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Biolandbau ist aktiver Klimaschutz

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die internationale Fachtagung „Klimawandel und Biolandbau“ im März 2006 endete mit klaren Aussagen: Die Referenten aus Wissenschaft und Praxis beleuchteten den Klimawandel der letzten Jahre und stellten verschiedene düstere Zukunftsszenarien vor. 

Bis in 70 Jahren könnte jeder zweite Sommer die Temperaturextreme von 2003 aufweisen. Aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls ohne Zweifel: Der Biolandbau wirkt dieser Entwicklung effektiv entgegen. Die im Biolandbau praktizierte Wirtschaftsweise bindet in großem Maße CO2 aus der Luft. Darüber hinaus emittieren Biolandwirte 60 % weniger Kohlenstoffdioxid als konventionelle Landwirte (Grafik). Das Podium fasste die Konsequenzen der wissenschaftlichen Prognosen in zwei zentrale Forderungen: Es liegt am Verbraucher, einen nachhaltigeren Lebensstil anzunehmen. Dazu müssen solche Zusammenhänge viel stärker in das öffentliche Bewusstsein gelangen. Als einen wichtigen Schritt in diese Richtung hat Bioland die Fachtagung „Klimawandel und Biolandbau“ initiiert.

 

Dr. Gerhard Berz, ehemaliger Leiter der GeoRisikoForschung bei der Münchener Rück, betonte die klare Beweislage: Das Klima verändert sich eindeutig durch CO2-Emissionen, die bis zu 100 Jahre in der Atmosphäre bleiben. Zentrales Anliegen von Berz: Das Wissen um diese Entwicklungen muss verbreitet werden, sonst kann nicht adäquat darauf reagiert werden. Die Werkzeuge, um CO2 einzuparen sind vorhanden, sie müssen nur eingesetzt werden. Ein solches Werkzeug ist die im Biolandbau praktizierte Bodenbewirtschaftung mit ihren deutlich höheren Humusgehalten.

 

Pierluigi Calanca, Eigenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau Reckenhorst, hob in seinem Beitrag auch die positiven Auswirkungen eines veränderten Klimas hervor: Längere Vegetationsperioden verlängern die Bewirtschaftung von Futterwiesen um zehn Tage (mehr Schnitte, bessere Qualität). Allerdings nimmt mit einer zunehmenden Erwärmung die Luftfeuchtigkeit ab, was zusätzlichen Hitzestress, geringere Erträge und schlechtere Qualitäten im Pflanzen- und Ackerbau zur Folge hat. Calanca betonte deshalb die Anpassungsmöglichkeiten wie etwa geeignete Sorten, aber auch neue Produktionsverfahren. Die Wiederbelebung alter und resistenterer Sorten wäre eine Möglichkeit.


Den konkreten Beitrag des Biolandbaus zur Abmilderung der Klimafolgen belegte Professor Kurt-Jürgen Hülsbergen vom Lehrstuhl ökologischer Landbau an der TU München-Weihenstephan anhand mehrerer Untersuchungen. Unter anderem stellte er eine Studie zum Humusgehalt in Böden vor. Der Humusgehalt ist ein wesentlicher Indikator zur CO2-Bindung. Am besten schnitt hier die ökologische Bewirtschaftung mit Stallmist und Kleegras ab, die einen ungefähren Humusgehalt von fast 74t/ha ergab, bei Versuchsbeginn wurden 71t/ha gemessen. Bei konventioneller Bewirtschaftung ohne organische Düngung und ohne Kleegras fiel während der fünf Versuchsjahre der Humusgehalt auf 65t/ha. Auch die Messwerte zum Energieeinsatz sprechen eine deutliche Sprache: Der Biolandbau kommt mit jährlich insgesamt 6,6 GJ aus, die konventionelle Landwirtschaft verbraucht mit ungefähr 20 GJ etwa dreimal mehr Energie – und damit klimaschädigendes CO2.


Beim Podiumsgespräch diskutierten die rund 70 Tagungsgäste mit den Experten (Bild) Johann Weber, Bayrisches Landesamt für Umweltschutz, Norbert Jordan, Österreichische Hagelversicherung, Professor Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Potsdam-Institut für Klimafolgenfoschung, Sepp Braun, Bio-Landwirt, und Josef Wetzstein, Bioland-Bayern, die Frage: Klimawandel – Landbauwandel?

Zwei zentrale Ergebnisse brachte der Nachmittag: Die Politik ist gefordert, die eindeutigen und fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht weiter zu ignorieren und die ebenso eindeutig fundierten Leistungen des Biolandbaus in diesem Zusammenhang zu honorieren. Eine Untersuchung der Uni Graz ergab, dass das bisher ausgestoßene CO2 bis in 100 Jahren rückgebunden werden könnte, wenn weltweit ausschließlich Biolandbau betrieben würde. Ein eindrucksvolles – wenn auch unwahrscheinliches – Szenario, das kontrovers zwischen Podium und Publikum diskutiert wurde.


Weiterhin liegt die Entscheidung beim Konsumenten, die heimische Wirtschaft und klima- und umweltschonende Wirtschaftsweise durch entsprechendes Kaufverhalten zu honorieren. Eine Studie der Uni Linz über die Auswirkungen des Konsumverhaltens auf die Wirtschaft ergab, dass eine Reduzierung importierter Lebensmittel um 10 % eine um 2,1 Mrd. Euro höhere Wertschöpfung zur Folge hat und 17.000 Arbeitsplätze schafft. Josef Wetzstein, Bioland-Bayern, betonte deshalb in seinem Schlusswort, dass es wichtig sei, im eigenen Land so viel wie möglich zu tun. Dazu gehört die engagierte Arbeit der Biolandwirte vor Ort, die seit einigen Jahren zunehmende Forschungstätigkeit zum Biolandbau und eine effektive politische Lobbyarbeit in der Region, auf Bundes- und Länderebene.

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