzlich zu 100 Prozent, zusammengesetzte und verarbeitete Ware zu mindestens 90 Prozent aus regionaler Rohware hergestellt sein.

Das Bedürfnis der Kunden nach regionalen Produkten sei offensichtlich und es habe nahegelegen, diesen Wunsch mit Bio zu kombinieren, heißt es aus der Coop-Zentrale. Dort erhofft man sich mittelfristig ein Plus von 100 Umsatzmillionen zum Coop-Jahresergebnis. Der Gesamtumsatz mit Bio-Lebensmitteln betrug im Jahr 2003 bei Coop 555 Millionen Franken.

Zahlreiche Kleinproduzenten scheitern heute mit dem Einstieg bei den großen Ketten, weil sie schlicht zu wenig produzieren. Die "Regionalen Bio-Spezialitäten" könnten dies ändern: Auch kleine Chargen werden akzeptiert und entsprechend nicht schweizweit gelistet, sondern nur in der jeweiligen Region angeboten. Trotz der aufwändigen Logistik will Coop wenn immer möglich keinen Mehrpreis verlangen.

Vielleicht auch eine Chance für innovative Produkte wie die "Nachtmilch" der Schweizer Bio-Bäuerin Bettina Springer. Diese soll fünfmal mehr Melatonin enthalten als herkömmliche Milch. Melatonin ist ein körpereigener Botenstoff, der den Tag-Nacht-Rhythmus aller Säugetiere reguliert. Die Nachtmilch fördere einen erholsamen Schlaf, argumentiert die Bäuerin, die einen Hof mit zwölf Kühen betreibt. Sie fördert die Melatonin-Ausschüttung der Tiere auf natürliche Weise durch eine spezielle Beleuchtung. Gemolken wird bei Schwarzlicht. Die Nachtmilch wurde von der Schweizer Regierung mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

Seit Februar 2005 darf die Nachtmilch nicht mehr verkauft werden. Der Grund für das vorzeitige Ende des innovativen
Produktes sei die strenge Auslegung des Lebensmittelgesetzes durch die zuständige Behörde, teilen Bettina und Andreas Springer, die Entwickler des Produkts, mit. Konkret verbietet der Zürcher Kantonschemiker den Produzenten jegliche Art von Werbung, die Nachtmilch in Bezug zu einer schlaffördernden Wirkung setzt. Im
Zusammenhang mit Lebensmitteln darf nicht von Prävention, Linderung oder Heilung einer Krankheit die Rede sein, und Schlaflosigkeit in jeder Form wird als Krankheit definiert.

"Wir dürften nur noch Nachtmilch auf die Flasche schreiben, hätten aber keine Möglichkeit mehr, dafür zu werben", sagt Bettina Springer. Sie könnten zwar jetzt versuchen, mit anderen Etiketten weiterhin möglichst viel Nachtmilch zu verkaufen. Springers sind am Abklären, ob allenfalls eine Bewilligung als Speziallebensmittel (Functional Food)
möglich wäre. Für kleine Unternehmen wie das ihre sei es mit so strengen juristischen Vorgaben schwierig, überhaupt neue Produkte zu etablieren, erklärt Springer.

Im laufenden Milchjahr müssen in der Schweiz wegen
Überschussproduktion 25 Millionen Kilogramm Biomilch zum konventionellen Milchpreis verkauft werden. Damit dieser Überschuss nicht zu einem massiv tieferen Milchpreis führt, beschloss der Biomilchring Zentralschweiz an einer ausserordentlichen Generalversammlung, den Biomilchpreis um zwei Rappen pro Kilogramm zu senken, wie es in einer Presseinformation der Organisation heisst. (07.12.04)

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