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Reinheitsgebot und Gentechnik

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die drei mittelständischen Brauereien Neumarkter Lammsbräu (Neumarkt/Oberpfalz), Brauhaus Riegele (Augsburg) und Stralsunder Brauerei haben in München eine Initiative gestartet, um das Deutsche Bier vor den nicht kalkulierbaren Risiken der Gentechnik zu schützen und das Vertrauen der Verbraucher in reines Bier auch in Zukunft zu erhalten. In einem „Manifest zur dauerhaften Sicherung des bayerischen Reinheitsgebotes“ fordern die Erstunterzeichner nur solche Roh- oder Hilfsstoffe im Reinheitsgebot zuzulassen, die nicht gentechnisch verändert sind. Bislang trifft das Biergesetz, in dem das Reinheitsgebot verankert ist, hierzu keine Aussage. (Karikatur von Horst Haitzinger)

 

Hintergrund der Initiative ist der erste Freilandversuch mit gentechnisch veränderter Gerste in Deutschland. Parallel steigt die weltweite Zahl von Freisetzungsversuchen bei Gerste und Weizen kontinuierlich an. Auch bei Hopfen und Hefe findet umfangreiche Forschung zum Einsatz der Gentechnik statt. Gersten-  und Weizenmalz  sind neben Hopfen, Hefe und Wasser die nach dem Reinheitsgebot einzig zugelassenen Rohstoffe zur Bierherstellung.

 

Trotz immer höherer Investitionen in die grüne Gentechnik und einer gleichzeitigen Ausdehnung der kommerziell genutzten Anbauflächen mit Gentech-Saatgut sind die Folgen dieser Politik bis heute nicht beherrschbar. Während gentechnische Entwicklungen und Forschungen bei Braurohstoffen und -hilfsstoffen weit fortgeschritten sind, finden sich für die konkrete Anwendung beim Bierbrauen in der westlichen Welt bisher nur wenige Fälle. So braute die größte japanische Brauerei Kirin bis 2001 im großen Stil ihre Biere mit gentechnisch verändertem Mais. Öffentlicher Druck erzwang die Einstellung. Die Nutfield Brauerei in Großbritannien setzte eine gentechnisch veränderte Hefe zur Herstellung kalorienreduzierter Biere ein und 2004 brachte die schwedische Brauerei Österlenbryggarna ein Bier mit gentechnisch verändertem Mais gebraut auf den Markt. Dieses Projekt wurde von Monsanto, dem bedeutendsten Unternehmen im internationalen Gentech-Agrobusiness mitfinanziert.

 

In Deutschland gibt es noch kein Gentech-Bier. Die weltweit massive Entwicklung gentechnisch veränderter Braurohstoffe, auch in Deutschland, ist jedoch ein unverkennbares Indiz für den Weg zum Massen-Gentech-Bier. Die deutsche Bierlandschaft ist nach wie vor durch die Vielfalt ihrer Marken und deren traditionelle und individuelle Anbindung an Region und Menschen charakterisiert. In Deutschland existieren rund 1200 überwiegend mittelständische Braustätten. Das Vertrauen der Konsumenten in ihre Marke entsteht durch den starken regionalen Bezug, nicht zuletzt aber auch durch das Wissen um das Reinheitsgebot. Dieses Vertrauen gilt es langfristig zu sichern. Die Entwicklung eines Gentech-Bieres würde zur Einschränkung der Geschmacks- und Sortenvielfalt in Deutschland führen und schließlich die regionale Identität auflösen.

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