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EU: GVO-Zusatzstoffe in Biolebensmitteln zugelassen?

von Redaktion (Kommentare: 0)


Der Rat der EU-Agrarminister beabsichtigt, die EG-Öko-Verordnung aufzuweichen und die Verwendung gentechnisch hergestellter Lebensmittelzusatzstoffe in Bioprodukten zu gestatten, wenn diese nicht mehr in gentechnisch unveränderter Form verfügbar sein sollten. Und dies, obwohl Biokunden und Biobetriebe die Verwendung von Gentechnik in Biolebensmitteln nicht akzeptieren.

 

„Biobetriebe brauchen keine Gentechnik, jedoch klare Positionen gegenüber ihren Kunden. Zusatzstoffe als Türöffner für Gentechnik in Bio würde Vertrauen zerstören und den Prinzipien des biologischen Landbaus widersprechen“, stellt Thomas Dosch, Bioland-Präsident, klar. Bioland fordert den EU-Agrarrat auf, eine Aufweichung der EG-Öko-Verordnung zu verhindern. „Es gehört zu den täglichen Herausforderungen für alle Biobetriebe, die benötigten Rohstoffe und Zutaten in Bioqualität zu erzeugen oder erzeugen zu lassen. Hieraus ergeben sich für viele Betriebe neue Marktchancen. Ein Griff ins Gentechnik-Regal würde die Weiterentwicklung einer ökologischen Struktur jedoch deutlich zurückwerfen und den Biomarkt insgesamt diskreditieren“, warnt Dosch.

 

Der Demeter-Verband kritisiert ebenfalls die drohende Aufweichung der EU-Bio-Verordnung. „Wenn die europäischen Agrarminister jetzt wirklich wie angekündigt beschließen, gentechnisch hergestellte Zusatzstoffe für die Lebensmittelverarbeitung zuzulassen, weichen sie das bewährte Prinzip des konsequenten Verzichts auf Genmanipulation beim Bio-Essen auf,“ warnt Demeter-Bund-Geschäftsführer Stephan Illi. „Wenn der EU-Agrarrat nun Ausnahmen für den Einsatz von gentechnisch manipulierten Substanzen für Bio-Lebensmittel erwägt, setzt er ein völlig falsches Signal, das an den Erwartungen der meisten Menschen vorbei geht,“ betont Illi.

 

„Wenn die EU-Bio-VO nun auch noch Zusatzstoffe, die aus oder mit GVO hergestellt werden, erlaubt, sind biologische Lebensmittel in Gefahr, für den Verbraucher unglaubwürdig zu werden“, so Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biokreis e.V. „Wir werden mit allen anderen Bio-Verbänden schärfstens dagegen protestieren!“ Doch nicht nur Proteste auf politischer Ebene werden das Mittel der Wahl sein, sondern eine Aufklärungs­kampagne bei Verbrauchern. Das langjährig aufgebaute und bisher gute Image von EU-Bio steht mit solch einer Entscheidung auf der Kippe. Da 80% der Verbraucher gegen Gentechnik in konventionellen Lebensmitteln ist, kann mit Sicherheit angenommen werden, dass 100 % der Verbraucher gegen Gentechnik in Bio-Lebensmitteln sind. Die Idee, GVO in Bio-Lebensmitteln zuzulassen ist daher nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch eine Frage des Marketings. Und genau die Wirtschaftlichkeit ist es ja, die den Rat über die Zulassung von GVO nachdenken lässt. Es könnte ein Eigentor werden!

 

Der BÖLW wendet sich in aller Schärfe gegen dieses Vorhaben und fordert den Agrarministerrat auf, den entsprechenden Artikel ersatzlos zu streichen. „Angesichts einer hervorragend funktionierenden Praxis der Lebens- und Futtermittelerzeugung ohne Gentechnik, wäre diese Regelung nicht nur völlig überflüssig sondern auch kontraproduktiv“, so Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW. Denn damit könnte Gentechnik durch die Hintertür in Bio-Produkte kommen und es wäre nicht mehr in jedem Fall sicher gestellt, dass alle Zutaten ohne Gentechnik hergestellt sein müssten. Das widerspräche nicht nur den Prinzipien der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft, sondern auch den Erwartungen der Verbraucher. „Soll der Bio-Markt nicht gefährdet werden, muss sich der Verbraucher auch künftig darauf verlassen können, dass Bio-Lebensmittel immer ohne Gentechnik hergestellt werden“, so Gerber.

 



 

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