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Interview mit Elke Röder

von Redaktion (Kommentare: 0)


Warum diskutiert der BNN einen Kodex? Ist das vielleicht ein Symptom für einen Mangel im
Alltag?

Elke RöderWas aus den Prinzipien der sozial-ökologischen Bewegung und persönlichem Engagement entstanden ist, unterliegt inzwischen den kapitalistischen Marktgesetzen. Vielleicht haben wir uns schon zu weit auf das Marktgesetz des niedrigen Preises eingelassen und sind gerade dabei, die Preisspirale nach unten erneut zu beschleunigen. Wir sollten zurück zu unseren Werten und die Qualität unserer Produkte an oberste Stelle setzen, unser Handeln stärker an den Werten Verbindlichkeit und Transparenz ausrichten. Der Naturkostfachhandel ist und bleibt das Schaufenster. Durch langjährige faire Kooperation mit Lieferanten können intelligente Wege der Kostenreduktion entwickelt werden, die nicht zu Lasten eines Partners gehen. Glaubwürdige Naturkostmarken stärken den Naturkostfachhandel. Handelsmarken führen die Neukunden an den Naturkostfachhandel heran, aber binden auch Potential und gefährden manchmal Spannen. Da scheint im Naturkostmarkt aktuell einiges aus dem Lot zu geraten und darüber sollten wir sprechen. Der Kodex ist hierbei eine Hilfe, ein Vorschlag zur Strukturierung schwieriger Diskussionen. Er ist sicher kein Grundgesetz und hat auch keinen Anspruch auf ewige Gültigkeit.

Drohen uns nicht endlose Debattenrunden, die uns daran hindern, konkrete Lösungen zu
schaffen?

Unser Verband fühlt sich den Gesetzen der Demokratie verpflichtet. Mehrheiten entscheiden und die Kraft des Arguments und der fairen Diskussion zählen. Der BNN hat wegweisende Normen für die Qualitätsarbeit geschaffen, die weit über den Kreis der Mitglieder im Alltag Gültigkeit haben und befolgt werden. Ich denke beispielsweise an die BNN-Orientierungswerte, die inzwischen von jedem Pestizidlabor, von staatlichen Einrichtungen wie der CVUA und sogar von Ökotest genutzt werden. Das haben wir geschafft, weil die rationalen Gründe, die für die Anwendung der Orientierungswerte sprachen, überzeugten, weil die Werte praktikabel sind und weil sich eine bedeutende Gruppe der Marktteilnehmer, unsere BNN-Mitglieder, für die Einführung in den Alltag stark gemacht haben. Die Etablierung solcher qualitätsstiftenden Verhaltensweisen geht nur in einer Gemeinschaft, bedarf der Diskussion und entfaltet erst mittelfristig Wirkung. Unsere Lösungsangebote sind konkret, sie profilieren heute den Naturkosthandel und reichen über die Naturkostwelt hinaus.

Was erwartet uns auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 7.10. in Kassel?

Wir haben die Zeit seit der Mitgliederversammlung in Salzburg genutzt und die Mitglieder gebeten zu prüfen, ob die Verbandsnormen zum Handel, zur Qualitätssicherung und zur Zusammenarbeit im Kapitel II des Kodex umgesetzt sind. Hier gab es in Salzburg Unsicherheiten, die wir in Kassel ausräumen können. Danach werden wir darüber sprechen, welche Schritte nach der Kodex-Verabschiedung folgen. Im Kapitel III des Kodex zu den Normierungszielen haben die BNN-Mitglieder in Salzburg bereits Aufgaben benannt. Wir werden darüber sprechen, welchen Charakter der Kodex haben wird. Soll er stärker empfehlend, quasi Kraft Argument, wirken oder gibt es den Wunsch, auch ein Schiedsgericht zu etablieren, welches über die Einhaltung des normativen Teils II befindet. Es wird weiter zu diskutieren sein, wie wir die identitätsstiftende und profilierende Wirkung des Kodex verstärken können und last but not least werden wir uns mit dem Vorschlag befassen, Bio-Produkte mit nur einer Bio-Zutat, die ab 1.1.09 auf den Markt kommen werden, im Naturkostsortiment nicht zu führen.

In Kassel werden wir also an der Entwicklung konkreter Perspektiven für die Naturkostbranche arbeiten.

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