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Monitor deckt auf: "Dioxin in Freilandeiern" war Falschmeldung

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die Recherche der Monitor-Redakteure Kim Otto und Volker Happe brachte es an den Tag: "Dioxin in Freilandeiern" war eine vorbereitete Falschmeldung und Bild am Sonntag das ideale Verbreitungsinstrument. So meldete Bild am Sonntag, dass lt. Messungen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelrecht allein in Bayern 20 Prozent der Freilandeier in den vergangenen Jahren den zugelassenen Dioxin-Grenzwert überschritten hätten. Dazu Werner Schnappauf, Gesundheitsminister in Bayern, im Monitor-Interview: "Die Meldungen der Bild-Zeitung trafen zu keinem Zeitpunkt zu."

Der Gipfel war jedoch die Aussage vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen, der in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt die Zahl von 28 % Dioxin belasteter Freilandeier in Niedersachsen in die Welt setzte. Sein Dementi, er hätte es so nicht gesagt, konnte anhand eines Interview-Ausschnitts widerlegt werden. Wer wissentlich falsche Zahlen verbreitet und so unverhüllt Lobby-Arbeit für die Käfighennenhalter betreibt, ist eigentlich politisch nicht tragbar.

Da grundsätzlich von Eiern aus alternativer Haltung gewarnt wurde, wurden natürlich auch wieder ökologisch erzeugte Eier in denselben Topf geworfen. Völlig zu Unrecht: Die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zeigen deutlich, dass bei den untersuchten Bio-Eiern keines über dem Grenzwert lag.

Damit wäre zur Genüge bewiesen, dass mit der "Information" über die Dioxinbelastung in Freiland-Eiern nur der Verbraucher manipuliert werden sollte, um das ab 2007 in Kraft tretende Käfighaltungsverbot doch noch zu rückgängig zu machen. "Schade, dass die Aufdeckung solcher Machenschaften entgegen reißerischem Gift-Alarm-Geschrei keine großen Schlagzeilen macht", so Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biokreis e.V. "Wir werden auf jeden Fall in Zukunft zusammen mit unseren Erzeugern und den Tierschutzvereinen sehr wachsam sein, um weiteren Angriffen auf breiter Front entgegentreten zu können."
http://www.wdr.de/tv/monitor, http://www.es-press.de

Schon vorher hatte sich herausgestellt, dass Berichte über zu hohe Dioxin-Belastungen von Freilandeiern offenbar auf nur einen einzigen Fall zurückzuführen waren. Als "merkwürdig" bezeichnete es zudem der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, gegenüber dem Berliner Tagesspiegel, dass entsprechende Meldungen kurz vor Beginn der Grünen Woche bekannt wurden. Ähnlich äußerte sich auch die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne). Höhn (Bild) wies Meldungen, wonach 30 Prozent der Eier zu stark belastet seien, als "Horrormärchen" zurück. Die Dioxin-Anteile in Lebensmitteln seien seit 10 bis 15 Jahren rückläufig. Lediglich Baden-Württemberg habe eine Überschreitung gemeldet, sagte Höhn. Allerdings seien dort nur sehr kleine Betriebe, wohl von Hobbyhaltern mit "schwieriger Bodensituation" und "älteren Tieren", untersucht worden.

Nach einer Umfrage des BNN Einzelhandel (50 der Mitgliedsgeschäfte haben auf die Umfrage geantwortet, das entspricht einem repräsentativen Rücklauf von 20%) anlässlich des Dioxin-Skandals bei Freilandeiern zeigte sich in den Rückmeldungen, dass kaum Umsatzeinbußen im Eierverkauf zu verzeichnen waren. Nur ganz vereinzelt haben Kunden vom Eierkauf im Naturkostfachgeschäft Abstand genommen. Im Gegensatz dazu berichten zwei Mitglieder von einem Anstieg ihres Eier-Absatzes beziehungsweise von Neukunden als Reaktion auf die unsachgemäße Berichterstattung. Nur 1,5 % der Rückmeldungen berichten von Umsatzeinbußen von ca. 20 % im Eierabsatz. Die Kundenreaktionen waren insgesamt sehr unterschiedlich. In vielen Läden waren "Dioxin-Eier" überhaupt kein Thema, bei anderen gab es Klärungsbedarf. Die Umfrage hat auch gezeigt, dass bei weitem nicht alle Verbraucher unseriösen Presseberichten sofort Glauben schenken. Vielen war durchaus klar, dass es sich um eine Art Verleumdungskampagne der Käfighalter-Lobby gehandelt haben könnte. Die meisten Mitglieder berichteten von Vertrauensbekundungen ihrer Kunden, wie zum Beispiel: "Um saubere Eier zu bekommen, kaufen wir bei euch." Etwa 60% der Umfrageteilnehmer haben unterschiedliches Info-Material eingesetzt (von BNN, BÖLW, Großhandel und anderen Eierlieferanten). Dies beweist einmal mehr, so BNN-Vorstand Harald Wurm, dass Öko-Produkte im Fachhandel ein hohes Vertrauen genießen.

Die Dorfener Tagwerk-Genossenschaft hat ebenfalls darauf hingewiesen, dass es bisher keinen Hinweis darauf gebe, dass in Eiern der ökologisch wirtschaftenden Tagwerk-Betriebe der seit Januar geltende Grenzwert von 3 pgr (millionstel Gramm je g Fett Dioxin) überschritten wurde. Tagwerk-Geschäftsführer Dr. Michael Rittershofer betont, dass seine Geflügelbetriebe alle Anstrengungen unternehmen, um Dioxin aus ihren Produkten fernzuhalten. Es wäre daher die völlig falsche Schlussfolgerung, aufgrund dieser Diskussion einen "Rückschritt" zu tierquälerischen Haltungsformen wie etwa der Käfighaltung zu gehen. (15.02.05)

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