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Erst kommt das Essen

von Redaktion (Kommentare: 0)


"Die EU muss beim Gesundheitscheck der Gemeinsamen Agrarpolitik der europäischen und der globalen Ernährungssicherung Vorrang geben. Sonst tragen wir Mitverantwortung an den sich ankündigenden Versorgungsengpässen und sozialen Unruhen in der Welt." sagte Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im EU Parlament. "Die schnelle Verknappung bei Lebensmitteln und Agrarrohstoffen sowie die damit verbundenen drastischen Preissteigerungen treffen vor allem die schwächsten Bevölkerungsgruppen und ärmsten Länder. Die EU muss deshalb die steigenden Importe von Agrarrohstoffen reduzieren, indem sie die Fehlentscheidungen bei der Förderung der Agrartreibstoffe korrigiert und gleichzeitig ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen Pflanzenproduktion und Tierhaltung innerhalb der EU wieder herstellt."

 

Die Entscheidung des deutschen Umweltministers, sich aus Sorge um die Verdaubarkeit von pflanzlichen Treibstoffen in Altwagen gegen den Beimischzwang von Agrarsprit zu entscheiden und die Brotrevolten in Ägypten, Burkina Faso, Marokko, Haiti, Kamerun und Mauretanien stehen - wenn auch ungewollt - in direktem Zusammenhang. Der Markt regelt soziale Prioritäten nicht. Er folgt dem Geld. Wenn für Agrarsprit in Europa und den USA mehr gezahlt werden kann als für Mais in Mexiko oder Reis in Thailand, wandert der Rohstoff dorthin.

 

Die EU kann und darf als weltweit größter Importeur von Lebensmitteln nicht in die strategische Rolle der USA als Welternährer schlüpfen. Die USA streichen jetzt die Liste der Entwicklungsländer, die Lebensmittelhilfe erhalten, radikal zusammen, weil das Ethanolprogramm alle exportfähigen Überschüsse aufgefressen hat. Weil bisher verbilligte Lebensmittelexporte und dauerhafte Lebensmittelhilfe lokale Märkte zerstörten und Kleinbauern in den Ruin trieben, machten sie die Entwicklungsländer abhängig. Diese Abhängigkeit wird für die Länder der Dritten Welt jetzt lebensbedrohlich, die USA streichen nun die politisch unliebsamen Länder zuerst von der Liste der Empfänger. Die EU muss durch eine nachhaltige europäische Ernährungssicherung vielmehr den Druck von den Weltmärkten wegnehmen und dafür Sorge tragen, dass in den Ländern der 3. Welt eine eigenständige Nahrungsversorgung wieder möglich wird.

 

"Auch wenn der Sinneswandel unseres Umweltministers auf Druck des ADAC geschieht, ist er doch positiv zu beurteilen. Minister Gabriel muss sich nun auch bei seinen EU-Kollegen dafür einsetzen, das 10 % Ausbauziel für Agrartreibstoffe zu kippen", sagte Rebecca Harms, Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament. "Um den Klimawandel zu bremsen, müssen Maßnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs ergriffen werden. Die Illusion, volle Tanks und volle Teller seien rein technisch und ohne politische Prioritätensetzung möglich, ist geplatzt. Auch beim Thema Effizienz von Autos ist ein Umschwenken der Bundesregierung notwendig. Statt sich zum Wohle der deutschen Autoindustrie für längere Fristen und verwässerte CO2 Obergrenzen einzusetzen, sollte sich die Klimakanzlerin bei diesem Thema für eine schnelle Umsetzung ambitionierter Ziele einsetzen".

 

Bundesregierung und EU-Kommission müssten verhindern, dass die Autoindustrie auf Kosten der Umwelt das Schlupfloch Agrosprit nutze, um ihr Versagen bei der Verbrauchsminderung ihrer Modellflotten zu kaschieren, sagte auch der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Sowohl Anbau als auch Einsatz des so genannten "Biosprits" verursachten eine Reihe ökologischer Folgeschäden. Monokulturen, erhöhter Pestizideinsatz und die Vernichtung von Regenwäldern für Palmölplantagen seien katastrophale Nebenwirkungen einer falsch verstandenen „Biosprit“-Strategie.


BUND-Vorsitzende Hubert Weiger: „Allein die Ankündigung der Beimischungspflicht wirkt verheerend. So werden in Indonesien und Kolumbien immer mehr Palmölplantagen und Anbauflächen für Agrospritpflanzen angelegt. Der exportierte Treibstoff von diesen Plantagen soll künftig auch dann als nachhaltig eingestuft werden, wenn dafür Urwald abgeholzt worden ist. Auf diese Weise bekommt selbst die Vertreibung der lokalen Bevölkerung durch Agrarkonzerne und Ölfirmen noch ein Nachhaltigkeits-Label.“
 

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