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Demeter regelt Saatgutfrage

von Redaktion (Kommentare: 0)


Saatgut-Züchtung ist für die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise zu einem bedeutendem Thema geworden. Schon vor über 20 Jahren fingen Demeter-Gärtner und -Bauern an, sich mit der Herkunft ihres Saatgutes intensiv zu beschäftigen und nach Alternativen zu den industriellen Sorten zu suchen. So entstand durch die Initiative einzelner eine biologisch-dynamische Züchtungsarbeit, deren erste Früchte jetzt bis in den Handel hinein zu spüren sind. Die biologisch-dynamischen Karottensorten Robila, Rodelika und Milan sind mit einem runden Vermarktungskonzept inzwischen in den Frischeregalen der Bioläden präsent und erfahren große Aufmerksamkeit bei Verbrauchern und Medien. Auch bei Getreide gibt es eigene, vom Bundessortenamt zugelassene Sorten und dazu erste Produkte, beispielsweise Brot vom Dottenfelder Hof in Bad Vilbel oder Gebäck von Erdmannhauser. Durch konsequente Vorgaben für die Erzeuger regelt die biodynamische Gemeinschaft nun auch in ihren Richtlinien, dass Sorten, die aus Zellfusionstechniken hervorgegangen sind, für den Demeter- Anbau ausgeschlossen werden. Diese Änderung wird zum Juli 2005 wirksam. Sie betrifft zunächst vorwiegend die Gemüsesorten.

Hybridsorten entstehen bei der Kreuzung zweiter Inzuchtlinien. Sie verlieren beim "Nachbau", der Weiterverwendung ihrer Samen, ihre guten Eigenschaften. Also müssen diese Sorten jedes Jahr neu nachgekauft werden. Im Gemüsebereich sind inzwischen mehr als 70 Prozent aller Sorten Hybriden, auch im Öko-Bereich dominieren sie noch. Die Hybrid-Züchtung wird in letzter Zeit verstärkt mit der Zellfusionstechnik kombiniert, so entstehen neue so genannte cms-Hybriden. Dabei werden Arten, die normalerweise nicht kreuzbar sind, durch die Verschmelzung von Zellen und Zellkern, die Protoplastenfusion, zusammengeführt. Dafür werden Gifte und Elektroschocks eingesetzt. Molekularbiologen bezeichnen diese Methode als "kleine Gentechnik". Sie sorgt dafür, dass etwa Radieschen-Zytoplasma in Blumenkohl gelangt und das Saatgut patentiert wird. Die Pflanzen enthalten dann weniger Trockensubstanz, also mehr wässrige Anteile, und häufig auch ein geringeres Aroma. "Für eine ganzheitliche Ernährung, die Körper, Seele und Geist gleichermaßen aufbaut, sind solche Sorten sicher nicht das richtige", meint Demeter.

Öko-Saatgut, das nach der EU-Bio-Verordnung auf Bio-Höfen eingesetzt werden soll, muss lediglich ein Jahr lang ökologisch angebaut worden sein. "Das entspricht lediglich einer Vermehrung", kritisiert Dr. Jochen Leopold vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise. "Der ganze Bereich der Züchtung eigener Sorten unter ganzheitlich-ökologischen Gesichtspunkten ist bislang in den europäischen Richtlinien zum Öko-Anbau nicht geregelt." Zur Zeit gibt es lediglich einige ökologisch gezüchtete Sorten im Getreidebereich und etwas mehr als 30 Sorten für Gemüse-Gärtner. Biologisch-dynamisch gezüchtetes Saatgut gehört dem gemeinnützigen Verein "Kultursaat", ist nachbaufähig und damit ein echtes Kulturgut in der Hand der Bauern und Gärtner.

Züchtungsziele und Züchtungsmethoden der Saatgutindustrie unterscheiden sich deutlich von denen der Öko-Züchter. Während es im Konventionellen vorwiegend um hohen Ertrag, hohe Gleichförmigkeit und Kompatibilität mit Agro-Chemikalien geht, legen Öko-Bauern und -Gärtner wert auf die Ernährungsqualität und natürliche Widerstandskräfte. Mit der ersten Positivliste von Sorten, die diesen Ansprüchen gerecht werden, schafft Demeter mit dem Forschungsring nun die Voraussetzungen dafür, dass sich Bauern und Gärtner rasch darüber orientieren können, welche Sorten sie einsetzen können. Die Liste ist im Internet unter http://www.forschungsring.de veröffentlicht.(07.01.05)

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