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Politiker wenden sich gegen MON 810

von Redaktion (Kommentare: 0)


Nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nach Aussaat des Genmaises MON 810 dessen Weiterverkauf verboten hat, fordern die Landwirtschaftsminister von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Schadenersatz für die Gentechnikmais-Anbauer und wünschen sich gentechnikfreie Fluren.


Benny Haerlin von Save our Seeds hat dazu im Tazblog vom 11.und 14.05.2007 einiges zusammengetragen:

 

"Ich wäre froh, wenn wir ein Gentechnik-freies Brandenburg hätten" sagt Landwirtschaftsminister Woidke (SPD), in dessen Land 1770 der etwa 3000 ha Gentechnikmaises MON810 stehen sollte. Sein Kollege Backhaus (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern, wo weitere 690 ha angemeldet wurden, verweist auf seine gemeinsame Erklärung mit dem Bauernverband, die dringend vom Anbau abrät. Beide fordern Horst Seehofer auf, die Gentechnikbauern zu entschädigen, die Monsantos Gentechnikmais vor zwei Wochen in die Erde brachten und jetzt Saatgut im Boden haben, dessen weiterer Verkauf vom Bundesamt für Verbraucherschutz verboten wurde.

 

"Wir können derzeit einfach keinem Landwirt empfehlen, solche Pflanzen anzubauen. Nach der Entscheidung des BVL, die für diese Vegetationsperiode viel zu spät kam, sind es nun nicht mehr nur Haftungsrisiken und fehlende Anbauregeln, die Grund zur Sorge geben. Die zuständige Bundesbehörde begründet ihre Versagung schließlich mit schädlichen Umweltwirkungen dieser Maissorte! Wenn das so ist muss sich die die zuständige Bundesbehörde die Frage gefallen lassen, seit wann ihr diese Erkenntnisse vorlagen und warum sie dann nicht konsequenter Weise den Anbau in Deutschland untersagt hat," sagte Backhaus zu MV-Regio

 

"Der Zeitpunkt ist eine Riesensauerei", sagte Woidke in den Potsdamer Neuesten Nachrichten, "Vor acht Wochen hätte die gesamte Aussaat noch verhindert werden können," und auf die Frage ob die Bauern den Gentechnikmais jetzt unterpflügen sollten "Das muss Seehofer selbst wissen." Der Minister weiter: "Man muss sich das doch nur mal vorstellen: Da wachsen dann ganze Felder mit Gen-Mais heran, der amtlich im Verdacht steht, gesundheits- und umweltgefährdend zu sein - ein Horrorszenario ...". "Wir hatten von Anfang an Zweifel an der Gesundheits- und Umweltverträglichkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen," meinte Woidke weiter. Die ganze Zulassung von MON 810 vor zehn Jahren, die jetzt erneut überprüft werden muss, sei "voreilig und hat der so genannten grünen Gentechnik mehr geschadet als genützt". Diese deutliche Absatzbewegung in den beiden wichtigsten Gentechnik-Ländern ist möglicherweise nur der Anfang.

 

Wenn nun auch im EU-Präsidentschaftsland Deutschland (nach Österreich, Ungarn, Polen, Griechenland und de facto auch Italien) MON 810 verboten wird, ist dies kein gutes Omen für die in diesem Jahr anstehende Erneuerung der Zulassung für den einzigen Gentechnikmais, der gegenwärtig in der EU zum Anbau zugelassen ist.

Horst Seehofer wird wohl nicht umhin können, ein Machtwort zu sprechen. Schwer vorstellbar, dass der Minister, der gleichzeitig auch noch vor der Sommerpause die Novelle des Gentechnikgesetzes im Kabinett einbringen will, Durchhalteparolen für MON810 ausgeben wird. Seiner Behörde bleibt wohl nur, sich auf den Klimawandel zu berufen: Dass die Maisaussaat dieses Jahr zwei Wochen früher als sonst stattfand, war in ihrem Dienstplan nicht vorgesehen. Im Zweifelsfall wird der Landwirtschaftsminister das Ende einer Dienstfahrt wohl doch lieber für MON 810 als für das eigene politische Fortkommen markieren.

 

Weitere Informationen:


Gentechnik-Anbaustandorte, Übersichtskarte


Offizielles Standort-Register des BVL mit Übersicht nach Bundesländern


Entwurf des Gentechnikgesetzes beim Informationdienst Gentechnik


Spiegel Online zur Lobby-Strategie von Monsanto


 

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