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Nitrofen-Skandal: Foodwatch veröffentlicht Gutachten der Universität Rostock

von Redaktion (Kommentare: 0)


Zwei Wochen nach Einstellung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum Nitrofen-Skandal enthüllt foodwatch neue Fakten. Sie stammen aus einem unter Verschluss gehaltenen Gutachten, das die Universität Rostock im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg erstellt hat. Damit sich die Bevölkerung ein eigenes Bild zum Nitrofen-Fall machen kann, dokumentiert foodwatch das Gutachten und fordert Konsequenzen.

Hier eine kurze Zusammenfassung des Gutachtens:

"Zusammenfassend ist festzustellen, dass die DIVER-Halle für die Lagerung von Getreide nicht geeignet war. Der ausschließlich mit mobilen Mitteln erfolgende Umschlag des Getreides führte zu einer starken Beanspruchung des ohnehin verschlissenen Anstrichs des Hallenbodens. Die auf und unterhalb des Hallenbodens gemessenen Nitrofenwerte stellten die Hauptquelle für die Kontaminierung des Getreides dar. So enthielten z.B. vom Hallenboden genommene Schürf- bzw. Saugproben Nitrofenkonzentrationen von 34312 bzw. 458054 mg Wirkstoff/kg. Auf dem Hallenboden ausgelegte unbelastete Weizenkörner hatten nach 48 Stunden Nitrofengehalte von > 38 mg/kg. Dieser Tatbestand ist besonders relevant, zumal nach Zeugenaussagen die Halle vor der Weizeneinlagerung nur teilweise mit Folie ausgelegt war. Eine unzulässig hohe Konzentration an Nitrofen wurde bereits bei einer Lagerung innerhalb eines Tages am kontaminierten Abschnitt erreicht.

Mit Nitrofen hoch kontaminiertes Getreide ist geeignet, bei der Verarbeitung zu Mischfutter dieses oder bei langzeitiger Verarbeitung die Verarbeitungsanlage selbst zu kontaminieren. Die in Putenfleisch gefundenen Werte könnten auch bei niedrigen Konzentrationen von Nitrofen im Futter entstanden sein, sofern dieses über einen längeren Zeitraum verfüttert wurde. Bei ordnungsgemäßer Prüfung der aus der Halle ausgelieferten Partien auf Nitrofen dürfte das Problem zu lösen gewesen sein. Die Testung auf Nitrofen gehörte allerdings nicht zum Standardprogramm der Qualitätsprüfung.

Der Geruch von chemischen Stoffen war in beiden Abteilungen deutlich wahrnehmbar. Bei dieser Stärke des Geruchs ist eine Entscheidung über die mögliche Einlagerung von Getreide nur nach einer eingehenden Prüfung gerechtfertigt. Der Geruch kann durch den Eigengeruch von eingelagertem Getreide überlagert werden. Aus den Gaschromatogrammen der LUFA ist ersichtlich, dass auch andere Wirkstoffe z.B. DDT, Lindan u.a. beteiligt waren.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Nitrofen auch wegen seiner krebserregenden und potenziell erbgutschädigenden Wirkungen auch in geringen Dosen ein nicht akzeptables Risiko bei Aufnahme mit Lebensmitteln darstellt und daher in Lebensmitteln nicht vorkommen darf. So wie sich die Lagerhalle bei seiner Begehung am 01.07.2002 zeigte, muss nach menschlichem Ermessen jedem Bürger der Bundesrepublik Deutschland, unabhängig von seiner Bildung und Verantwortung, beim Betreten der Halle aufgefallen sein, dass der starke Geruch nach Chemikalien und die besonderen Verfärbungen auf dem Hallenboden nicht von vorschriftsmäßig gelagertem Getreide verursacht sein können. Geradezu zwangsläufig musste daher nach den Ursachen/Quellen dieses Geruchs und der Verfärbungen gefragt werden.

Kontaminierte Lagereinrichtungen sind von der Nutzung auszuschließen. Eine Sanierung ist sehr aufwändig."

http://www.foodwatch.de, http://www.uni-rostock.de (19.05.04)

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