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Schlechte Noten für Bio-Olivenöl bei Stiftung Warentest

von Redaktion (Kommentare: 0)


Im Oktoberheft 2005 hat die Stiftung Warentest 26 Olivenöle der Güteklasse "nativ extra", drei davon mit Basilikum, untersucht. Bereits bei früheren Olivenöltests hatten die Prüfer Täuschungen aufgedeckt. Leider zeigt die aktuelle Untersuchung keine Verbesserung: 9 von 26 Ölen sind "mangelhaft". Die Sensorik floss mit 65 % in das Testergebnis und war bei vielen Produkten nicht in Ordnung. Wärmebehandlung konnte ebenfalls nachgewiesen werden - beides grobe Qualitätsverstöße. Eine neue Hiobsbotschaft: Zum ersten Mal fanden die Labore gesundheitlich bedenkliche Weichmacher - auch Bio-Öle blieben nicht verschont.

Im Test waren acht Bio-Produkte. Nur eines davon, das Rewe/Füllhorn Native Olivenöl extra-öko, erhielt die Gesamtnote gut (2,0). Die sensorische Qualität wurde mit "gut ausgewogen" (Note 1,6) beurteilt.
Immerhin noch "befriedigend" schnitten Neuco italienisches Olivenöl extra aus kontrolliert biologischem Anbau, kaltgepresst (bei max. 27°C) sowie Rapunzel Demeter Finca La Torre, sortenreines natives Olivenöl extra aus kontrolliert biologisch-dynamischem Anbau (Bild) ab. Beide wurden als sensorisch durchschnittlich eingestuft, das Neuco-Öl war lt. chemischer Analyse nicht mehr frisch.

Für die Rapunzel Naturkost AG nimmt Ralph Weishaupt von der Qualitätssicherung folgt Stellung:

"Das Öl lag an Platz acht der getesteten Öle. Bei der als relativ gering bewerteten Kategorie Schadstofffreiheit haben wir mit "sehr gut" abgeschnitten, als eines von vier Ölen. Bei der sehr stark gewichteten Kategorie Sensorik (65 %) erhielt unser Öl die Bewertung "befriedigend", weil ein Öl zum Test herangezogen wurde, das mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 6.10.2005 eine sehr geringe Restlaufzeit besitzt. Olivenölexperten weisen immer wieder darauf hin, dass ältere Öle sensorisch leicht abbauen. Das gleiche Öl wurde von Ökotest im Testbericht 9/2004 neuerntig mit "sehr gut" bewertet. Bei hausinternen Tests mit Verbrauchern wurde gerade dieses Öl geschmacklich immer wieder gut bewertet, da es sehr mild ist. Alle unsere Öle unterliegen einer umfassenden Qualitätskontrolle und werden regelmäßig auf Schadstoffe bei renommierten und akkreditierten Laboratorien untersucht."

Gleich fünf Bio-Olivenöle mussten mit dem Gesamturteil "mangelhaft" vorlieb nehmen und machten damit bei den mangelhaften Ölen den Löwenanteil aus. Immerhin erzielten drei davon im sensorischen Ergebnis ("unausgewogen") noch ein "ausreichend": Edeka/Bio Wertkost Bio-Olivenöl nativ extra, Kaisers Tengelmann Naturkind Natives Olivenöl extra Bio und Naturata Olivenöl aus Kreta nativ extra aus kbA (Bild). Die chemische Qualität sowie Deklaration dieser drei wurde durchweg mit "mangelhaft" beurteilt. Die Öle sind, so die Stiftung Warentest, wärmebehandelt und hätten nicht als "extra nativ" verkauft werden dürfen. Das Naturata-Öl war zudem mit Weichmachern belastet. Die Anbieter haben ihre Produkte mittlerweile zurückgerufen bzw. bieten sie in neuer Qualität oder mit neuem Etikett an.

