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Koalitionsverhandlungen: Wiedereinführung der Käfighaltung bei Hühnern ist tierschutzpolitischer Offenbarungseid

von Redaktion (Kommentare: 0)


Anlässlich der in den Koalitionsverhandlungen beschlossenen Abschaffung des Käfighaltungsverbotes für Hühner und der Einführung einer Kleinvoliere erklärt die agrarpolitische Sprecherin Ulrike Höfken:

Union und SPD betreiben Etikettenschwindel auf Kosten des Tierschutzes. Die Kleinvoliere ist eine Wortkreation, die den altbekannten kleinen Käfig in neue Gewänder kleidet. Die Vögel haben unwesentlich mehr Platz, Flattern ist kaum möglich und Fliegen schon gar nicht. Artgerechte Tierhaltung sieht anders aus!

Die Kleinvoliere ist für uns weder die Umsetzung des Staatszieles Tierschutz, noch erfüllt sie die Anforderungen des Bundesverfassungsgerichtes, das sich 1999 klar gegen die Käfighaltung ausgesprochen hat. (Bild: E. Wendt/AGfaN e.V.)

Die große Koalition macht deutlich, dass für sie die Interessen
der wenigen industriellen Geflügelhalter wichtiger sind als die Lebensbedingungen der Tiere und die Wünsche der Verbraucher. Nach geltendem Gesetz sollte die Käfighaltung ab 2007 verboten werden. Dies wird jetzt durch die große Koalition geändert. Eine Vielzahl von Betrieben hatte sich bereits darauf eingestellt.

Hühnerverrat durch Große Koalition? - Bündnis Tierschutz sieht die Zukunft der Agrarwende gefährdet

Für das Bündnis Tierschutz (Deutscher Tierschutzbund, Bundesverband Tierschutz e.V. und Bund gegen Missbrauch der Tiere) ist die Aufhebung des Verbots ein Verrat an den Hühnern und an der Agrarwende. Besonders die SPD begehe mit dieser Haltung Wahlbetrug, da die Partei sich bisher immer öffentlich für das Beibehalten des Verbots ausgesprochen hat.

"Die Wahrheit scheint zu sein, dass die Agrarindustrie ihre Lobbyisten, denen es offenbar nur um den schnell verdienten Euro, nicht aber um zukunftsfähige Landwirtschaft geht, wieder am Kabinettstisch platziert hat. Jetzt steht das Schicksal der Legehennen und das der Agrarwende und des Tier- und Verbraucherschutzes insgesamt auf dem Spiel", mahnt Wolfgang Apel, Sprecher des Bündnis Tierschutz und Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Jutta Breitwieser, Vorsitzende Bund gegen Missbrauch der Tiere, und Astrid Funke, Vorsitzende Bundesverband Tierschutz, sind sich gemeinsam mit Wolfgang Apel sicher: Was bei den Hühnern beginnt, geht bei Schweinen, Mastgeflügel und anderen Tieren in der Landwirtschaft weiter. Besonders die Verhandlungsführer der SPD, aber auch die Teilnehmer der anderen Parteien sollten daher öffentlich klarstellen, welchen Stellenwert die Agrarwende in der Zukunft haben wird, mahnt das Bündnis Tierschutz. Falls es zu dem befürchteten Beschluss "Pro-Käfig" kommt, kündigen die Tierschützer eine massive Kampagne wegen des Hühnerverrates der Großen Koalition und des Wahlbetruges der SPD an. Im Bündnis Tierschutz sind eine Million Tierschützer organisiert. Das Verbot der Käfighaltung von Legehennen wird von über 80 % der Bevölkerung gefordert.

Im HR-Fernsehen wurden Bilder veröffentlicht, die erneut die Auswüchse der Tierqual in Käfighaltungen von Legehennen dokumentieren. Nach Recherchen des Deutschen Tierschutzbundes handelt es sich offenbar um Betriebsanlagen in Hessen. Der Deutsche Tierschutzbund wird Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Fulda und Hanau stellen. "Im Frühjahr waren es Bilder aus einem bayerischen Betrieb, weitere Hinweise gab es immer wieder und nun offenbar Hessen. Die Einzelfalltheorie, mit der die Geflügelindustrie die Tierqual hinterher immer schönreden will, greift nicht. Jede Käfighaltung von Legehennen ist eine strukturell angelegte Tierqual, die endgültig verboten gehört", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

In Österreich ist man bereits einen Schritt weiter: Ende 2008 ist laut dem neuen Tierschutzgesetz mit der Käfighaltung von Legehennen Schluss. Die österreichische Diskont-Kette Hofer wirft bereits per Ende 2006 Eier aus Käfighaltung aus ihren Regalen. Die Produzenten sollen zu einem früheren Umstieg auf Boden- oder Freilandhaltung bewegt werden. Hofer forciert seit einiger Zeit neben Eiern aus Bodenhaltung Bio-Eier von frei laufenden Hühnern der Bio-Eigenmarke "Natur Aktiv".
(07.11.05)

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