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Ein unabhängiger Saatgut-Markt

von Redaktion (Kommentare: 0)


Das Symposium "Ein unabhängiger Saatgut-Markt" auf der diesjährigen BioFach mit Dr. Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobel-Preises, war international besetzt und gut besucht.

Die Veranstalter Software AG-Stiftung, Agravivendi und IFOAM stellten das Saatgut als kulturelles Erbe der ländlichen Regionen Europas und Zukunft für die Qualität von Öko-Produkten in den Mittelpunkt des Symposiums. Wenn vielfältige Pflanzen an vielen Orten und in vielen Händen unter natürlichen Bedingungen auf natürliche Widerstandskraft gezüchtet werden, kommen sie auch später ohne Chemie aus.

Die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union hat sich von der Produktionsförderung der Nachkriegszeit in Richtung Qualitätserzeugung, Umwelt- und sozialen Standards entwickelt. "Die Entkoppelung der Einkommensbeilhilfen von der Produktion bringt den Landwirten neuen Freiraum für die Vielfalt auf den Feldern", erklärte Philippe Tabary, Mitarbeiter der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission.

Größere Fruchtfolgen, mehr Arten mit deutlich höherer Sortenvielfalt und eine chemiefreie Öko-Züchtung an allen Kulturarten für die gesamte gentechfreie Landwirtschaft, lautet daher die Devise von Agravivendi. Das wird zur Erfolgsstory, wenn sich Verarbeiter, Handel, Verbraucherinnen und Verbraucher und der Staat ideell und finanziell daran beteiligen. "In Deutschland wurden im Jahr 2004 immerhin 2,3 Mio EUR für Öko-Züchtung und -Forschung investiert - ein kleiner Schritt für eine große Aufgabe, an der sich zunehmend Unternehmen der Öko-Branche beteiligen. Für die Arbeit am kompletten Sortiment, in dem das kulturelle Erbe der heimischen Sortenvielfalt respektiert und weiter entwickelt wird, sind mittelfristig 50 Mio EUR jährlich nötig", erklärte Cornelia Wiethaler - eine Position, die auch Bernward Geier, Direktor für Internationale Beziehungen, International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) unterstützte. 50 Mio EUR - das ist übrigens nur ein Drittel der staatlichen Forschungsmittel für pflanzliche Genomforschung in Deutschland.

Im Jahr 2004 beteiligten sich engagierte Unternehmen wie ErdmannHauser, Saatzucht Schweiger, Bauckhof KG, Alnatura, Sativa Rheinau, Bioland-Hof Ellenberg, Denree, Tegut, Stiftungen, private Spenderinnen und Spender. Hinzu kommt seit 2002 eine staatliche Förderung für Öko-Züchtungs-Forschung aus dem Bundesministerium für Verbraucherschutz. Das waren im Jahr 2004 insgesamt ca. 2,3 Mio EUR. Züchtung ist sehr kostenaufwändig. Eine Weizensorte z.B. benötigt bis zu 15 Jahren und kostet zwischen 500.000 und 1.500.000 EUR. Öko-Züchtung gibt es bisher an Gemüse, Kartoffeln und Getreide. Lizenzeinnahmen für Öko-Sorten, die nur auf geringen Flächen zum Anbau kommen, erbringen zu wenig. Das Gleiche gilt für Lizenzeinnahmen von sehr vitalen und gut nachbaufähigen Sorten. "Wenn wir also einen unabhängigen Saatgutmarkt haben wollen, müssen wir zusehen, wie wir den Arbeitslohn für die Züchter von den Lizenz-, Patent- oder Nachbaugebühren entkoppeln und direkt in die Züchtung leiten", erklärte Cornelia Wiethaler.

"Die Ergebnisse sind aber nicht nur für Öko-Betriebe, sondern langfristig für die gesamte gentechfreie Land- und Ernährungs-Wirtschaft von Bedeutung", sagte Georg Janssen, Bundesgeschäftsführer der ABL.

Engagierte Unterstützung kam auch aus Indien: "Eine vielfältige Öko-Züchtung ist das wichtigste Anliegen für die Öko-Bewegung und für die Unabhängigkeit der Bauern überall auf der Welt", unterstrich Dr. Vandana Shiva aus Indien, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, die Anliegen der Veranstalter. "Die Einführung von Bt-Saatgut ist Terror für die Bauern in Indien. Wir brauchen da dringend Gegengewichte. Und die Landwirte und Verbraucher brauchen Zugang zu qualitativ hochwertigen Sorten, die ohne teure Chemie auskommen. Der Zugang zu Saatgut darf nicht durch Patent-Ansprüche oder Hybrid-Techniken behindert werden. Auf lange Sicht hin ist das auch ein Beitrag zur Überwindung des Hungers in den weniger entwickelten Ländern und zum Schutz der biologischen Vielfalt und des Klimas."

Gefördert wurde die Veranstaltung von der Europäischen Kommission, DG AGRI. (10.03.05)

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