Für das NaturataSpielberger Qualitätsmanagement nahm Christine Pintar Stellung:

"Wir prüfen jede Möglichkeit, wie diese Weichmacher in unser Öl gelangt sein könnten. Mit Sicherheit können wir derzeit ausschließen, dass sie während der Abfüllung in der Grünsfelder Ölmühle oder aus den Verschlüssen der Flaschen stammen. Die Indizien legen nahe, dass die kleinbäuerlichen Strukturen in unserem Olivenölprojekt in Kreta diese Verunreinigungen begünstigt haben. Auf dem Weg zur Sammelstelle und zur Verladung wird das Öl dabei mehrfach zwischengelagert und umgefüllt. Dabei könnten eventuell Schläuche verwendet worden sein, die Weichmacher enthielten. Wir werden deshalb zukünftig sicherstellen, dass auch bei den Bauern in Kreta nur noch Schläuche und Lagerbehälter verwendet werden, die zuvor von uns auf Unbedenklichkeit überprüft wurden. Nach Möglichkeit werden wir die Bauern von Deutschland aus mit dem Zubehör beliefern." Ab sofort werde garantiert nur noch zuvor auch auf Weichmacher analysiertes Öl abgefüllt. Die Wärmebehandlung des Öls sei derzeit noch nicht zu erklären, heißt es in der Stellungnahme weiter. Das Kreta-Olivenöl der Charge mit MHD 14.02.2006 kann in den jeweiligen Verkaufsstellen zurückgegeben werden. Die Kunden erhalten dort kostenlosen Ersatz."

Sensorisch "stark fehlerhaft" und insgesamt "mangelhaft" beurteilte Stiftung Warentest Gut & Gerne Olivenöl aus Kalamata Griechenland Nativ extra Bio und Rossmann/enerbio italienisches Olivenöl nativ extra, kaltgepresst. Gut & Gerne (Bio) schmeckte im Test sehr "deutlich ranzig",so Warentest, enerbio von Rossmann "deutlich schlammig". Dazu kann es kommen, wenn das Öl mit Dekantierschlamm in Becken oder Fässern in Berührung kommt. Im Gut & Gerne Olivenöl fanden die Prüfer 75 Milligramm Weichmacher (DEHP) pro Kilogramm Öl. Toxikologen halten für einen 60 Kilogramm schweren Menschen pro Tag jedoch höchstens drei Milligramm für tolerierbar. Diese Menge erreicht er schon mit 40 Gramm dieses Öls - das sind etwa zwei bis drei Esslöffel. Mit diesem Weichmachergehalt verstößt das Gut & Gerne-Öl gegen das Lebensmittelrecht und hätte nicht verkauft werden dürfen, so die Prüfer.

Für die Vertriebsleitung "Gut & Gerne" dazu Bernd Schmitz-Lothmann:
"Wir nehmen das Untersuchungsergebnis sehr ernst und sind unsunserer Verantwortung gegenüber dem Verbraucher bewusst. Im Sinne unseres aktiven, sofortigen Verbraucherschutzes haben wir entsprechende Maßnahmen unmittelbar eingeleitet. In Abstimmung mit dem Handel wurde das Produkt unverzüglich aus den Regalen der Supermärkte genommen. Weiterhin sind umfangreiche Untersuchungen
eingeleitet worden, um die Herkunft der Weichmacher heraus zu finden. Die Weichmacher können nach dem derzeitigen Erkenntnisstand nur im Rahmen der Verarbeitung im Ursprungsland Griechenland durch die Verwendung von Schläuchen oder Lagerbehältnissen, die Weichmacher
enthalten, hinein gelangt sein. Entsprechende Untersuchungen vor Ort sind bereits mit dem Ziel eingeleitet worden, nicht geeignete Schläuche oder Lagerbehältnisse sofort auszuwechseln. Darüber hinaus werden alle abgefüllten Öle gesondert auf das Vorhandensein von Weichmachern analysiert." Festzuhalten sei, so das abschließende Statement des Unternehmens, dass das Rohprodukt Olivenöl absolut
rückstandsfrei sei und den hohen Qualitätsansprüchen eines
Bio-Produktes voll genüge.(23.09.05)

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