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Milchstreik: Kritik an Bauernverband

von Redaktion (Kommentare: 0)


Drei Tage Milchstreik brauchte es, bevor sich Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner auf den Weg zu den Milchbäuerinnen und Milchbauern machte. Lehnte er zu Beginn des Lieferstopps dies Mittel zur Durchsetzung höherer Erzeugerpreise ab, so bezeichnete er es drei Tage später immerhin "als gerechtfertigtes Signal" und stellte es den Bäuerinnen und Bauern frei, ihre Entscheidung dafür oder dagegen zu treffen, berichtet die Unabhängige Bauernstimme.

 

Nach dem Motto: so viel Unterstützung wie nötig, um nicht den offenen Aufstand der Mitglieder gegenüber ihres Verbandes zu riskieren und so wenig Unterstützung wie möglich, um den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vielleicht doch noch scheitern zu sehen, bewegt sich der Bauernverband wie die eine Kuh, die es in jeder Herde gibt und die immer einen extra Klaps aufs Hinterteil braucht, wenn es irgendwo hin geht. Und sobald sie die Lücke sieht, einen Moment der Unachtsamkeit, dreht sie um und läuft wieder in die andere Richtung. Einen Systemwechsel, wie der BDM ihn will, Mengensteuerung, Marktbeeinflussung, will der Bauernverband nicht, seine Funktionäre profitieren vom vorhandenen System, so reichen ihm ein paar Cent mehr Milchgeld, damit die Bäuerinnen und Bauern wieder den Mund halten, heißt es in dem Artikel der Unabhängigen Bauernstimme.

 

Drei Tage Milchstreik brauchte es, bis die Milchindustrie zugeben musste, dass die Lagerbestände und Spotmärkte doch nicht so groß sind und der Einfluss der Bäuerinnen und Bauern nicht so klein, als dass es nicht doch zum Lieferengpass kommen könnte. Aber es brauchte auch nur drei Tage, um sie die "schmutzigen" Argumente auspacken zu lassen: Es sei verwerflich, angesichts der Hungernden der Welt Milch wegzuschütten.


Zum Glück hatte es keine drei Tage Milchstreik gebraucht, bevor Vertreter kirchlicher Hilfsorganisationen sich solidarisch mit den Milchbäuerinnen und Milchbauern erklärt und keinen Zweifel daran gelassen hatten, dass sie zu dem drastischen Mittel des Milchwegschüttens stehen können, da es faire Handelssysteme hier wie da braucht. Fair ist, dass sich Biobäuerinnen und Biobauern solidarisieren, schließlich brauchen auch sie den passenden politischen Rahmen für faire Preise, so die Unabhängige Bauernstimme.

 

Bundesagrarminister Horst Seehofer hat die Milchwirtschaft aufgefordert, Verhandlungen mit den Landwirten aufzunehmen. „Ich appelliere an die Milchwirtschaft, jetzt in ein Gespräch über die Milchpreise mit den Landwirten einzutreten, damit der Streik nicht eskaliert und schnell beendet wird. Es ist nicht einzusehen, dass die Milchwirtschaft für Ersatzlieferungen während des Streiks offenbar hohe Preise zahlt (sogar über 40 Cent), diese aber den Milchbauern bisher verweigert hat. Am Montag, den 2. Juni 2008 wird sich Bundesagrarminister Seehofer mit seinen Amtskollegen aus den Bundesländern zu einer Sonder-Agrarministerkonferenz treffen. Thema der Konferenz ist der Health Check. „Ich werde auch die Lage der Milchbauern zur Sprache bringen“, sagte Minister Seehofer.

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