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„Gentechnik nicht hinnehmen“

von Redaktion (Kommentare: 0)


BNN-EH: Herr Röhrig, gibt es in fünf Jahren noch gentechnikfreies Essen?

 

Peter Röhrig: Wenn wir darum kämpfen, ja.

 

Horst Seehofer will den Anbau von Genpflanzen aber erleichtern. Welche Folgen hat das für die Lebensmittelindustrie?

 

Egal ob Konzerne wie Nestlé oder Biohändler - alle bedienen in Deutschland Verbraucher, die die Gentechnik ablehnen. Sie alle bekommen Probleme.

 

Welche ?

 

Produkte ohne Gentechnik werden teurer. Dänische Wissenschaftler haben errechnet, dass die Preise um 7 % bis 20 % steigen könnten.

 

Woran liegt das?

 

Wachsen in Deutschland immer mehr Gen-Pflanzen, sind Verunreinigungen schwerer auszuschließen. Also müssen die Produzenten ihre Qualitätssicherung ausbauen - und immer wieder Proben ins Labor schicken.

 

Seehofer argumentiert, die Gentechnik rette Jobs und den High-Tech-Standort Deutschland.
Warum überzeugt Sie das nicht?

 

Seehofer macht eine Milchmädchenrechnung. In Deutschland gibt es bis zu 500 Stellen in der Agro-Gentechnik - ohne großes Wachstumspotenzial. Sie ist vor allem eine Rationalisierungstechnik. Im ländlichen Raum schafft sie keine Arbeitsplätze.

 

Was ist die Alternative?

 

Der Ökolandbau. Mittlerweile sind dort 170.000 Menschen beschäftigt, das ist doppelt so viel wie vor zehn Jahren. In Bioprodukten steckt einfach mehr Arbeit.

 

Werden dank Seehofer schon dieses Jahr mehr Genpflanzen wachsen?

 

Für 2007 sind rund 3500 Hektar Genmais angemeldet. Seehofers Eckpunkte haben damit aber noch nichts zu tun. Aus ihnen wird erst in den nächsten Monaten ein Gesetz gemacht.

 

Was sind für Sie genau die Knackpunkte?

 

Erstens: Die Haftung. Bauern, sollen erst eine Entschädigung bekommen, wenn ihre Ernte zu
0,9 % mit Genpollen verunreinigt ist. Die Verarbeiter und Händler fordern aber reinere Ware.

 

Daraus folgt?

 

Bauern bleiben auf ihrer Ware sitzen - ohne Geld zu sehen. Die Bundesregierung gibt eine Lizenz zum Verschmutzen. Wir halten das für rechtswidrig. Denn nach europäischen Richtlinien soll eine Verunreinigung zu 0,9 % nur die Ausnahme und nicht die Regel sein.

 

Noch ein Problem?

 

Unserer Ansicht nach soll der zahlen, der Kosten hervorruft. Seehofer will dieses Verursacherprinzip bei der Gentechnik aber missachten. Dabei gibt es eine einfache Lösung.

 

Was schlagen Sie vor?

 

Wer Genpflanzen anbaut, muss von den Feldern rundherum regelmäßig Proben nehmen und sie analysieren lassen. Er stellt Nachbarbauern dann die Zertifikate aus dem Labor kostenlos zur Verfügung. Auskreuzungsmonitor nennen wir das.

 

Erfahre ich, ob Nachbarn Genpflanzen säen?

 

Tatsächlich soll es ein genaues öffentliches Standortortregister künftig nicht mehr geben. Ein
Landwirt, der wissen will, ob sein Nachbar Genmais pflanzt, muss erst aufs Amt und seinen Anspruch begründen. Diese Bürokratie ist eine neue unsinnige Last für alle Bauern, die ohne Gentechnik arbeiten wollen.

 

Seehofer schreibt zwischen Gen-Äckern und herkömmlichen Feldern einen Abstand von 150
Metern vor. Reicht das?

 

Selbst Monsanto empfiehlt seinen Bauern 300 Meter. Und die anderen EU-Länder fordern im Schnitt 250 Meter. Nur Deutschland will so lax sein. Nachvollziehbar ist das nicht.

 

Muss die Biobranche also um ihre Qualität fürchten?

 

Qualität von Biowaren ergibt sich aus der Art der Herstellung, etwa aus dem Verzicht auf Ackergifte, künstliche Aromen oder Tierquälerei. Natürlich werden Biobauern auch weiterhin ohne Gentechnik arbeiten. Aber es ist eine große Herausforderung, Verunreinigungen
zu verhindern.

 

Kommt Seehofer mit seinen Plänen durch?

 

Seehofer hat ein rein schwarzes, also ein Unionspapier vorgelegt. Die SPD-Fraktion hat zuvor schon klar gemacht, dass sie den gentechnikfreundlichen Kurs nicht mitmachen will. Es wird also noch Verhandlungen geben.

 

Welche Änderungen sind wahrscheinlich?

 

Das hängt vom Druck der Straße ab, keiner muss die Politik für die Gentechnik so hinnehmen.

 

Was können Biohändler tun?

 

Kunden informieren, und zwar nicht nur über die gesundheitlichen Risiken der Gentechnik, sondern auch über die ökonomischen. Und: Jeder ist als Bürger gefragt. Jeder muss mit seinen Bundestagsabgeordneten reden.

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