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„Bioprodukte enthalten in aller Regel keine Rückstände“

von Redaktion (Kommentare: 0)


Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen Bio-Produkte. Sie erleben, wie gut diese schmecken und wie gut sie tun. Dabei möchten sie sicher sein, für den höheren Preis auch bessere Qualität zu bekommen und weniger Schadstoffe einzukaufen. Aber können sich Verbraucher auf Bio wirklich verlassen? Das PresseForum BioBranche befragte den Chemiker Dr. Günter Lach (Bild), der sich seit mehr als 20 Jahren mit der Analytik und Bewertung von Rückständen in Lebensmitteln befasst.


Können Sie Unterschiede bei der Pestizid-Belastung von biologischen und konventionellen Produkten feststellen?


Dr. Günter Lach: Der Unterschied ist signifikant. Verschiedene Studien belegen das deutlich. Auch die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung zeigen, dass der überwiegende Teil der konventionellen Produkte mit Pestiziden belastet ist. Oft sind dabei nicht nur ein oder zwei, sondern mehr als zehn Pestizide auf einmal nachzuweisen. Das ist bestätigt worden von Verbrauchermagazinen und Organisationen wie Greenpeace. Bioprodukte enthalten dagegen in aller Regel keine Rückstände. Wenn das doch einmal vorkommt, ist es fast immer durch die Randbedingungen zu erklären - und die Rückstandswerte liegen im Vergleich zu konventioneller Ware deutlich niedriger.


Was bedeutet es für die Gesundheit, wenn Produkte mit mehreren Pestiziden belastet sind?

 

Dr. Günter Lach: Wenn diese verschiedenen Chemikalien in den Körper gelangen, kann sich die Wirkung verstärken, addieren, multiplizieren oder sogar potenzieren. Hier gibt es aber noch einen deutlichen Mangel an wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen. Aus Vorsorgegründen sollte der Gehalt in Lebensmitteln möglichst niedrig gehalten werden. Bei Bioprodukten hat sich gezeigt, dass es bis auf ganz wenige Ausnahmen keine Mehrfachrückstände gibt.


Gibt es Lebensmittel, die besonders häufig mit Pestiziden belastet sind?


Dr. Günter Lach: Es gibt tatsächlich Produkte, die deutlich stärker belastet sind, das sind Tomaten, Paprika und Salate. Zeitlich begrenzt gilt das auch für Erdbeeren, insbesondere Früherdbeeren. Das sind Produkte, die in relativ großen Mengen verzehrt werden. Da kann ich nur den Rat geben, am besten auf Bioprodukte zurückzugreifen, da diese ohne Einsatz von Pestiziden angebaut werden. Saisonale Produkte und regionale Produzenten sollten immer bevorzugt werden.

 

Welche Bedeutung haben überhaupt Grenzwerte?


Dr. Günter Lach: Grenzwerte haben eine wissenschaftliche Grundlage. Und sie haben den Hintergrund, im konventionellen Bereich der Landwirtschaft ein Mittel an die Hand zu geben, Pestizide ordnungsgemäß einzusetzen. Bei Grenzwertüberschreitung wurden zu große Mengen eingesetzt oder die Wartezeiten nicht eingehalten. Gleichwohl ist es nicht hinnehmbar, dass ein deutlicher Anteil der Produkte die Grenzwerte nicht einhält. Damit wird das Vorsorgeprinzip klar unterlaufen. Die Pflanzenschutzindustrie weist immer darauf hin, dass Überschreitungen nicht schlimm seien. Ich ziehe da gern den Vergleich zu Geschwindigkeitsbegrenzungen: Natürlich erhöht sich die Gefahr, wenn Autos zu schnell fahren. Stellen Sie sich vor, ein Verkehrsminister würde sich hinstellen und sagen. „Ja, wir haben 100 auf der Landstraße, aber so schlimm sind Überschreitungen doch gar nicht.“


Warum werden manchmal auch in Bioprodukten Pestizide gefunden?


Dr. Günter Lach: Wenn es bei Bioprodukten messbare Rückstände gibt, dann ist das meist auf Probleme in den Pack- oder Waschstationen oder andere Probleme bei Transport oder Lagerung zurückzuführen. Manchmal tauchen auch Altlasten von Stoffen, die in den siebziger Jahren ausgebracht worden sind, in Bioprodukten wieder auf. Da niemand unter einer Glaskuppel produziert und alle Bio-Erzeuger den Einflüssen der konventionellen Produktion und der Umwelt ausgesetzt sind, ist es schlichtweg unmöglich, gänzlich rückstandsfreie Ware herzustellen. Es besteht aber die Möglichkeit, Eintragspfade weitgehend zu verschließen. Das ist ein Prozess, der sehr individuell ist, da es in den unterschiedlichen Regionen, bei unterschiedlichen Transportwegen, mit unterschiedlichen Nachbarn usw. auch verschiedene Probleme gibt. Wichtig ist, für alle möglichen Eintragsquellen eine Sensibilität zu entwickeln. Man muss positiv misstrauisch sein.


Das Interview führte Katja Niedzwezky, Pressesprecherin des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. und Mitglied im PresseForum BioBranche. Der Chemiker Dr. Günter Lach beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Analytik und Bewertung von Rückständen in Lebensmitteln. Er war in leitender Funktion in anerkannten privaten Laboratorien tätig und ist Autor zahlreicher Fachpublikationen zu rückstandsanalytischen Themen. Seit 2005 ist er selbständig tätig im Büro „Lach & Bruns Partnerschaft - Beratende Chemiker“.

 

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