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Biolandbau zur Ernährungssicherung in den Tropen

von Redaktion (Kommentare: 0)


In der Schweiz ist der Biolandbau als gut funktionierendes nachhaltiges Anbausystem anerkannt. Nachhaltige Landwirtschaft und beständige Ernten sind mit zunehmenden Klimaschwankungen auch in tropischen Gebieten immer wichtiger. Ein schweizerisches Forschungsprojekt startet nun in Afrika, Asien und Lateinamerika eine Langzeitstudie. Es werden ökologische Landwirtschaftsmethoden auf ihre Tauglichkeit zur Ernährungssicherung, zur Armutsbekämpfung und zum Schutz der Umwelt in den Tropen untersucht.

(Bild: Christine Zundel, FiBL, Schweiz)


Klimawandel und zunehmende Armut stellen in vielen Entwicklungsländern große Anforderungen an die Bauern des Südens. Nun untersuchen Schweizer Wissenschafter, was der Biolandbau zur Lösung dringender Probleme der Welternährung beitragen kann. „Dürre oder Überschwemmungen hatten schon immer einen grossen Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit und die Ernte in tropischen Gebieten“, sagt Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL. „In Zukunft werden diese Extremverhältnisse voraussichtlich noch zunehmen und die Ernährungssituation in Entwicklungsländern beeinflussen.“ Wissenschaftliche Langzeitstudien, welche die biologische mit der konventionellen Landwirtschaft in den Tropen vergleichen, existieren bisher nicht. Die schweizerische Initiative ist eine Pionierleistung im Bereich der Landwirtschaftsforschung.


„Wie die Biolandwirtschaft zur Nahrungssicherheit und nachhaltigen Entwicklung in tropischen Ländern beitragen kann, ist von globalem Interesse“, sagt der Schweizer Welternährungspreisträger und Präsident von BioVision Hans Rudolf Herren. „Entscheidungsträger in der Entwicklungszusammenarbeit und auch die lokalen Bauern sollen sich in Zukunft auf wissenschaftliche Forschungsresultate stützen können.“ Die Erkenntnisse aus dem Langzeitversuch werden publiziert und gezielt an staatliche und nichtstaatliche Landwirtschaftsberater sowie direkt an die Bauern weitergegeben.


Die wissenschaftliche Leitung in diesem Langzeit-Systemvergleich liegt beim FiBL in Frick, welches zu den weltweit führenden Forschungsinstituten im biologischen Landbau gehört. Finanziert wird der Langzeitversuch von einem Geldgeberkonsortium bestehend aus der Schweizer Stiftung BioVision, Coop und der DEZA, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes. Die Geldgeber sind überzeugt von der partnerschaftlichen Vorgehensweise und von den langfristig angelegten Versuchen zur Förderung des Biolandbaus.


Das Interesse in dieser Langzeitstudie gilt verschiedenen Punkten: Es geht um den Zusammenhang zwischen biologischen Anbauformen und Ertrag, Qualität und Haltbarkeit von Feldfrüchten, aber auch um Wirtschaftlichkeit und Energie-Effizienz sowie um Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. Besonders berücksichtigt werden auch die extremen Wetterverhältnisse, welche durch den Klimawandel in den Tropen immer häufiger vorkommen.


Das Konzept der biologischen Landwirtschaft stützt sich auf die Verwendung von lokal vorhandenen Ressourcen und angepassten Technologien wie z.B. der Schädlingskontrolle durch natürliche Feinde. Dieses Konzept eröffnet neue Möglichkeiten in der nachhaltigen Entwicklung des Südens: beständigere Erträge und der Zugang für Bäuerinnen und Bauern zu attraktiven Märkten, z.B. dank bio-zertifizierten Produkten.


Inzwischen ist das Projekt erfolgreich gestartet. In Kenia und in Indien sind die Versuchsfelder bepflanzt worden. „Kenia bot sich als Standort an, weil wir dort mit dem renommierten Insekten-Forschungszentrum icipe (International Centre of Insect Physiology and Ecology) einen gut vernetzten und kompetenten Partner haben“, sagt Projektleiterin Christine Zundel vom FiBL. In Indien hat das FiBL den Langzeitversuch in Zusammenarbeit mit der bioRe Association, Partnerin und Lieferantin der Bio-Baumwolle für Coop, angelegt. bioRe Indien hat langjährige Erfahrung im biologischen und biodynamischen Anbau und produziert mittlerweile mit über 7000 Bauern zertifizierte Biobaumwolle. Die Partnerschaft von FiBL und bioRe wird ergänzt mit indischen Forschern und landwirtschaftlichen Forschungsinstituten. „Dadurch, dass die DEZA für das Vorhaben gewonnen werden konnte, können wir einen dritten Standort in Bolivien aufbauen“, sagt Zundel. „Damit wird dies der grösste je durchgeführte Systemvergleich in den Tropen sein.“

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